Logo von iX

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Wolfgang Stief 243

Kommentar zum Solaris-Ende: Ein roter Elefant im IT-Laden

Oracle

Bild: dpa, Everett Kennedy Brown

Oracle hat mit den jüngsten Kündigungen wohl das Ende für Solaris eingeläutet. Das Vorgehen erinnert dabei stark an den Dickhäuter im Porzellangeschäft, meint der langjährige Solaris-Kenner Wolfgang Stief.

Was sich schon seit ein paar Wochen langsam durch die Gerüchteküche frisst, ist seit Dienstag Gewissheit: Oracle setzt weltweit in großem Stil Mitarbeiter auf die Straße. Allein am Standort Santa Clara sind fast 1000 Arbeitsplätze betroffen, etwas über 600 davon im Hardware-Bereich. Weltweit ist die Rede von 2000 bis 2500 Personen, neben Hardware trifft es Gerüchten zufolge auch einen großen Teil des Solaris-Engineering.

Ein Kommentar von Wolfgang Stief

Wolfgang Stief war viele Jahre bei einem Sun-Partner in München beschäftigt und 2008 einer der Initiatoren der OpenSolaris Developer Conference. Derzeit ist er tätig im Vorstand der sys4 AG.

Erst war ich sauer. Dann enttäuscht. Dann war es mir fast schon egal, weil ändern kann ich daran ohnehin nichts: Dieser große, rote Elefant im IT-Laden will mir mein SPARC kaputt machen. Und das Solaris gleich noch dazu.

Spätestens mit dem Weggang von John Fowler Anfang August war klar, dass da irgendwas im Busch ist. Fowler war schon bei Sun über Jahre verantwortlich für SPARC und Solaris. Diese Aufgabe führte er auch nach der Übernahme durch Oracle als der für das Systemgeschäft zuständige Executive Vice President weiter. Wenn solche Leute relativ sang- und klanglos das Schiff verlassen, ist das selten ein gutes Zeichen.

Bereits mit dem Kauf von Sun durch Oracle sprangen viele Solaris-Entwickler ab und wandten sich Firmen zu, deren Geschäftsmodell auf dem quelloffenen OpenSolaris basierte: Entwickler, die verantwortlich waren für Konzepte und Werkzeuge wie ZFS, Solaris Zones, System Management Framework (SMF), Fault Management Facility (FMA) oder DTrace. Allesamt eingeführt mit Solaris 10, und von dort zu Sun-Zeiten Stück für Stück als OpenSolaris quelloffen veröffentlicht.

Alle Türen von innen verriegelt

Nur wenige Wochen nachdem Oracle sich Sun einverleibt hatte, holten sie den Quellcode wieder zurück ins eigene Imperium und verriegelten kommentarlos alle Türen fest von innen. Das, was damals noch OpenSolaris hieß, wird seitdem von der Community als Illumos außerhalb des roten Riesen weiter gepflegt und entwickelt. Bekanntere Distributionen sind SmartOS, OpenIndiana und OmniOS.

Für SPARC könnte grundsätzlich dasselbe passieren: Die Architektur des Microcodes ist dokumentiert und frei zugänglich, für UltraSPARC T1 und UltraSPARC T2 sind sogar (noch) die quelloffenen Verilog-Sourcen zu bekommen. Allerdings ist weltweit die Menge an Nerds, die in ihrer Freizeit CPUs designen, signifikant kleiner, als die derer, die an Betriebssystemen programmieren. Und nicht zuletzt ist die Herstellung einer CPU natürlich um ein Vielfaches teurer, als mal eben einen neuen Kernel zu kompilieren.

Hoffnung für SPARC?

Allerdings gehören dem Konsortium mehr als ein Dutzend Firmen wie Fujitsu an. Letztere nutzen alternative SPARC-Prozessoren als Geschäftsmodell. Zumindest derzeit ist nicht abzusehen, dass Fujitsu diesen Geschäftsbereich einstellen will. Kürzlich aufgetauchte Patches für SPARC-CPUs im Linux-Kernel und im GCC-Quellcode deuten darauf hin, dass hier auch ohne Oracle eine Weiterentwicklung passiert.

Ich wünsche mir, dass einiges vom Solaris-Knowhow seinen Weg nach Linux findet. Dort gibt es durchaus ein paar dunkle Ecken, die davon profitieren könnten. Zu erwarten ist, dass die Illumos-Community einen Aufschwung erfährt: Firmen, die damit Geld verdienen (und Code zurück an die Community geben), haben offene Stellen im Engineering. Und für SPARC schaue ich halt in Zukunft mehr nach Japan zu Fujitsu, als nach Santa Clara im Silicon Valley.

Treue Sun-Kundschaft zuverlässig vergrault

Und Oracle? Für die sind die Entlassungen sicherlich eine wirtschaftliche Entscheidung. Liefen etwa zum Millenniumswechsel viele ernsthafte Internetangebote noch auf Suns hatten sich zehn Jahre später Linux-Cluster auf Intel-Hardware durchgesetzt. Darüber hinaus ruft schon eine Weile die Cloud, deren Anfänge man – allen voran Larry Ellison – definitiv verpennt hat. Und als Konkurrenz für heutige x86_64-Systeme ist SPARC schlicht zu teuer. Die treue Sun-Kundschaft hat sich Oracle schon ein paar Jahre früher vergrault, als der Support stetig teurer, aber auch stetig schlechter wurde und das Partnermodell zwar attraktiv für Oracle, aber nicht mehr attraktiv für Partner war.

