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34C3: Die Vertreibung der "pflegeleichten Hackerfamilie" aus dem Nerd-Paradies

34C3: Die Vertreibung der "pflegeleichten Hackerfamilie" aus dem Nerd-Paradies

Bild: CC by 4.0 34C3 media.ccc.de

Die 34. Konferenz des CCC hat dem Veranstalter nicht nur einen neuen Teilnehmerrekord, sondern auch eine "MeToo"-Debatte über Belästigung beschert. Die Abschlussrednerin beschwor die "freie und offene Kultur" des Kongresses.

Nach vier Tagen und Nächten Dauerhacken unter dem Motto "Tuwat!" geriet die Abschlusskundgebung für den 34. Chaos Communication Congress (34C3) in Leipzig am Samstagabend zu einer aufmunternden Therapiestunde und einem mahnenden "Wort zum Sonntag" zugleich. "Wir sind eine Familie", beschwor die Hackerin Sva, die den Chaos Computer Club (CCC) und die von ihm ausgerichtete Konferenzen seit Jahren begleitet, vor dem Start der mehrtägigen Abbauphase den Zusammenhalt der galaktischen Gemeinde der Freunde des kreativen Umgangs mit der Technik. "Wir streiten uns auch; das ist gut", konstatierte sie. "Aber nicht zuviel, denn das kostet Energie und Nerven."

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"Die Kämpfe, die da anstehen, kriegen wir nur hin, wenn wir uns kennen, vertrauen, akzeptieren", betonte die studierte Informatikerin und Ethnologin. "Wir glauben, dass hier jeder so sein kann, wie er ist." Manche sähen es anders, räumte sie ein. Wenn dem tatsächlich so wäre, "müssen wir das fixen". Sie persönlich lobte aber die "freie und offene Kultur" der Hacker, von denen jeder "ein kleines Bisschen" nach dem Motto "Wir machen das!" zum Erfolg so einer Großveranstaltung beitrage. Auch Außenstehende, die mit den Kongressteilnehmern direkt Kontakt hätten, bezeichneten die Leute vor Ort oft als "so friedfertig" und "pflegeleicht". Sie seien anfangs irritiert, "dass wir alles selber machen wollen" und empfänden die "Schlangenbildungsdisziplin" beeindruckend. Diese externe Wahrnehmung sollte allen Beteiligten "Mut machen".

Das Gelände auf der Messe Leipzig war deutlich größer als das des "Congress Center Hamburg". (Bild:  CC by 4.0 34C3 media.ccc.de)

Mit keinem Wort erwähnte Sva die "MeToo"-Debatte direkt, die den CCC im Weinstein-Jahr kurz vor Weihnachten eingeholt hatte und vor allem auf Twitter parallel zum 34C3 heftig geführt wurde. Es gab Vorwürfe einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen einem Pärchen im Vorfeld eines Hackercamps in den Niederlanden im Sommer und dass der angebliche, von der Staatsanwaltschaft allerdings nicht verfolgte Übeltäter nun auf dem Kongress zugelassen worden sei. Einzelne Online- und Print-Medien sowie Blogger griffen die Online-Anfeindungen auf und es war teils zu hören, dass der Club und die nach wie vor größtenteils von weißen Männern dominierte Hackerszene ein ihr unterstelltes "Pimmelproblem" auf den Bühnen weitgehend ausklammere.

Angesichts dieser Umstände traf es sich gut, dass mit Sva eine Frau die Abschlussrede hielt. Sie erzählte auch gleich eine Geschichte, um zu zeigen, dass die aufgerissenen Gräben überbrückbar seien: So habe in diesen Tagen erstmals ein "Generationenaustausch" zwischen der Wau-Holland-Stiftung und der "Geheimorganisation" stattgefunden, also zwischen den "jüngsten und dienstältesten Hackern". Die sich für Inklusivität stark machende, von vielen weiblichen Mitgliedern getragene "Geheimorga" habe die Stiftungsversammlung zunächst "besetzt", nachdem diese sich einmal frei von sonst üblichen Kongress-Verhaltensregeln ("Code of Conduct") treffen wollte. Letztlich sei aber alles konstruktiv abgelaufen, versicherte Sva: Beide Seiten hätten "ähnliche Probleme auf den Veranstaltungen des CCC" gesehen.

Es gebe wohl eine "Differenz zwischen dem Anspruch und dem Empfinden einzelner Teilnehmer", führte die Rednerin aus. Sie verglich diese gefühlte Kluft mit dem "Schmutzschwellenwert in Hackerspaces", der sich in einer unterschiedlichen "Akzeptanz von Dreck" manifestiere: Während die einen sich darüber freuten, gerade mal aufgeräumt zu haben, wollten andere trotzdem erst noch die Putzkolonne holen. Die Ziele beider Gruppen seien aber die gleichen, philosophierte Sva und unterstrich: "Für alle unterschiedlichen Dinge muss auf dem Kongress ein Platz sein."

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