Logo von Make

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.703.356 Produkten

Peter Eisner 33

SoCs für Bastelrechner: Freie Allwinner-Treiber per Crowdfunding

Zwei Comic-Pinguine vor weißem Hintergrund

Bild: Bootlin

Der Embedded-Linux-Entwickler Bootlin finanziert per Crowdfunding die Entwicklung freier Video-Treiber für Allwinner-SoCs. Ziel ist die Unterstützung von Hardware-Video-Decoding im Mainline-Linux-Kernel.

Die in Toulouse beheimatete Firma Bootlin (vormals Free Electrons) wollte eigentlich nur ausprobieren, ob es klappt: Lässt sich die Entwicklung freier Treiber für den Linux-Kernel per Kickstarter finanzieren? Das hängt natürlich von der Nachfrage ab und in diesem Fall war die Antwort eindeutig: Das Finanzierungsziel von 17.600 Euro wurde bereits nach einem Tag erreicht.

Anzeige

Bei dem Embedded-Entwickler kümmern sich dafür zwei Programmierer um die Unterstützung der Video-Wiedergabe auf Allwinner Systems-on-Chip (SoC). Dabei werden Treiber für den offiziellen Linux-Kernel entwickelt. Die Hardware kann damit künftig ihre Videofähigkeiten ausspielen, ohne auf proprietäre Video-Treiber und zugleich ältere Kernel des Chip-Herstellers angewiesen zu sein. Davon profitieren Einplatinenrechner verschiedener Hersteller aus den Reihen Orange Pi, NanoPi, Banana Pi, der von massiven Lieferschwierigkeiten geplagte C.H.I.P., einige Cubieboards, der Pine64, das Tritium-Modell von Libre Computer oder verschiedene Olimex-Boards einschließlich des DIY-Laptops Teres.

Das Hauptziel der Kampagne beinhaltet das Decoding von H.264 und MPEG2 für die älteren Plattformen Allwinner A10, A13, A20, A33, R8 und R16. Das erste – bereits erreichte – Stretch Goal stellt die Unterstützung der neueren Chips H3, H5 und A64 in Aussicht. Nicht enthalten ist der erst 2017 vorgestellte Allwinner H6, der – abseits von Android-basierten Set-Top-Boxen – bisher nur auf zwei Orange-Pi-Boards Verwendung findet. Weitere Ziele sind Decoding von H.265 und Encoding für H.264.

Die Grafik der genannten SoCs lässt sich grob in drei Bereiche einteilen: Um das Decoding und Encoding von Video-Streams kümmert sich die hier im Fokus stehende Video-Engine (VE). Für 3D-Berechnungen mittels OpenGL ES kommen verschiedene Versionen der von ARM lizenzierten Mali-GPUs zum Einsatz. Beide Abteilungen sind für die Ausgabe der Grafik zusätzlich auf einen Bildschirmtreiber angewiesen. Im einfachsten Fall funktioniert das über den Minimalkonsens der Bildausgabe – den Framebuffer. Weniger CPU-lastig und hardwarenäher ist dagegen die Ausgabe per Direct Rendering Manager (DRM). Bootlin plant neben der Arbeit an der Video-Engine auch den direkten Weg auf den Bildschirm per DRM-Treiber zu ebnen.

Die Entwickler wollen das Hauptziel bis Juni 2018 umsetzen und alles Weitere bis Dezember erledigen. Sie fangen nicht bei Null an: das nötige Reverse Engineering der Video-Engine gilt als weitgehend abgeschlossen. Bei Bootlin begann die Arbeit an dem Sunxi-Cedrus genannten Treiber bereits im Jahr 2016. Die Bekanntheit der Entwickler dürfte zur schnellen Finanzierung beigetragen haben. Die bulgarische Open-Hardware-Firma Olimex spendierte gleich zu Beginn 1024 Euro.

Zwar gehört die Unterstützung der OpenGL-Hardware nicht zum Umfang des Projekts. Doch auch hier konnte Bootlin die Situation verbessern. Vor einigen Monaten erhielt die Firma von Allwinner die Erlaubnis zur Veröffentlichung aktualisierter Binärtreiberfür Mali-GPUs in Allwinner-SoCs. Damit ist es immerhin möglich, die Mali-Hardware unter aktuellen Mainline-Kerneln zu benutzen. Zuvor hatte die Community nur Zugriff auf ältere Binärtreiber, die an alte Kernelversionen zwangsgekoppelt sind.

Die quelloffene Alternative zu den ARM-Treibern für Mali-GPUs – der sogenannte Lima-Treiber – verzeichnete in den letzten Jahren keine Fortschritte und galt gemeinhin als tot. Doch gibt es auch hier vorsichtigen Optimismus, seit ein AMD-Mitarbeiter im letzten Jahr das Projekt wiederbelebt hat.

