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Philip Steffan

Musikalische Bastelnacht

Auf dem Hackathon am 6. und 7. September in Berlin näherten sich rund 160 technisch Interessierte dem Thema Musik. Mit Code und Kabeln im Gepäck bastelten sie eine Nacht lang an Prototypen und neuen Ideen.

Abwechslung am Wochenende: Der Programmierer Jelle Akkerman baut in seiner Freizeit an einem Synthesizer.

Jelle Akkerman ist Web-Entwickler. Gerade sitzt er allerdings vor einem silbernen Aktenkoffer, in den ein Modular-Synthesizer eingebaut ist. Das Instrument hat er vor einigen Tagen selbst zusamengesetzt. Die Teile dafür hat er einem anderen Berliner Software-Entwickler abgekauft. "Viele von uns beschäftigen sich privat mit Hardware", sagt Akkerman. "Mal was anderes, als nur vor dem Bildschirm zu sitzen."

So geht es einigen der rund 160 Teilnehmer des Music Hack Day, die an einem sonnigen Wochenende in den Räumen des "Axel Springer Plug & Play Accelerator" zusammensitzen und planen, was sie ausprobieren, bauen, programmieren wollen. Der Music Hack Day ist ein Hackathon, ein Hack-Wettbewerb, in dem Teams und Einzelkämpfer an einem Ort in 24 Stunden versuchen, je ein kleines Projekt umzusetzen.

Das Oberthema dieses Wochenendes macht der Name "Music Hack Day" deutlich: Bei diesem Wettbewerb, der im Rahmen der Berlin Music Week stattfindet, beschäftigen sich die Kreativen mit APIs von Streamingdiensten und Musikdatenbanken, aber eben auch mit Synthesizern.

Sylwester Sosnowski will den ungewöhnliche Musik-Controller Seaboard mit seinem Synthesizer verbinden.

Gegenüber von Akkerman, im Raum der Hardware-Hacker, sitzt Sylwester Sosnowski. Auch er hat seinen Eigenbau-Synthesizer mitgebracht und will versuchen, ihn mit dem "Seaboard" zu verknüpfen, einem neuartigen Musikinterface der englischen Firma Roli. Das Seaboard sieht aus, als hätte man eine herkömmliche Klaviatur mit einer schwarzen Gummimatte überbacken. Man kann darauf wie auf einem Keyboard spielen, die weichen Tasten aber auch bearbeiten, als würde man einen Rücken massieren.

Einen Tisch weiter begegnet man Daniel Wessolek und Dennis Wallraff, die am Projekt "Trafo Trailer" herumdoktern. Die Berliner Nerd-Fahrrad-Gang Trafo Pop, deren Mitglieder mit LED-bestickten Jeansjacken durch Hauptstadtnächte radeln, will ein Soundsystem auf einem Fahrradanhänger bauen. Die Konstruktion soll später nicht nur das Umfeld beschallen, sondern auch drahtlos die Blink-Jacken ansteuern und darauf zur Musik und zum Takt passende Animationen abspielen.

Wallraff, unter der Woche Informatikstudent, sitzt an einem Raspberry Pi und überlegt, wie er die Musiksteuerung umsetzen könnte. In jeder Jacke steckt ein Arduino mit WLAN-Modul, der die LED-Steuerdaten empfängt, aber wie man diese aus der Musik gewinnt, ist noch unklar. Soll der Raspberry Pi die Musik selbst abspielen oder von einem anderen Zuspieler bekommen? Dennis Wallraff schaut erst einmal im Netz nach Codebeispielen für Software-Equalizer.

Die meisten Teilnehmer am Music Hack Day sind um die 30 und männlich. An diesem Samstagnachmittag haben sie schon das erste Kennenlernen hinter sich. Sie haben sich zu 32 Projekten zusammengeschlossen, alleine oder mit bis zu 5 Leuten. Mit Hilfe des Kaffeeautomats und mehrerer stets gefüllter Kühlschränke voller koffeinhaltiger Getränke wollen sie ihre Ideen bis 13 Uhr am Folgetag umsetzen.

Constance Joliff und Olivier Gilquin kommen aus Frankreich und arbeiten beide im Bereich Computeranimation. Das Pärchen macht eigentlich gerade Urlaub in Berlin. Sie haben ganz bewusst ihre Laptops daheim gelassen -- und sich dann doch spontan zur Teilnahme am Music Hack Day entschieden. Jetzt sitzen sie mit leeren Bierflaschen an einem Tisch und planen eine Art Trinkspiel mit einem Arduino. Bis zu viel Spieler müssen im richtigen Rhythmus ihre Flasche mit einer Hand abdecken. Joliff und Gilquin wollen das mit einem Laser messen. Wie, ist noch nicht so ganz klar.

Urlaub in Berlin – das bedeutet für Olivier und Constance, 24 Stunden lang an einem digitalen Spiel zu basteln.

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