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Volker Briegleb 177

5G: Das Rennen ist eröffnet

5G: Das Rennen ist eröffnet

Nicht nur bei der Telekom war 5G das hervorstechende MWC-Thema.

Bild: heise online

Der nächste Netzstandard 5G stellt die Mobilfunkbranche vor neue Herausforderungen. Während die Standardisierung noch läuft, zeigen Ausrüster ihre Demos. Und die Netzbetreiber haben ein paar Forderungen an die Politik.

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"5G ist mehr als ein Standard", sagt Tim Höttges. "5G ist ein 'Enabler'." Der Telekom-Chef blickt, wie viele seiner Kollegen auf dem Mobile World Congress, mit einiger Zuversicht auf die anstehenden Veränderungen in der Branche. 5G ist in Barcelona schon seit ein paar Jahren das Etikett für große Marketingträume. Da hat die Realität schon mal Schwierigkeiten, Schritt zu halten: Einen fertigen Standard gibt es noch nicht, und was der schließlich alles ermöglicht, muss man auch noch abwarten.

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Aber die nächste Netzgeneration nimmt auf dem MWC 2017 deutlich Formen an. Ausrüster und andere Technikzulieferer zeigen Prototypen und Vorseriendemos, mit denen die Netzbetreiber schon mal experimentieren können. "Wir bekommen eine Ahnung davon, was hinter den ganzen Buzzwords steckt", sagt Markus Haas, frischgebackener CEO von Telefónica Deutschland, in Barcelona. Für Netzbetreiber ist 5G nicht nur die nächste Geschwindigkeitsstufe in ihren Handynetzen. "Es ist mehr als Mobilfunk, es geht auch um die Kernnetze", sagt Alain Maloberti, der bei Orange für die Netzarchitektur zuständig ist.

Extreme Bandbreiten, Latenzen unter 1 Millisekunde und garantierte Verfügbarkeit für Abermillionen von Geräten im Internet of Things – das sind die Parameter, an denen die Netzbetreiber künftig gemessen werden. Dafür kommen verschiedene Techniken auf mehreren Frequenzbändern zum Einsatz – auch LTE spielt für die Pläne der Carrier weiter eine Rolle. Die Netzbetreiber müssen auch nicht immer alles zugleich liefern, sondern passen ihr Angebot den Anforderungen der jeweiligen Anwendung an. Mit Verfahren wie dem Network Slicing erhalten Kunden eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene "Scheibe" des Netzes.

Insgesamt wird das Etikett der Dimension des Vorhabens nicht ganz gerecht. "Wir sollten 5G mehr als Geschäftsmodell denn als Technologie verstehen", erklärt Ericsson-CEO Borje Ekholm. 5G umfasst verschiedene Netze, Technologien und Anwendungen. Es sind vor allem integrierte Netzbetreiber wie Telefónica, Telekom oder Vodafone, die dieses Geschäftsmodell entwickeln. Sie können alle verschiedenen Anwendungsfälle für 5G abdecken. Doch "5G ist sehr teuer", rechnet Höttges in Barcelona vor.

Damit sich die enormen Investitionen rechnen – Höttges schätzt, dass ein EU-weiter Rollout 300 bis 500 Milliarden Euro kostet – müssen sich die Netzbetreiber bewegen. Auch mit Virtualisierung und Software Defined Networking "rechnet sich das einfach nicht", sagt Telekom-CTO Bruno Jacobfeuerborn. "Wir brauchen da wahrscheinlich radikalere Lösungen". Und Zusammenarbeit mit den Wettbewerbern: "Die Branche muss die Möglichkeiten von 5G gemeinsam entdecken", schlägt seine Vorstandskollegin Claudia Nemat vor.

Das Internet of Things stellt die Branche vor allem vor neue Aufgaben, was die Sicherheit angeht. Wenn jeder und alles ins Netz kann, reicht es nicht mehr, nur die Endgeräte abzusichern – was bei Milliarden Kleinstgeräten auch kaum realistisch ist. Andere Sicherheitsebenen im Netz müssen her. Nokias Mobilfunk-CTO Hossein Moiin geht davon aus, dass die hohen Performance-Anforderungen an 5G die Carrier zwingen, mehr Technik – und damit Sicherheitsinstitutionen wie Firewalls – auch an den Rändern der Netze zu installieren. "Wir haben eine intrinsische Motivation, für Sicherheit zu sorgen", sagt auch Sprint-Technikchef Günther Ottendorfer.

