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Michael Plura 1

netcat und socat – vielseitige Werkzeuge fürs Netz

Kontaktmittel

Gelegentlich muss sich ein Systemverwalter zu Fuß in sein Netz begeben. Hier helfen netcat und sein Nachfolger socat.

Mit netcat, dem cat fürs Netz, steht dem Administrator ein universelles Werkzeug zur Datenübertragung über TCP oder UDP zur Verfügung. Es ist einfach gehalten und verarbeitet beliebige Datenströme der Standardein- und -ausgabe. netcat kann als Server oder Client fungieren.

Klassische Unixe bringen netcat als nc bereits in ihrer Basisinstallation mit. Die BSD-Varianten, Fedora und openSUSE setzen auf die OpenBSD-Neufassung. Sie beherrscht IPv6, Proxies und Unix-Sockets. Debian und Ubuntu kennen gleich drei: die als traditionell bezeichnete GNU-Neufassung, die jüngere netcat6- oder nc6-Überarbeitung mit IPv6- und erweitertem UDP-Support und die besagte OpenBSD-Variante.

Deshalb ist netcat ins Debian-Umbausystem alternatives eingebunden. Von /bin zeigen zwei Softlinks mit Namen nc und netcat auf gleichnamige Softlinks in /etc/alternatives. Die wiederum verweisen bei Debian auf das standardmäßig installierte /bin/nc.traditional, bei Ubuntu auf /bin/nc.openbsd. Wer die Version wechseln will, installiert mit apt-getinstall <netcat6|netcat-openbsd|netcat-traditional> das nötige Paket, gibt update-alternatives --config nc ein und trifft seine Auswahl. Das verbiegt die zugehörigen Softlinks auf das gewünschte Binary und das passende Manual.

Komplikationen können sich durch die unterschiedlichen Parameter ergeben. Den von Ballast befreiten Versionen nc6- und nc.openbsd fehlen die gefährlichen Optionen –c und –e, die einen String oder eine Datei nach dem Verbindungsaufbau ausführen, ebenso wie –o für den Hexdump des Traffic. Beides lässt sich mit einem Skript oder tcpdump besser erledigen.

Nervig ist der Unterschied bei der Angabe des Ports mit dem Schalter –p: nc.traditional und nc6 benötigen die Angabe zur Definition des lokalen Ports, an dem es lauschen soll, OpenBSDs nc hingegen legt damit den Source-Port für Remote-Verbindungen fest.

Einfach ist zumindest die Funktionsweise: Um die Standardein- und -ausgaben zweier Terminals miteinander zu verbinden, weist man die OpenBSD-Version mit nc –l <port> und die anderen mit nc –l –p <port> auf einem der Systeme an, an einem Port zu lauschen. Das zweite System verbindet sich mit dem ersten nach Angabe eben jenes Rechners und des geöffneten Ports mit nc <host> <port>.

Ersatz für Spezialwerkzeug

Ähnlich lassen sich Dateien unverschlüsselt übertragen, wenn beispielsweise kein scp verfügbar ist. Dazu öffnet man auf dem Empfänger das Tor etwa mit nc –l 4000 | tar xvzf – und sendet das aktuelle Verzeichnis mit dem Befehl tar –cvzf – * | nc <zielrechner> 4000. Das sendende netcat beendet man mit Strg + C.

In der Form nc –zv <host> 1–1024 kann netcat einfache Port-Scans durchführen. Wie mit telnet, aber universeller, prüft netcat auch Dienste, beispielsweise einen Webserver mit printf 'HEAD / HTTP/1.0\r\n\r\n' | nc <host> 80. printf funktioniert hier besser als echo, weil Letzteres die \r\n-Kombination nicht wie gewünscht handhabt. Im Netz kursieren Anleitungen, wie man mit nc einen Mini-Webserver aufsetzt, der in einer Endlosschleife eine index.html an Port 80 ausliefert – mit modernen Browsern funktioniert das aber nicht.

Hier bietet sich stattdessen socat an, das mächtige cat für Sockets, das als eine Art universelles Relay fungieren kann. Damit lassen sich zwei bidirektionale Datenströme verbinden, wobei socat mit Dateien, Pipes, Geräten wie Terminals und Modems oder eben Sockets arbeitet – gleichgültig, ob raw, IPv4, IPv6, UDP/TCP oder SSL. Allerdings muss man socat in der Regel nachinstallieren.

Wie telnet oder nc kann sich auch socat mit einem Dienst verbinden, etwa durch socat – TCP4:<host>:80 mit dem Webserver. Das Minuszeichen kennzeichnet den Datenstream von STDIN zu STDOUT, die folgenden Parameter definieren das Protokoll, das Zielsystem und den Port. Die Eingabe von HEAD / HTTP/1.0 und eine Leerzeile haben denselben Effekt wie im letzten nc-Beispiel.

Der Befehl socat TCP4-LISTEN:www,reuseaddr,fork TCP4:<host>:www erzeugt einen Port-Forwarder, der den eingehenden Web-Traffic auf <host> umleitet. Das Argument fork veranlasst socat, die Verbindung einem Kindprozess zu überlassen und auf weitere zu horchen.

Umgekehrt lässt sich mit socat OPENSSL-LISTEN:443,reuseaddr,pf=ip4,fork,cert=server.pem,cafile=client.crt TCP4-CONNECT:localhost:80 einem Dienst, der keine verschlüsselten Zugriffe verarbeiten kann, eine Verschlüsselung vorschalten. socat nimmt die Zugriffe auf Port 443 an, überprüft Clients anhand der Zertifikate in der client.crt und leitet die Anfrage an den lokalen Port 80 weiter.

Auch eine fehlende SSH kann socat ersetzen. Passende Zertifikate vorausgesetzt, lauscht der Server nach Eingabe von socat OPENSSL-LISTEN:44443,reuseaddr,fork,cert=server.pem,cafile=client.crt,verify=1 exec'<befehl>' auf SSL-Verbindungen. Der Client greift mit socat –OPENSSL:<server>:44443,cert=client.pem,cafile=server.crt über SSL auf den Server zu, führt <befehl> aus und bekommt dessen Ausgabe zurück.

netcat und socat eignen sich gleich einem Schweizer Taschenmesser zum schnellen Analysieren und Beheben kleinerer Macken. Allein das Manual von socat offenbart das beachtliche Potenzial des zwar in die Jahre gekommenen, aber praktischen Netzwerkzeugs. (sun)

Michael Plura
lebt in Schweden und ist freier Autor mit den Schwerpunkten IT-Sicherheit, Virtualisierung und freie Betriebssysteme.

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