Gekniffen sind Firmen mit bestehenden Solaris-Umgebungen beziehungsweise -Anwendungen. Es ist zumindest zweifelhaft, das diese ernsthaft erwägen, ihre Solaris-Infrastruktur durch OpenIndiana & Co zu ersetzen. (avr)

243 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Oracle feuert: SPARC- und Solaris-Entwickler

    Larry Ellison

    Der Abgang des SPARC/Solaris-Managers Fowler Anfang August war nur der Anfang: Jetzt hat sich Oracle in größerem Stil von Hardware-Mitarbeitern getrennt.

  2. Unix-Betriebssysteme: Solaris-Klon OmniOS wird weiter entwickelt

    Solaris-Klon OmniOS wird weiter entwickelt

    Nach der Abkündigung der Arbeit an OmniOS durch den bisherigen Hersteller OmniTI hat sich aus den Reihen der Nutzer eine Gruppe Entwickler herauskristallisiert, die die weitere Entwicklung in die Hand nehmen wollen.

  3. Solaris/Sparc-Vater John Fowler wirft das Handtuch

    Solaris/Sparc-Vater John Fowler wirft das Handtuch

    Schon seit Januar diesen Jahres häufen sich die Hinweise, dass Oracle sein Interesse an Sparc und Solaris verloren hat. Nun trennen sich der Konzern und Sparc/Solaris-Manager John Fowler, was den Gerüchten neue Nahrung gibt.

  4. Oracle und die Zukunft von Solaris

    Oracle und die Zukunft von Solaris

    Solaris in Version 11.next statt 12 und ein Rolling Release Modell: So sieht Oracle die Zukunft seines Server-Betriebssystems. Für 2017 sind zudem neue SPARC-Systeme geplant.

  1. Die Neuerungen von Linux 4.13

    Linux-Kernel 4.13

    Der neue Kernel kann die Schwerarbeit bei der HTTPS-Verschlüsselung übernehmen. Statt einer "inakkuraten" Taktfrequenzangabe findet sich in /proc/cpuinfo jetzt nur noch der Basistakt des Prozessors. Außerdem sind jetzt Treiber für neue Grafikkerne von AMD und Intel dabei.

  2. Die Neuerungen von Linux 4.11

    Linux-Kernel 4.11

    Die neue Kernel-Version unterstützt moderne Stromspartechniken besser und kann so die Akkulaufzeit steigern. Die Entwickler haben Grundlagen gelegt, um auf x86-64-Systemen bald bis zu 1 Petabyte Arbeitsspeicher ansprechen zu können. Die nächste Kernel-Version bringt zudem eine Technik, um die 3D-Beschleunigung von Radeon-GPUs in VMs nutzen zu können. Auch die Unterstützung für den Raspberry Pi wird besser.

  3. Die Neuerungen von Linux 4.9

    Linux-Kernel 4.9

    Das XFS-Dateisystem kann jetzt doppelt gespeicherte Daten zusammenführen und große Dateien in Sekundenbruchteilen kopieren. Linux 4.9 verbessert zudem die Sicherheit. Neue Möglichkeiten zur Performance-Analyse erleichtern System- und Programmoptimierung.

  1. Intel-Computer: BSI warnt vor Sicherheitslücke, Updates teils spät

    Intel-Chipsatz B150

    Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt vor dem Firmware-Risiko in vielen Desktop-PCs, Notebooks und Servern, aber manche Hersteller reagieren langsam.

  2. Endgültiges Aus für LiMux: Münchener Stadtrat setzt den Pinguin vor die Tür

    Endgtültiges Aus für Limux: Münchener Stadtrat setzt den Pinguin vor die Tür

    Microsoft kann nach 14 Jahren Auszeit in München wieder voll "fensterln". Mit der Mehrheit der großen Koalition hat der Stadtrat endgültig beschlossen, bis 2020 wieder auf Windows umzustellen und den Ausflug in die Linux-Welt zu beenden.

  3. Snowden warnt vor Big Data, Biometrie und dem iPhone X

    Snowden warnt vor Big Data, Biometrie und dem iPhone X

    Am Beispiel der Gesichtserkennung im neuen iPhone X illustriert der Whistleblower Edward Snowden die Gefahren, denen wir uns schon in naher Zukunft stellen müssen.

  4. Black Friday: Das Milliardengeschäft mit dem neuen Schnäppchentag

    Man rennt in Laden, dahinter weitere Käufer

    Er kommt ursprünglich aus den USA, wird aber auch in Deutschland immer beliebter: Der Schnäppchentag Black Friday und sein Online-Pendant Cyber Monday. Doch die Verbraucher sollten trotz vieler Sonderangebote einen kühlen Kopf bewahren.

Anzeige