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Bei Qualcomm wird parallel an der Weiterentwicklung von 4G/LTE und am neuen Standard 5G gearbeitet. (Bild: heise online)

Der Standardisierungsprozess läuft, Mitte 2018 soll das erste Standardpaket fertig sein, damit die ersten Netze wie geplant 2020 live gehen können. Doch einige Unternehmen – darunter die Telekom und Vodafone – scharren ungeduldig mit den Hufen. Sie wollen den ohnehin ambitionierten Zeitplan für das erste Paket etwas vorziehen, um schon 2019 loslegen zu können. Bei den Ausrüstern hofft man so, eine Fragmentierung des Marktes zu vermeiden. Unter anderem über diesen Vorstoß berät die Standardisierungsgruppe 3GPP in dieser Woche auf ihrem Treffen in Dubrovnik.

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Ob sich die 3GPP nun dazu durchringt, das Verfahren zu beschleunigen, oder nicht – die zentrale Ressource für 5G ist schon jetzt knapp. "Spektrum ist der Treibstoff der Maschine", sagt der Vorsitzende des Netzbetreiberverbands NGMN, Vodafones CTO Johan Wibergh. Und der Treibstoff ist knapp: Schon mit LTE Advanced überstiegen die technischen Möglichkeiten das den Netzbetreibern zur Verfügung stehende Spektrum. Qualcomms nächstes LTE-Modem kann durch die Bündelung von 5×20 MHz bis zu 1,2 GBit/s im Download erreichen – nur so viel passendes Spektrum hat kaum ein Anbieter.

In Europa wird derzeit das 700-MHz-Band freigeräumt, um den Frequenzhunger der Branche zu stillen. Dazu wird mit Frequenzen um 3,5 GHz experimentiert – in den Bändern unter 6 GHz sieht die Branche noch das größte Potenzial. Weniger ergiebig dürfte der Millimeterwellenbereich über 30 GHz sein, auch so ein Hype-Thema auf dem MWC. "Das hängt stark von der Anwendung ab", sagt Jacobfeuerborn. Die Frequenzen ermöglichen zwar hohe Bandbreiten, sind aber störungsanfällig und haben eine geringe Reichweite. "Der Bereich unter 6 GHz ist der geeignetste für 5G", meint auch Wibergh.

Die Netzbetreiber brauchen mehr Spektrum – und das möglichst billig. "Das Spektrum muss zu vernünftigen Konditionen bereitgestellt werden", fordert Höttges und weiß dabei seine Kollegen hinter sich. "Die Industrie braucht Klarheit, keine Unsicherheit." Noch eine teure Auktion will sich die Branche nicht leisten. "Wir brauchen exklusives Spektrum für 5G und das zu geringeren Kosten als bisher", sagt auch Orange-CEO Stephane Richard. "Und wir sollten die Nutzungsrechte für 25 Jahre bekommen."

Solche Forderungen nach günstigen Rahmenbedingungen sind nicht neu. Mehr Frequenzen und weniger Netzneutralität heißt das Lied, das die Telcos im Chor singen. In den USA ist das gehört worden: Mit dem Regierungswechsel in Washington dreht auch der Wind in der US-Regulierungspolitik. Der neue FCC-Chef Ajit Pai verkündet der Branche die frohe Botschaft, er wolle mit leichter Hand regulieren und so Investitionen in 5G anregen. Die Neutralitätsauflagen seines Vorgängers will Pai wieder kassieren. Es sei wohl offensichtlich, dass die FCC da "einen Fehler gemacht" habe, sagt Pai in Barcelona.

Auch die Regulierung in der EU wird sich mit der Netzneutralität bei 5G beschäftigen müssen – Stichwort Network Slicing. Die Netzbetreiber sehen da natürlich kein Problem. Zudem steht die Netzneutralität bei EU-Politikern nicht unbedingt oben auf der Liste. Die EU sieht in 5G eine Chance, bei einer Zukunftstechnologie ganz vorne mitzuspielen. Die Europäer haben aufgeholt, müssen auch die US-Unternehmen in Barcelona zugeben. "Das Rennen ist eröffnet", sagt Moiin. Für die EU gibt der Chef der Generaldirektion Connect in Barcelona die Marschroute vor: "Das Ziel ist, erster zu sein". (vbr)

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