Interessant sind die Bemühungen um freie Video-Treiber zum Beispiel für Projekte wie LibreELEC, das mit einem möglichst schmalen Linux-Unterbau den Medienplayer Kodi auf eine Vielzahl von Plattformen bringen möchte. Die Fortschritte im Bereich der 3D-Unterstützung könnten ihren Weg in Retrogaming-Plattformen wie (das auf LibreELEC aufbauende) Lakka oder die auf Armbian basierende RetroPie-Adaption RetrOrangePi finden. Für die eigenen Bastelambitionen ist es jedoch ratsam, die Entwicklung erst einmal abzuwarten – auch die Entwickler von Bootlin schließen unerwartete Probleme und Verzögerungen nicht aus. (Peter Eisner) / (hch)

Anzeige

33 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Neue Bastelboards mit Allwinner-Chips

    Ein blaues Board, der Friendly ARM Nano Pi A64

    Die Einplatinenrechner aus den Reihen Nanopi und Orange Pi haben Zuwachs bekommen. Community-Projekte lassen auf bessere Linux-Unterstützung hoffen.

  2. Nicht ganz frei: Libre Computer

    Ein weißes Board

    Ein neuer Raspberry-Pi-Konkurrent setzt auf offene Hardware und freie Software, mit besserer Linux-Unterstützung, aber ohne WLAN. Drei verschiedene Rechner wurden bereits per Crowdfunding finanziert.

  3. Linux-Kernel 4.11 soll AMDs GPU-Virtualisierungstechnik unterstützen

    Linux 4.9 freigegeben: Zackigeres Internet und erweitertes XFS

    Das für Ende April erwartete Linux 4.11 soll Teile von Radeon-GPUs an virtuelle Maschinen überstellen können, damit sich die Grafikbeschleunigung performant nutzen lässt. Auch sind Verbesserungen für selbstverschlüsselnde Festplatten und Raspis geplant.

  4. NanoPi Duo: Linux für das Breadboard

    Ein blaues Board mit Pinleisten unten und Allwinner H2+ Chip in der Mitte oben

    Kleincomputer ab 8 Dollar: der NanoPi Duo von FriendlyElec bringt Linux auf handelsübliche Breadboards. Optional steckt man ihn auf ein Breakout-Board im Raspberry-Pi-Format.

  1. Die Neuerungen von Linux 4.9

    Linux-Kernel 4.9

    Das XFS-Dateisystem kann jetzt doppelt gespeicherte Daten zusammenführen und große Dateien in Sekundenbruchteilen kopieren. Linux 4.9 verbessert zudem die Sicherheit. Neue Möglichkeiten zur Performance-Analyse erleichtern System- und Programmoptimierung.

  2. Mesa 17.3: Performance-Optimierungen bei den 3D-Treibern für Linux

    Mesa 17.3: Weiterer Performance-Schub für 3D-Treiber von Linux

    Eine Reihe von Linux-Spielen laufen mit dem neuen Mesa schneller und flüssiger. Auch die Vulkan-Treiber für Grafikprozessoren von AMD und Intel machen größere Sprünge.

  3. Die Neuerungen von Linux 4.15

    Linux-Kernel 4.15

    Mit einem neuen Ansatz versucht das jetzt erhältliche Linux 4.15 ein altbekanntes Stromsparproblem aus der Welt zu schaffen. Der neue Kernel verbessert den Support für AMDs aktuelle Grafikchips. Schutz vor Meltdown und Spectre ist auch dabei.

  1. Ermittlungen gegen Top-Manager aus VW-Motorentwicklung

    Auspuff, VW, Volkswagen, Abgas-Skandal

    Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Rahmen des Dieselskandals gegen einen weiteren Manager von Volkswagen.

  2. Welt-Pressefoto des Jahres 2017: Die Nominierungen stehen fest

    Zivilisten während der Kämpfe um die irakische Stadt Mossul

    Bilder von Krieg und Frieden, Liebe und Hass, Natur und Naturzerstörung – mehr als 4500 Fotografen haben sich am World Press Photo Contest für das beste Pressefoto des Jahres 2017 beteiligt, nun steht die Vorauswahl für die besten Aufnahmen fest.

  3. Vorstellung: Volvo V60

    Volvo V60 2018

    Kurz vor dem Genfer Autosalon zeigt Volvo erste Bilder des zweiten V60. Der wird deutlich größer als sein Vorgänger und auch teurer. Bei der Gestaltung gibt es kaum neue Akzente: Der Kombi ist ganz im Stil der restlichen Modelle geformt

  4. Das Universum ist flach

    In den letzten Jahrzehnten haben Astronomen intensiv geprüft, ob wir in einem Universum leben, in dem sich die Lichtstrahlen geradeaus bzw. entlang einer Kurve fortsetzen. Auskunft darüber beantwortet die Frage nach der Geometrie des Universums - im großen Maßstab

Anzeige