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Maik Schmidt 195

Jetzt wird's bunt

Der Raspberry Pi ist mit dem Ziel an den Start gegangen, Desktop-PCs Konkurrenz zu machen und Kinder an die Programmierung heranzuführen. Wir haben geprüft, ob der Winzling den Ansprüchen genügt.

Nach diesen vorbereitenden Maßnahmen, startet man die graphische Oberfläche mit startx. Der Desktop unter Debian "squeeze" ist LXDE, und wer mit der Bedienung von Windows oder anderen Linux-Desktops vertraut ist, fühlt sich schnell heimisch.

Alle wichtigen Bedienelemente finden sich in der Statusleiste am unteren Bildschirmrand. Normalerweise werden Anwendungen über das Startmenü gestartet. Für häufig genutzte Programme, wie zum Beispiel den Web-Browser, gibt es Schnellstart-Icons. Darüber hinaus erlaubt LXDE die Nutzung virtueller Bildschirme.

Apropos Browser: Der knappe Hauptspeicher des Pi macht die Portierung ressourcenhungriger Kandidaten wie Firefox und Chrome schwierig bis unmöglich. Daher verrichtet unter "squeeze" ein Browser namens Midori seinen Dienst. HTML5, Flash und Java kennt er nicht (was populäre Seiten wie YouTube ausschließt) und schnappt sich zur Darstellung komplexer Seiten auch schon mal die ganze CPU. Trotzdem ermöglicht Midori ein halbwegs komfortables Surfen und ist allemal besser als nichts.

Wegen der eingeschränkten Leistungsfähigkeit empfiehlt sich als Desktop-Manager der schlanke LXDE.

Ein weiterer Blick ins Startmenü zeigt, wofür der Raspberry Pi ursprünglich gedacht war, denn hier finden sich hauptsächlich Editoren und IDEs für unterschiedliche Programmiersprachen, wie Python und Smalltalk. Spiele, Office-Pakete und Multimedia-Software wurden aus Platz- und Performancegründen eingespart. Selbstverständlich gibt es aber Standardwerkzeuge, wie zum Beispiel ein Terminal, und es lassen sich auch diverse Systemeinstellungen grafisch ändern.

Noch mehr Retro

Dank des Debian-Paketmanagers apt-get ist die Installation neuer Software ein Kinderspiel, und mit wenigen Handgriffen lässt sich zum Beispiel der C64-Emulator Vice aufs System bringen. Weil der nicht in den Standard-Komponenten für Debian-Pakete liegt, muss der Datei /etc/apt/sources.list zuerst die Komponente contrib hinzugefügt werden. Mit einem der mitgelieferten Text-Editoren (vi und joe) ist dazu die Zeile

deb http://ftp.uk.debian.org/debian/ squeeze main
in
deb http://ftp.uk.debian.org/debian/ squeeze main contrib

zu ändern. Anschließend lässt sich Vice wie folgt installieren (das erste Kommando muss in manchen Fällen zweimal ausgeführt werden):

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install vice

Allerdings fehlen noch die ROM-Daten des C64. Wer im Besitz eines C64 ist, darf sie wie folgt installieren:

$ cd /tmp
$ wget http://www.zimmers.net/anonftp/pub/cbm/crossplatform/emulators/VICE/old/vice-1.5-roms.tar.gz
$ tar xvfz- vice-1.5-roms.tar.gz
$ cp -a vice-1.5-roms/data/* /usr/lib/vice

Mit dem Befehl x64 geht es dann los und es lassen sich wie gewohnt C64-Disk- oder Tape-Images einbinden und Programme ausführen. Größere Schwierigkeiten gibt es noch bei der Sound-Ausgabe. Sie lassen sich in der Regel wie folgt beheben:

$ sudo modprobe snd-bcm2835
$ sudo amixer cset numid=3 1
Für den C64-Emulator Vice reicht die Leistung des Raspberry Pi schon nicht mehr aus.

Der Aufruf von amixer ist nur notwendig, wenn die Sound-Ausgabe des Pi nicht per HDMI erfolgt. Danach muss im Vice-Menü "Settings -> Sound Settings -> Sound device name" der Eintrag alsa ausgewählt werden. Führen die obigen Kommandos zum gewünschten Ergebnis, sollten sie in die Datei /etc/rc.local aufgenommen werden. Insgesamt ist der Pi ein wenig zu schwach auf der Brust, um den Brotkasten konstant zu 100% und mit einer passablen Framerate zu emulieren. Analoges gilt auch für den Arcade-Emulator MAME. Der lässt sich in der Version AdvanceMAME sogar in halbwegs annehmbarer Zeit auf dem Pi übersetzen, hat aber noch jede Menge Ecken und Kanten. Dafür läuft Quake III mit wenig Details recht flüssig, auch wenn es noch Probleme mit dem Sound gibt.

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