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Wolfgang Reszel 17

Pro & Contra: Tanzt Apple auf zu vielen Hochzeiten?

Bezahldienst, Musik- und Film-Streaming, Serienproduktion, Heimautomation, Kartendienst, Medizin- und Autotechnik: Apple mischt in immer mehr Branchen mit. Ist das zu viel des Guten?

Artikel aus Mac & i Heft 2/2018, Seite 7

Wolfgang Reszel meint, dass sich Apple wieder verstärkt seinen Kernprodukten widmen sollte.

Als Steve Jobs vor rund 20 Jahren zu Apple zurückkam, reduzierte er die Produktpalette – und strich unter anderem diverse Mac-Modelle, den Stiftcomputer Newton und die Spielkonsole Pippin. Seine Radikalkur begründete das beispiellose Comeback.

Jetzt tummelt sich Apple wieder auf vielen Betätigungsfeldern und läuft erneut Gefahr, den Blick fürs Wesentliche zu verlieren. Statt zum Beispiel mit Apple Pay ein eigenes Bezahlsystem zu schaffen, mit der Apple-ID zu verheiraten und in iOS sowie macOS zu integrieren, hätte Apple auch bestehenden Anbietern eine Schnittstelle schaffen können, um den NFC-Chip des iPhones nutzen zu dürfen. Doch der bleibt weitgehend abgeschottet und Apple definiert Bedingungen, die keine deutsche Bank akzeptiert. Im Endeffekt kann ich Apple Pay noch immer nicht nutzen.

Die iBooks-Schulbücher mögen technisch ausgefeilt sein, aber die hiesigen Verlage machen nicht mit. Öffis unterstützt Apple Maps gerade mal in Berlin, dabei gibt es etablierte Anbieter, mit denen man kooperieren könnte. Warum muss Cupertino immer sein eigenes Süppchen kochen? Bei Qi nutzt man doch auch einen Industriestandard – wie wohltuend ist es, ein drahtloses Ladegerät bei Ikea statt bei Apple kaufen zu dürfen.

Für Filme, Serien oder Bildungsangebote bin ich nicht auf Apple angewiesen; im Gegenteil: Ich genieße es, Anbietern wie Udacity oder openHPI eine Chance zu geben. Der Zug ist doch auch längst abgefahren: Spotify, Netflix und Amazon wird die Cook-Company kaum noch einholen können – oder nur unter schweren Verlusten im Kerngeschäft.

Das besteht seit jeher darin, herausragende Hardware zu verkaufen, inklusive benutzerfreundlicher Betriebssysteme. Leicht bedienbare Technik, die funktioniert, gibt es nur bei Apple. Doch das Fundament gerät ins Schwanken. Sicherheitslücken und haarsträubende Fehler nehmen nicht ab, sondern zu. Vorsicht, Apple: Wenn Ihr Eure Geräte und Systeme in die Beliebigkeit bugsiert, weil Ihr überall mitmischen müsst, habt ihr irgendwann ausgetanzt. (wre)

Kai Schwirzke findet, Apple muss bei allen neuen Techniken und Standards mitmischen.

Fürchte dich nicht vor Veränderungen, fürchte dich vor dem Stillstand, rät ein altes japanisches Sprichwort. Das sollten auch Firmen beherzigen: Atari, Compaq, Commodore, Nixdorf – sie alle existieren nicht mehr, weil sie nicht mit der Zeit gingen. Außerdem befindet sich das Geschäft mit Computern, Tablets und demnächst auch Smartphones auf dem absteigenden Ast.

Ein Unternehmen muss sich ständig neue Märkte erschließen. Apple handelt also nur konsequent: Computer ohne Content sind unsexy, folglich hob man iTunes und den App Store aus der Taufe. Apple stellte einen digitalen Buchladen auf und ergänzte später das Musik-Streaming. Demnächst kommt ein hoffentlich überzeugendes Angebot an Serien dazu. Warum sollte Apple Gegenspielern wie Amazon oder Netflix das Feld überlassen?

Alles, was Geld in die Kasse spült, hilft dem Unternehmen, stärker zu werden und Erfindungen zu präsentieren, von denen wir noch gar nichts ahnen. Wer bringt denn geniale Techniken wie Touch ID oder Face ID? Apple.

Selbstverständlich wünsche ich mir auch intelligente Fahrtechnik mit Apple-Know-how. Zugegeben: Heimautomation, Sprachsteuerung, Augmented Reality und Bezahldienst – wirklich fertig sind all diese Angebote noch nicht. Aber wenn Apple sie nicht bringt, tun es andere, melden Patente an und erheben Lizenzgebühren.

Es ist also richtig, dass Apple CPUs, GPUs und neuerdings sogar micro-LEDs für seine Watch entwickelt, glaubt man einschlägigen Gerüchten. Die Auseinandersetzungen mit Samsung und Qualcomm haben gezeigt, dass Apple ganz schnell vor verschlossenen Türen stehen kann.

Wie sehr es sich lohnt, das Tanzbein auf mehreren Hochzeiten zu schwingen, zeigt die Watch: Was haben die Kritiker seinerzeit gelästert! Heute verkauft Apple mehr Uhren als alle Hersteller in der Schweiz zusammen. Ich bin der Ansicht, Apple muss überall die Finger im Spiel haben und wichtige Entwicklungen nicht nur verfolgen, sondern prägen. (kai)

Wer hat Recht? Diskutieren Sie mit!

Zuvor bei Pro und Contra: Tut Apple genug für die Sicherheit?

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