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Christine Bruns 96

Ratgeber: Zoomobjektive oder Festbrennweiten?

Vergleich: Zoomobjektive gegen Festbrennweiten

Festbrennweiten gelten als Inbegriff hochwertiger Fotografie. Doch sie sind teuer, schwer und unflexibel. Wir sagen, wie gut sich Zoomobjektive als Alternative eignen.

Der Inhalt im Überblick:

Fotografen schätzen den Komfort unterschiedlicher Brennweiten. Sie ermöglichen es auf der Wandertour nicht nur das wolkenverhangene Bergpanorama zu fotografieren, sondern auch kleine Flechten und Moose, die nur an zerklüfteten Felsen im Gebirge wachsen. Dabei können Fotografen zu einzelnen Festbrennweiten greifen oder sie nehmen ein Zoomobjektiv mit, das verschiedene Brennweitenbereiche abdeckt.

Zoomobjektive haben allerdings nicht den allerbesten Ruf. Sie sind schwer zu konstruieren und werden meist auf nur eine Brennweite optimiert -- ein Kompromiss. Dafür haben sie weitere praktische Vorteile. Sie sparen Zeit: Wer Veranstaltungen fotografiert und ständig die Optik wechseln muss, verpasst vielleicht tolle Momente. Das Objektiv austauschen heißt auch immer Staub und Dreck im Kameragehäuse zu riskieren. Wer seinen Standort nicht ändern kann, aber verschiedene Ausschnitte benötigt, für den sind Zooms alternativlos.

Für unseren Vergleich nutzen wir zwei Zoomobjektive in den Brennweiten 24 bis 105 Millimeter und 100 bis 400 Millimeter. Für jedes Zoomobjektiv vergleichen wir drei Brennweiten, wobei die Brennweite 100 Millimeter bei beiden Zoomobjektiven vorkommt.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit haben wir uns dafür entschieden vorerst das Canon-System mit der Repräsentatin 5D Mark IV zu testen.

Zoom vs. Festbrennweite: Objektive im Detail (14 Bilder)

Zoomobjektiv: Canon EF 24-105 mm f/4L IS II USM

Der Canon-Zoom bietet eine durchgängige Offenblende von f/4.0 und eignet sich mit seinen Brennweiten sowohl für Landschafts- als auch Porträtfotografie. Das L im Namen weist den Zoom als Modell der Profi-Serie aus, entsprechen ist es staub- und spritzwassergeschützt.

Messwerte: Im Labor erreicht der Zoom bei f/5.6 und bei 24 Millimetern eine mittige Spitzenauflösung von 1748 Lp/Bh (Linienpaare / Bildhöhe), 78 Prozent des Kamerasensors der 5D Mark IV. Für die Hunderter-Brennweite sinkt die Auflösung mittig mit 1458 Lp/Bh auf unter 70 Prozent ab. Die Ecken bleiben noch weiter zurück. Über alle Brennweiten konnten wir zudem eine Vignette wahrnehmen: Sie startet bei Offenblende mit 1,3 Blendenstufen und geht bei Blende f/8.0 auf eine Blendenstufe zurück. Chromatische Aberrationen sind mit maximal 0,7 Pixeln vor allem für die 105-Millimeter-Brennweite sichtbar, sie halten sich hier über alle Blendenstufen. Dazu messen wir eine tonnenförmige Verzeichnung von bis zu 1,6 Prozent bei 24 Millimeter und eine kissenförmige Verzeichnung von rund einem Prozent bei 50 und 105 Millimeter.

Schärfe und Detailwiedergabe

Nicht zuletzt soll ein Bild Details gut wiedergeben und scharf sein. Hier ist nicht nur das Objektiv entscheidend, sondern auch die Auflösung und die Einstellungen der Kamera. Daher beziehen sich die gemessenen Auflösungswerte immer auf die maximale Sensorauflösung der Kamera und eine Empfindlichkeit von ISO 100. Eine ideale Optik würde 100 Prozent der möglichen Linienpaare pro Bildhöhe auflösen und das über die gesamte Sensorfläche. Wir nutzen Diagramme, um die Brennweiten zu vergleichen. Die verwendete Kamera, eine Canon EOS 5D Mark IV, löst 2240 Lp/Bh auf.

Ratgeber: Zoomobjektive oder Festbrennweiten

In den Diagrammen punkten überwiegend die Festbrennweiten. Es ist jedoch sichtbar, dass ab einer Brennweite von 100 Millimetern die Qualität des Zooms nur geringfügig unter der der Festbrennweiten liegt. An einigen Stellen zeigt er sogar bessere Werte. Rein von den Messwerten her gewinnen die Festbrennweiten. Würden wir hier zwei Punkte nach Bereich der jeweiligen Zooms vergeben, wäre das 24-105-Millimeter-Objektiv zwar klar unterlegen, aber der 100-400-Millimeter-Zoom würde nur sehr knapp am Sieg vorbei schrammen.

Verzeichnung und Co.: Fehlerkorrekturen

Eine Vignette ist bei Offenblende für jedes Objektiv zu finden. Abblenden schwächt die Randabschattung ab, daher sind die stärksten Vignetten auch bei den Festbrennweiten zu sehen, die größere Blendenöffnungen ermöglichen.

