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Peter Eisner 3

9-Dollar-Computer C.H.I.P.

Nach einigem Hin und Her ist der 9-Dollar-Rechner C.H.I.P. endlich im Handel erhältlich – als Platine und Retro-Gadget PocketCHIP. Wir haben die beiden Geräte getestet.

Im Sommer 2015 sammelte das kalifornische Start-Up Next Thing über Kickstarter 2 Millionen US-Dollar ein, um damit den „ersten 9-Dollar-Computer der Welt“ auf den Markt zu bringen. Der angepeilte Preis schien auf keinen Fall machbar zu sein. Im Web-Shop des Herstellers kostet der CHIP nun tatsächlich nur 9 US-Dollar. Die erste Charge ist bereits vergriffen. Als mobiltauglicher Bastelrechner macht er trotz einiger Schwächen eine gute Figur. Als PocketCHIP kann man den CHIP auch mit Gehäuse, Tastatur und Bildschirm kaufen. In dieser Variante wird der CHIP zu einer Mischung aus einem tragbaren Hacker-Gadget und einer Retro-Spielekonsole.

Der CHIP basiert auf einem Allwinner-R8-System-on-a-Chip (SoC), in dem ein einzelner Cortex-A8-Kern bei einem Takt von einem GHz werkelt. Dazu gibt es 512 MB RAM und 4 GB Flash-Speicher. Mit an Bord sind WLAN (802.11b/g/n) und Bluetooth (4.0 LE), ein USB-2.0-Anschluss so wie eine 3,5"-Mini-Klinkenbuchse für den AV-Ausgang. Die Stromversorgung läuft über eine Micro-USB-Buchse.

Für einzellige LiPo-Akkus ist eine zweipolige Anschlussbuchse (JST PH, 2 mm) vorgesehen. Schon fast wie ein Gehäuseersatz wirken die beiden zweireihigen Buchsenleisten an den langen Seiten der 60 mm x 40 mm kleinen Platine. Neben den GPIOs sind auf diesem Weg auch Schnittstellen des SoC herausgeführt, wie z. B. UART, I2C, SPI oder auch ein Audio-Eingang.

CHIP in der Draufsicht.
Auspacken und Einschalten

Um mit dem CHIP als Desktop-Rechner loslegen zu können, braucht man im Vergleich zu den meisten anderen Einplatinenrechnern mehr zusätzliche Hardware. Für den gleichzeiten Betrieb von Tastatur und Maus ist ein USB-Hub vonnöten. Der Hersteller empfiehlt einen mit eigener Stromversorgung, so dass man mit zwei Netzteilen hantieren muss.

Da der Kleinstcomputer von Haus aus nur Composite-Video unterstützt, ist ein Fernseher als Bildschirm erforderlich. Die auf diesem Weg unterstützten NTSC- und PAL-Auflösungen sind jedoch für die meisten Anwendungen zu gering. Monitore mit HDMI- oder VGA-Anschluss lassen sich über Adapter, die auf die Buchsenleisten aufgesteckt werden, mit dem CHIP verbinden. Ähnlich wie Arduino-Shields und Raspberry-Pi-Hats haben die Aufsteckplatinen einen eigenen Namen: Beim CHIP heißen sie Dip. Das VGA-Dip kostet 10 US-Dollar, für das HDMI-Dip werden 15 Dollar fällig – sie kosten somit mehr als der Mini-Computer selbst und erweitern die begrenzten Grafikfähigkeiten des CHIP nur geringfügig. Um Lizenzkosten zu sparen, lässt der Hersteller einige Teile der Grafikhardware ungenutzt. Der leistungsstärkere HDMI-Adapter unterstützt daher offiziell nur Auflösungen bis 720p, inoffiziell gehen aber 1080p bei 30 Hz. Die Soundausgabe über HDMI ist nicht möglich.

Der CHIP im Überblick

Viele Anwendungen benötigen aber weder Bildschirm noch Tastatur. Dann kann man eine serielle Verbindung über einen USB-Seriell-Adapter zu dem Kleinstrechner aufbauen. Prinzipiell geht es noch komfortabler: Da der Micro-USB-Port nicht nur der Stromversorgung dient, also OTG-fähig ist (on-the-go), kann der CHIP sich gegenüber einem PC als COM-Port ausgeben und so direkt seriell verbinden – mit nur einem Kabel. Leider funktioniert das nicht mit jeder Version des CHIP-Betriebssystems, da beim Update auf die Version 4.4 Fehler in der Konfiguration gemacht wurden. Einmal verbunden kann man den CHIP ins WLAN bringen und sich künftig per ssh einloggen.

Für die Stromversorgung wird ein Smartphone-Lader mit mindestens 900 mA empfohlen. Wir konnten unter CPU-Last Verbrauchswerte knapp unter 500 mA feststellen. Bei ruhendem Desktop lagen unsere Messwerte bei 200 bis 300 mA und im ausgeschalteten Zustand bei 55 mA. Dementsprechend wurde das SoC nicht sonderlich warm, ein Kühlkörper erübrigt sich also. Die Messungen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen: Es werden verschiedene System-Images angeboten, die sich auch hinsichtlich der Einstellungen für den Energieverbrauch unterscheiden. Das von uns benutzte Standard-Image (GUI 4.4) verwendet vermutlich eher konservative Einstellungen.

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