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Hartmut Gieselmann 65

Analyse: Apple macht 4K-Filme massentauglich

Analyse: Apple macht 4K-Filme massentauglich

Bild: Apple

4K nicht teurer als HD: Apples Preisstrategie übt Druck auf den gesamten Filmmarkt aus. Davon profitieren selbst Filmfans, die den Apfelkonzern nicht mögen.

Technisch gesehen ist Apple bei 4K und HDR nicht Vorreiter, sondern Nachzügler. Und das neue Apple TV 4K ist denn auch nur eine Streaming-Box von vielen, die die neuen Formate beherrschen. Viel wichtiger war am gestrigen Abend aber eine andere Ankündigung: Apple verkauft 4K-Filme nicht teurer als HD-Filme. Selbst alte HD-Filme werden kostenlos hochgerüstet. Das betrifft nicht nur Käufer des neuen Apple TVs, sondern voraussichtlich auch alle Nutzer, die iTunes-Filme auf Smartphones, Tablets, Windows-PCs oder Macs schauen. Apples Kunststück ist also kein technisches, sondern ein kaufmännisches: Per Verhandlungsgeschick und Marktmacht zwingen sie die wichtigsten Filmstudios zu günstigeren Preisen.

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Denn was man bislang an 4K-Material vorgesetzt bekommt, ist armselig. Lediglich bei einer Handvoll Filmen wurde die 4K-Auflösung von der Kamera-Aufnahme über das Special-FX-Rendering bis zur Pressung auf UHD Blu-rays durchgehalten. Und das Streaming-Angebot ist bislang ebenfalls mickrig: Netflix und Amazon streamen vielleicht ein Dutzend US-Serien und wer einen 4K-Film bei Amazon Prime Video kaufen will, zahlt Mondpreise von 30 Euro – damit ist kein Massenmarkt zu machen.

Wenn Apple nun aber bei den Preisen keinen Unterschied mehr zwischen HD und 4K macht, dann wird man künftig neue iTunes-Filme in 4K für 10 bis 15 Euro kaufen können. Da werden auch die anderen Anbieter wie Amazon mitziehen müssen. Selbst die UHD Blu-ray gerät unter Druck, auch wenn ihre Bildqualität dank höherer Bitraten deutlich besser ist. Denn diese Vorzüge goutiert nur eine kleine Zahl von Heim-Cineasten, und 3D-Kino-Sound in Dolby Atmos findet man inzwischen nicht nur auf UHDs, sondern auf fast ebenso vielen Blu-ray Discs.

Ein Kommentar von Hartmut Gieselmann

Eine Analyse von Hartmut Gieselmann

Redakteur Hartmut Gieselmann, Jahrgang 1971, ist seit 16 Jahren bei c't und testet alles, was mit Audio & Video, Spielen und VR zusammenhängt. Sein kleines Heimkino hat er just auf 4K und 3D-Sound aufgerüstet, jetzt fehlen ihm nur noch die Filme.

Mit günstigeren Filmen fällt dann auch der Startschuss für 4K im Massenmarkt. Zum Weihnachtsgeschäft werden wir mit unzähligen Elektromarkt-Prospekten mit neuen 4K-Fernsehern, Streaming-Boxen und UHD-Playern bombardiert. Mit deren Verbreitung nimmt auch die Nachfrage nach 4K-Filmen zu, was die Studios wiederum veranlasst, mehr Material in 4K zu produzieren.

Im Konzert der großen Hollywood-Studios tanzt nur Disney aus der Reihe. Das betrifft nicht nur deren Animationsfilme, sondern auch alle Streifen der Marvel-Studios, Pixar und Star Wars, die zum Disney-Konzern gehören (Apple bewirbt zwar seinen 4K-Dienst mit dem Marvel-Film "Logan", dieser wurde jedoch von Fox produziert). Disney hat für das kommende Jahr bereits Netflix gekündigt und will sein eigenes Streaming-Angebot aufziehen. Da muss man abwarten, ob sie diesen Alleingang tatsächlich durchhalten und genügend Interessenten finden, die für Superhelden und Comic-Figuren nochmal extra in die Tasche greifen. (hag)

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