Die Aufnahmen des Canon EF 24-105 mm f/4L IS II USM besitzen immer etwas Verzeichnung. Bei den zugehörigen Festbrennweiten ist sie nicht erkennbar. Der Zoom zeigt bei 24 und 105 Millimetern bunte Farbsäume in den Ecken, sowohl bei Offenblende als auch abgeblendet. Die Bilder der 24- und 50-Millimeter Festbrennweiten bei Offenblende zeigen ebenfalls farbige Kanten, diese gehen mit Abblenden zurück. Der 24-105-Millimeter-Zoom zeichnet zu den Ecken hin außerdem stärker weich als die Festbrennweiten.

Auch der 100-400-Millimeter-Zoom weist über alle Brennweiten eine leichte Verzeichnung auf, dazu ausschließlich bei 100 Millimetern farbige Säume, die beim Abblenden nur leicht zurückgehen. Die Schärfeleistung des Zooms in den Ecken hält bei 100 Millimetern fast mit der Festbrennweite mit, gewinnt bei 200 Millimetern und scheint visuell bis 400 Millimeter stabil – dort ist die Festbrennweite allerdings besser aufgestellt. Der Punkt im Vergleich der Fehlerkorrekturen geht an die Festbrennweiten.

Freiheit: Gestalterischer Spielraum

Gestaltungsmöglichkeiten bei Objektiven ergeben sich hauptsächlich durch die Brennweite – die ja vorgegeben ist – und durch die Qualität der Unschärfe, die sich aus der maximalen Blendenöffnung ableitet. Je größer die Blendenöffnung, desto geringer die Schärfentiefe, desto einfacher gestaltet der Fotograf sein Bild mit Hilfe von Schärfentiefe und Unschärfe.

Ratgeber: Zoomobjektive oder Festbrennweiten

Alle Zoomobjektive haben kleinere Offenblenden als die Festbrennweiten und dadurch einen größeren Schärfentiefebereich. Da ein schönes Bokeh und ein dadurch freigestelltes Motiv wichtige Mittel der Bildgestaltung sind, geht dieser Punkt an die Festbrennweiten.

Plackerei: Gewichtsvergleich

Da hochwertige Objektive meist aus Metall und Glas bestehen, haben sie ordentlich Gewicht. Je voller der Rucksack, desto schlimmer wird die Schlepperei. Und die Objektive nützen ohne Kamera nichts. Auch sie muss mit. Wir vergleichen, was schwerer wiegt.

Zoomobjektive sind Meister im Gewicht reduzieren. Bei unserer Auswahl schleppt der Fotograf ein bis zwei Kilo weniger. Das macht sich bemerkbar, besonders auf langen Touren, auf denen ohnehin viel Gepäck dabei ist. Jedes Gramm weniger ist eine Erleichterung. Damit geht der Punkt im Vergleich Gewicht an die Zoomobjektive.

Kosten im Vergleich

Der Preis ist häufig ein ausschlaggebendes Kriterium beim Kauf von Objektiven. Wir haben für unsere Objektivkombinationen nachgerechnet.

Sicher, die 400-Millimeter-Festbrennweite schlägt mit knapp 6500 Euro gut zu Buche. Eine Alternative wäre das EF 400mm f/5.6L USM. Hier fehlen jedoch einige Merkmale wie ein Bildstabilisator oder die spezielle Korrektur von Farbfehlern. Dafür liegt der Preis von 1260 Euro nicht so schwer auf dem Finanzbudget. Ersetzen wir das 400-Millimeter-Objektiv mit Offenblende f/4.0 mit dem eben erwähnten, kosten die drei Festbrennweiten zusammen 2840 Euro, was rund 1000 Euro über dem Wert des Zooms liegt. Der Punkt im Preisvergleich geht an die Zooms.

Fazit: Zooms bei hohen Brennweiten bessere Wahl

c't Fotografie 1/2019

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Festbrennweiten können mehr. Es ist eine alte Fotografenweisheit und dabei bleibt es auch. Selbst hochwertige Zooms erreichen nicht das Qualitätsniveau einer gut auskorrigierten Festbrennweite. Gerade im Bereich bis 100 Millimeter lohnt es sich ein knappes Kilo mehr im Rucksack mitzuschleppen und 1200 Euro zusätzlich auf den Tisch zu legen.

Anders verhält es sich für den Brennweitenbereich darüber. Die Optiken selbst werden nicht nur sehr teuer, sondern auch schwer. Schleppt der Fotograf bis 100 Millimeter Brennweite noch ein Kilo mehr im Fotorucksack mit, so sind es für das Sortiment der längeren Festbrennweiten zusätzliche zwei Kilo. Dabei ist ein eventuelles 300-Millimeter-Objektiv noch nicht einmal berücksichtigt.

Auch das Preisschild lässt sich nicht ignorieren. Mit entsprechendem Einkommen oder etwas sparen, sind 1200 Euro ein erreichbares Ziel. Im Brennweitenbereich von 100 bis 400 Millimetern sprechen wir nun von über 6000 Euro für das Plus an Bildqualität und Gestaltungsmöglichkeiten. Das entspricht in etwa dem Preis eines guten Gebrauchtwagens.

Das Zoomobjektiv bietet aber eine wirklich akzeptable Abbildungsleistung, bei nur wenig mehr Bildfehlern und einem fairen Preis. Wer gute Qualität sucht, wird bei diesem Zoom fündig. Wer das gewisse Extra möchte, muss tief in die Tasche greifen und sollte kein Problem mit großem Gepäck haben.

Mehr zum Thema: Allgemeine Kaufberatung Objektive

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(Christine Bruns) / (ssi)

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