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Mathias Wilhelm 2

Angetestet: MarS-Board

Das MarS-Board bietet ein System-on-Chip (SoC) mit 1 GHz Freescale i.MX6 Dual ARM Cortex-A9 Prozessor, 1GB RAM, und 4GB Flashspeicher. Besonders interessant ist die Unterstützung von Gigabit-Ethernet.

Das MarS-Board von Embest Technologies ist mit 99 Euro zwar deutlich teurer als ein Cubieboard2 (75 Euro) oder ein Raspberry Pi (35 Euro). Dafür besitzt es einen modernen ARM-A9 Dual-Core-Prozessor von Freescale mit 1 GHz Taktrate und 1 MByte L2-Cache. Zudem stehen insgesamt 1 GByte DDR3 RAM zur Verfügung. Der Name führt jedoch zur Verwechselungsgefahr mit dem Allwinner-A10-Board eines anderen Herstellers.

Aus dem Make-Testlabor

Die Make-Redaktion probiert viel mehr aus, als ins alle zwei Monate erscheinende Heft passt. Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Webseite in loser Folge weitere Testberichte.

Hardware

Für eine gute Grafikleistung sorgen insgesamt drei GPU-Kerne auf dem Board: die Vivante GC2000 sorgt als 3D-GPU für 200 MTri/s bzw. 1000 MPixel/s und OpenGL ES 3.0 Unterstützung. Weiterhin gibt es eine Vektorgrafik-Einheit (GC355) und eine Composition-Einheit (GC320). Damit ist eine Video-Dekodierung in FullHD-Auflösung mit 60 Hz (1080p60 mit h.264) machbar oder aber eine Video-Encodierung mit 30 Hz (1080p30 mit h.264, BP/Dual 720p Encode).

Von seiner Größe her ist das MarS-Board (102 mm × 65,5 mm) vergleichbar mit dem Cubieboard (100 mm × 60 mm) oder Raspberry Pi (85,6 mm × 54 mm). Es besitzt einen Ethernet-Anschluss mit bis zu 1 GBit/s und unterschiedliche Display-Ports (HDMI, LVDS, MIPI/DSI-Interface und eine parallele 24-Bit RGB-Schnittstelle (60 Hz, WUXGA)), sowie einen MIPI-Kamera-Anschluss. Auch die Anzahl der unterstützten Busse kann sich sehen lassen: zwei I2C-, ein ECSPI2- (Enhanced Configurable SPI) und vier UART-Ports sind vorhanden.

MarS-Board: Übersicht über die wichtigsten Anschlüsse.

Der Hersteller zielt mit diesem Board nicht unbedingt auf Maker, sondern vielmehr auf die Industrie und besonders auf Automotive. So sind etliche zum Teil exotische Schnittstellen wie CAN, KPP (Keypad-Port), Camera (8Bit/10Bit), SPDIF (Sony/Philips Digital Interface), GPMI (General Purpose Memory Interface), AUDMUX (Digital Audio Multiplexer), USDCH1 (Ultra Secured Digital Host Controller) und ESAI (Enhanced Serial Audio Interface) vorhanden. Für die Musikanlage im Auto sicher eine feine Sache.

Effektiv stehen dem Hardware-Hacker „nur“ sieben GPIO- und zwei PWM-Pins zur freien Verfügung. Das liegt daran, dass fast alle Pins der beiden Leisten für Standard-Bus-Interfaces ausgelegt sind. Sie sind über 2x20-polige Buchsenleisten jeweils an der linken und rechten Seite zugänglich.

Ausgesprochen großzügig sind die 3+2 USB-Anschlüsse:

Über Micro-SD-Karten lässt sich das MarS-Board mit bis zu 32GByte zusätzlichen Speicher erweitern, intern stehen vier GByte eMMC-Flash dem MarS-Board zur Verfügung.

Software

Als Betriebssystem wird wahlweise Android oder Linux eingesetzt. Von uns wurde das etwas betagte Linaro 11.10 getestet. Im Test konnte der User linaro das Netzwerkinterface nicht ansprechen. Dies liegt an der voreingestellten Netzwerksicherheit. In /etc/group muss man eine Gruppe inet mit gid 3003 erstellen und linaro dieser Gruppe dann zuweisen.

Im Handbuch ist die recht aufwändige Methode beschrieben, wie man ein eigenes Linux übersetzen und auf das Board laden kann. Booten direkt von SD-Karte ist nicht möglich. Im Test gelang es, ein Upgrade des Linaro Systems auf Ubuntu 12.04 durchzuführen, was aber die vorhandenen vier GByte Speicher fast vollständig aufbraucht.

Neue Software wird über eine für dieses Board eigenen Anwendung (MFG-Tool) geladen und installiert. Erstaunlicherweise gibt es das Tool nur als Windows-Anwendung. Dazu verbindet man das Board mit einem Windows PC und installiert die Treiber. Leider stürzt das MFG-Tool bei PCs mit USB-3.0-Schnittstellen ab. Um die Software zu laden ist ein spezieller Modus erforderlich. Dazu befindet sich auf dem Board ein sehr kleiner Schalter SW1 neben der HDMI Buchse, dessen Schalter 1 auf OFF und Schalter 2 auf ON gesetzt werden müssen. Im MFG-Tool wählt man dann in der Konfiguration alle aktiven USB-Anschlüsse aus und scannt nach Hardware. Der Download des Linux-Image brauchte ca. 22 Minuten.

Fazit

Das MarS-board ist ein schnelles Dual-Core Board, welches viele Standardschnittstellen bietet.

Leider nutzt Embest nicht die vielen Vorzüge des Prozessors aus, das Fehlen von PCIe-2.0- und SATA-Schnittstellen ist sehr bedauerlich. Mit dem AR8035-Chip von Atheros für Gigabit-Ethernet hätte sich das MarS-Board als Home-Server angeboten, die tolle Netzwerk-Performance wird aber durch die fehlende SATA-Schnittstelle ausgebremst. Dabei eignet sich das MarS-Board besonders zur Grafik-Verarbeitung, im Firefox sind HTML5-Videos zügig und ruckelfrei aufgebaut.

Ein anderer Wehrmutstropfen ist das seltsame Software-Paket vom Hersteller. Das Laden und Installieren von Images über das MFG-Tool ist nur unter Windows möglich, trotzdem soll man laut Handbuch zusätzlich eine Ubuntu-Installation über Virtual Box installieren, um etwa ein Git-Repository zu kompilieren. Die MFG-Software zur Betankung des MarS-Boards mit Android und Linux hätte der Hersteller ruhig nach Linux portieren können.

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