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Holger Zelder 37

Pro & Contra: Ist der Weggang von Jony Ive ein Problem?

Pro & Contra: Ist der Weggang von Jony Ive ein Problem?

Ende 2019 wird der legendäre Chefdesigner Apple nach 27 Jahren verlassen. Ist das gut für Apple oder nicht?

Artikel aus Mac & i Heft 4/2019, S. 7

Pro

Apple wird sich ohne Jony Ive zum Nachteil verändern, glaubt Holger Zelder.

Kein anderes Unternehmen verbindet man so stark mit gelungenem Produktdesign wie Apple. Ob iMac, iPhone, MacBook oder Watch – stets begeistert die Kombination aus Optik und Funktionalität. Verantwortlich hierfür zeichnet bislang der Brite Jony Ive, der Apple einst mit Steve Jobs nicht nur vor der sicheren Pleite rettete, sondern zu neuen Höhen führte. Dass Ive geht, empfinde ich als herben Verlust.

Jedes Apple-Produkt der letzten Jahre trägt die Handschrift des Briten. Die meisten seiner Ideen beeindruckten Kunden wie Konkurrenten gleichermaßen und prägten den Designstil sogar von Bügeleisen.

Sir Jony machte langweilige beige Gehäuse aus Plastik Vergessen, führte revolutionäre Materialien wie Titan, Aluminium oder Glas ein. Wegen Ive wurden Geräte schlanker, dünner, attraktiver. Er beeinflusste die gesamte PC- und Smartphone-Industrie. Samsung & Co. imitieren seine Ideen bis heute.

Auch abseits der Produktgestaltung prägte Ive Apples Außenwirkung. So übernahm er die Verantwortung für das Software-Design und warf bei iOS 7 den Skeuomorphismus über Bord. Er beeinflusste Aufbau und Einrichtung der Apple-Stores. Selbst am Bau des kreisrunden Apple Campus 2 war der Designchef maßgeblich beteiligt.

Sicherlich kann Apple auch ohne Ive schicke Geräte bauen, doch werden die sich immer am Stil des Altmeisters messen lassen müssen. Dabei kann man doch nur verlieren.

Apple wird nicht untergehen, sich aber massiv verändern – zum Nachteil, wenn Sie mich fragen. Ohne Jony Ive werden durchgestylte Produkte an Bedeutung verlieren, gute Bilanzen und umsatzträchtige Dienste eine noch größere Rolle einnehmen. iTunes und Apple TV laufen sogar schon auf Samsung-Fernsehern – Steve Jobs würde sich im Grabe umdrehen! Tim Cook ist ein Zahlenmensch. Mit Jony Ive verliert Apple nicht nur seinen letzten Visionär, sondern möglicherweise auch seine DNA. Schade, Jony. (hze)

Contra

Kai Schwirzke findet, man sollte es mit dem Personenkult bei Apple nicht übertreiben.

Sicherlich, Jony Ive hat in den letzten drei Jahrzehnten das Gesicht von Apple entscheidend geprägt. Seine Formensprache, sein ästhetisches Gespür und die Bereitschaft, kompromisslos an Idealen festzuhalten, waren unverzichtbar. Nun geht der Mann, und schon stimmen die üblichen Verdächtigen den Abgesang auf Apple an. Als hinge das Wohl und Wehe eines so großen Konzerns tatsächlich von einer einzigen Person ab.

Apple beschäftigt auf seinem Campus in Cupertino Heerscharen hochqualifizierter Mitarbeiter. Es werden sicherlich auch einige begabte Designer darunter sein, die darauf brennen, Ives Erbe weiterzuführen -- und vielleicht auch einmal etwas Neues auszuprobieren. Das kann einem Unternehmen kaum schaden, ganz im Gegenteil: Einmal gut durchzulüften, sorgt vielleicht für genau die frischen Ideen, die viele Fans in letzter Zeit so schmerzlich vermisst haben.

Apple hat auch den Tod des fast kultisch verehrten Steve Jobs ohne nennenswerte Blessuren verkraftet. Ich bin überzeugt, dass es sich in diesem Fall ganz ähnlich verhalten wird. Denn wie heißt es so schön: Tradition ist das Weiterreichen des Feuers, nicht die Anbetung der Asche. Außerdem bleibt Jony Ive mit seiner neuen Company LoveFrom als Dienstleister mit Apple als wichtigstem Kunden doch erhalten.

Sehen wir es mal positiv: Endlich hat Vernunft in den Design-Studios wieder eine Chance. Ives Neigung zu dünnen Geräten mit Adapterzwang und mangelnder Aufrüstbarkeit geht vielen Anwendern schon lange auf den Zwirn. Schon in der jüngeren Vergangenheit wollte er sich lieber mit Dingen beschäftigen, die nichts mit Elektronik zu tun haben. Ich finde, das merkte man seinen Entwürfen immer mehr an.

Software- und Industrie-Design sind endlich wieder getrennt bei Apple – und künftig Jeff Williams unterstellt, einem Pragmatiker. Ich werte das nicht als Risiko, sondern als eine große Chance. (kai)

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(hze)

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