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Peter König und Florian Schäffer

Ausprobiert: Kleine und günstige 3D-Drucker von XYZprinting

Bei den beiden 3D-Drucker Da Vinci Mini und Da Vinci Nano ist nicht nur das Gehäuse klein – für den Preis gilt dasselbe. Nur bei der Druckqualität sind die Zwerge ganz groß und stellen ihre (älteren) großen Brüder in den Schatten.

Die ersten 3D-Drucker des taiwanesischen Herstellers XYZprinting waren Kästen mit mindestens einem halben Meter Kantenlänge in allen drei Dimensionen, enthielten viel Luft, lieferten mittelmäßige Drucke, aber kosteten dafür nicht viel. Ihr Debüt feierten sie auf der CES 2014. Schon kurz darauf gab es nicht nur eine Maschine dieser Firma, hinter der der OEM-Gigant Kinpo Group steckt, sondern eine ganze Produktpalette – man erinnere sich nur an die 3D-Druck-und-Scan-Kombi Da Vinci 1.0 AIO, die aber weder beim Drucken noch beim Scannen restlos überzeugen konnte.

Positiv überrascht

Das ist lange her. Inzwischen bekommt man von XYZprinting zu so gut wie jeder additiven Drucktechnik das passende Gerät, wie im November 2017 auf der 3D-Druck-Fachmesse Formnext zu sehen war. Bei den günstigen FDM-Maschinen des Herstellers ist zudem die Druckqualität deutlich überzeugender als zu Anfang, gleichzeitig sind (manche) Geräte kompakter geworden – und nicht zuletzt billiger. Grund genug, uns mal die Einsteigermodelle des Herstellers anzuschauen: den Da Vinci Mini w (mit w wie WLAN) und den noch kleineren Da Vinci Nano, die man beide bei zahlreichen Händlern zu Preisen zwischen 255 und 300 Euro bekommt.

Günstige 3D-Drucker von XYZprinting: Da Vinci Mini und Nano (11 Bilder)

Den Da Vinci Mini gibt es in verschiedenen Varianten. Unser Testmuster hatte ein orangenfarbiges Gehäuse und war mit WLAN ausgestattet, erkennbar am angehängten "w" im Modellnamen.

Portal oder Kubus mit Kuppel

3D-Druck

Additive Fertigung

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

Das Gehäuse des Mini in Portalform misst etwa 37 cm × 37 cm × 27 cm. Allerdings braucht die Maschine im Betrieb etwas mehr Platz, weil zum einen außen die Materialspule dranhängt, zum anderen fährt der Drucktisch in Y-Richtung vorne und hinten aus dem Gehäuse heraus. Der Nano besteht im Grunde aus einem noch kompakteren, geschlossenen Quader mit einer Grundfläche von etwa 27 cm × 27 cm und einer Höhe von 30 cm. Gekrönt wird das ganze von einer durchscheinenden Kunststoffkuppel, wodurch das Gerät entfernt an den Geldspeicher von Dagobert Duck erinnert.

Auch beim Nano sitzt die Filamentrolle außen. Durch die Kuppel oben und die Tür vorne entsteht aber so etwas wie ein geschlossener Bauraum – durch das Portal des Mini strömt hingegen laufend die Umgebungsluft. Zwar sollte man meinen, ein geschlossener Bauraum bringe beim FDM-Druck den Vorteil, dass die Werkstücke länger warm bleiben und dadurch die Spannungen beim Abkühlen geringer ausfallen. Auf der anderen Seite können aber die bereits aufgetragenen Materialschichten im weiteren Verlauf des Drucks verformt werden, wenn die Temperatur im Inneren zu hoch wird, wie seinerzeit sehr deutlich beim ersten Pearl-3D-Drucker zu beobachten war. Ein geschlossener Bauraum bringt also eigentlich nur etwas in Verbindung mit einer Temperaturregelung. Die hat der Nano nicht, deshalb sollen zahlreiche Lüftungslöcher in Tür und Kuppel für Luftzirkulation und moderate Kühlung sorgen.

