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Volker Briegleb 464

"Alien: Covenant" macht dem Mythos endgültig den Garaus

"Alien: Covenant" macht dem Mythos endgültig den Garaus

Bild: 20th Century Fox

Ridley Scott setzt das SF-Horror-Franchise fort, das er 1979 mit dem Meisterwerk "Alien" begründet hat. Leider verfolgt er bei "Alien: Covenant" konsequent alle Irrwege, die er schon mit "Prometheus" beschritt. Immerhin: Es gibt mehr Monster.

Prometheus war der Anfang: In der griechischen Mythologie ist es der Titan Prometheus, der gegen die Götter aufbegehrt, den Menschen das Feuer bringt – und damit die Zivilisation. Es ist eine Schöpfungsgeschichte, der Beginn der Menschheit. Für die Filmreihe, die 1979 mit dem epochalen "Alien" begann, war "Prometheus" der Anfang vom Ende. "Alien: Covenant" gibt dem stolzen Franchise nun den Rest.

Epochales Space-Monster

1979 hatte Ridley Scott mit "Alien" einen Überraschungshit gelandet – und einen Klassiker geschaffen. "Alien" war zwar ein B-Movie, aber Scott und Drehbuchautor Dan O'Bannon hatten Ambitionen. Sie wollten mehr. Scott verpasste dem Weltraum einen ganz neuen Look – und ließ den Schweizer Künstler H.R. Giger das Monster entwerfen.

Scott und O'Bannon vermählten die Science Fiction mit dem Horror-Genre und fügten eine ordentliche Dosis Gore hinzu, was damals noch nicht selbstverständlich war für die Produktion eines der großen Studios. Ende der Siebziger auch noch nicht Normalität: Eine starke Frau als Hauptfigur in einem Genre-Film. Ohne Ripley (Sigourney Weaver) ist der Erfolg von "Alien" heute nicht denkbar.

Für 20th Century Fox war "Alien" ein enormer wirtschaftlicher Erfolg. Es folgten mehr oder weniger erfolgreiche Sequels von starken Regisseuren: James Cameron ("Aliens", 1986), David Fincher ("Alien 3", 1992) und Jean-Pierre Jeunet ("Alien: Resurrection", 1997). Das ist der Kanon. Dazu kamen noch Romane und Computerspiele sowie eine eigene Filmreihe, die das Alien auf den Predator loslässt, einen außerirdischen Großwildjäger mit eigenem Franchise.

Der Anfang vom Ende

Mit "Prometheus" wollte Scott dem "Alien"-Franchise zugleich ein narratives Fundament und einen philosophischen Überbau zimmern. Eine Expedition von der Erde sucht in einem weit entfernten Sonnensystem nach den "Konstrukteuren", einer außerirdischen Spezies, die – so die Theorie – das Leben auf die Erde gebracht haben. Die Crew findet den Tod. "Prometheus" krankt an schwerfälliger Schöpfungs-Esoterik und ergeht sich in ambivalenten Andeutungen über die Herkunft des Alien.

Aus der Nummer kommt Scott nur schwer wieder raus. Doch versucht hat er es trotzdem: "Alien: Covenant" ist eine Fortsetzung von ”Prometheus" und soll weiter an das Original von 1979 heranführen. Zehn Jahre nachdem Dr. Shaw, die letzte Überlebende der Prometheus, zusammen mit Androide David von LV-223 fliehen konnte, ist das Siedlungsschiff Covenant mit 2000 Siedlern im Kälteschlaf unterwegs zu einer neuen Welt.

Dann passiert, was immer passiert diesem Universum: Etwas geht schief und die Crew wird vorzeitig aus dem Kälteschlaf aufgeweckt, um Reparaturen vorzunehmen. Sie empfangen ein seltsames Signal von einem nicht so weit entfernten System: Es hört sich an wie "Country Roads" von John Denver. Gegen den Rat seiner ersten Offizierin Daniels (Katherine Waterston) entscheidet der tiefreligiöse Captain Oram (Billy Crudup), dem Signal nachzugehen und den offenbar für eine Besiedlung bestens geeigneten Himmelskörper zu erkunden.

Wer schon mal einen "Alien"-Film gesehen, weiß: Das ist keine gute Idee. Die erste Begegnung mit dem Unbekannten lässt auch nicht lange auf sich warten. Anders als bei "Prometheus" kommt Scott direkt zur Sache. Immerhin, hier liefert "Alien: Covenant": Es gibt neue Varianten des "Xenomorphs" und schicke Set-Pieces, in denen Crewmitglieder kreativ und sehr blutig zu Tode gebracht werden. Was man halt so erwartet von einem "Alien"-Film.

Effektvolles Popcorn-Kino

Scott zeigt hier, dass er es immer noch drauf hat. Er greift immer wieder Motive auf, die wir aus den Vorgängern kennen, und variiert sie. Das ist alles sehr effektvoll inszeniert und dürfte als Popcorn-Monster-Film auch funktionieren. Leider gibt das Drehbuch (John Logan, Dante Harper) der Geschichte dann eine Wendung, die den Mythos "Alien" komplett zerstört.

Hinweis: Leichte Spoiler

Die Reste der Erkundungstruppe werden überraschend gerettet und finden so auch die Quelle des mysteriösen Signals. "Alien: Covenant" knüpft hier direkt an "Prometheus" an und stellt den Androiden Walter (Michael Fassbender) seinem alter Ego gegenüber. Es folgt einiges Geplänkel über die großen Fragen nach Existenz und Bewusstsein. Logan und Harper rühren mit Lord Byron, Mary Shelley und Richard Wagner eine dicke, trivialphilosophische Pampe an, die nur schwer verdaulich ist.

"Alien: Covenant" nimmt viele der Fragen auf, die "Prometheus" noch offen gelassen hat – und begeht den Fehler, sie zu beantworten. Am Ende wissen wir, wie das Alien in unsere Welt gekommen ist: das Alien als Manifestation menschlicher Hybris. Mit dieser Schöpfungsgeschichte verliert der Mythos all seinen psychologischen Schrecken. Der namenlose Terror des Universums landet als Bettvorleger für Soziologiestudenten. Was bleibt, ist banale Zivilisationskritik.

"Alien: Covenant" läuft ab dem 18. Mai 2017 im Kino. (vbr)

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