Starthilfe

Beide Geräte erleichtern dem Nutzer den Einstieg. Der Nano vermisst den Tisch und gibt Anweisung, an welchem Rad man wie drehen muss, sodass der Abstand zwischen Düse und Tisch stimmt. Der Mini hat sogar eine komplette Kalibrierungsautomatik. Die Software ist ein Eigengewächs von XYZprinting, aber brauchbar zu bedienen. Sobald der Druck gestartet ist, kann man die Verbindung zum Rechner trennen, der Druck bricht dann nicht ab. Der Nano lässt sich ausschließlich über ein USB-Kabel mit Druckaufträgen füttern, der Mini nimmt in der getesteten Version auch Daten übers WLAN entgegen.

Original-Material obligatorisch

Aus dem Make-Testlabor

Die Make-Redaktion probiert viel mehr aus, als ins alle zwei Monate erscheinende Heft passt. Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Webseite in loser Folge weitere Testberichte.

Beide 3D-Drucker haben einen unbeheizten Drucktisch. Beim Mini besteht er aus Metall und braucht eine Auflage etwa aus Kreppklebeband. Beim Nano dient eine Glasplatte als Druckbett, dass im Test allerdings zusätzlich Klebstoff benötigte (Klebestift, Haarspray oder eines der speziellen Haftverstärkungs-Wundermittel auf dem Markt), damit das Werkstück daran haftete.

Unbeheizte Drucktische sind vor allem für den 3D-Druck mit PLA geeignet, weshalb beide Geräte auch nur für dieses Material beworben werden. Für beide gilt aber noch eine weitere Einschränkung: Das PLA muss von Spulen des Herstellers stammen, denn die besitzen einen eingebauten Chip, anhand dessen das Gerät die Spule erkennt und etwa vorab ermitteln kann, ob der Vorrat auf der Rolle noch für das geplante Werkstück reicht. Das ist zwar komfortabel, schränkt die Möglichkeiten allerdings ein, denn Experimente mit Spezialmaterial (und sei es nur eines in einer Wunschfarbe, die XYZprinting nicht im Angebot hat), sind damit eigentlich nicht drin. Das PLA des Herstellers kostet rund 30 Euro für eine 600-Gramm-Spule. Da gibt es billigere Angebote.

Fazit

Auspacken, anschalten, geht – das ist bei den beiden getesteten Geräten von XYZprinting Realität. Besonders positiv fällt auf, dass die beiden Kompaktdrucker in punkto Druckqualität deutlich besser abschneiden als die ersten Maschinen des Herstellers, die wir vor rund zwei Jahren im Testlabor hatten: Die erreichten nur die Note mittel bei unseren Teststücken und kosteten etwa 600 Euro. Der Mini und der Nano, die weniger als die Hälfte kosten, errangen jetzt jeweils die Note gut, wobei ihnen nur wenige Punkte zur Spitzenzensur sehr gut fehlten.

Gerät Da Vinci Mini w Da Vinci Nano
Hersteller / Vertrieb XYZprinting / ELV, Conrad u.a. XYZprinting / ELV, Conrad u.a.
Bauraum 15 cm × 15 cm × 15 cm 12 cm × 12 cm × 12 cm
Drucktisch Metall (unbeheizt) Glas (unbeheizt)
Software XYZware (Win / macOS) XYZware (Win / macOS)
Material PLA (gechipt) PLA (gechipt)
Druck über ... USB-Kabel, WLAN USB-Kabel
Qualität gut gut
Preis ab 260 € ab 255 €

Interessant ist der Preisunterschied zwischen den beiden Geschwistern, denn der Mini und der Nano kosten im Online-Handel fast dasselbe, obwohl der Mini den etwas größeren Bauraum und in der getesteten Version auch noch einen WLAN-Anschluss bietet (ohne diesen bekommt man den Mini etwa bei Reichelt für gerade mal 199 Euro plus Versand und damit günstiger als einen Nano). Aber auch in der WLAN-Variante kommt man mit dem Mini billiger weg als etwa beim Flashforge Finder, dessen Bauraum sogar noch einen Zentimeter in jeder Richtung kleiner ist – dafür hat er ein Farb-Display an Bord. Für welches Gerät man sich am Ende entscheidet, ist immer eine Frage der eigenen Prioritäten. Ob man mit der Beschränkung auf Original-Filament eines Herstellers leben will, ist nicht zuletzt eine weltanschauliche Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. (pek)

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