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Ilka Siegling

Die neue Lust am Analogen

Die neue Lust am Analogen

„Digital Natives“ lassen die Analogfotografie weiterleben: Apps und Software imitieren täglich millionenfach die klassischen Bildlooks und immer mehr junge Menschen, die bislang nur die digitale Fotografie kennen, entdecken aus unterschiedlichen Beweggründen Kameras, Filme und Entwicklungschemie für sich. Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten des Analogtrends und wie Sie schnell und günstig in die für viele neue und faszinierende Welt der filmbasierten Fotografie einsteigen können.

Amateurfotograf Dieter Faustmann (44) mag das „im Dunkeln tappen“: Es beginnt mit Einlegen des Films, geht über die Konzentration auf jeden Moment des Aufnahmeprozesses und endet mit der Erleichterung, wenn er mit dem Abzug aus der Dunkelkammer ins Tageslicht kommt. Für Faustmann ist analoge Fotografie noch lange nicht Geschichte. Er liegt im Trend, die neue Lust auf das Fotografieren wie früher packt Menschen jedes Alters. Auch immer mehr jüngere Fotografen entdecken die filmbasierte Fotografie: Hobbyfotograf Christian Riek (25) schätzt die Konzentration, die durch den endlichen Platz eines oder zweier Kleinbildfilme entsteht. Er sucht seine Motive bewusster als wenn er digital fotografiert. Geht es dann in die Dunkelkammer, ist es ein ausgewähltes Bild, um das er sich intensiv kümmert. Jan Voigt (23) sieht in der analogen Fotografie einen Ausgleich zu seiner täglichen Computerarbeit. Ganz nebenbei kann er sich als angehender Chemiker mit der praktischen Anwendung von Chemie befassen. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Rica Siegling (17): Sie freut sich über die mit überschaubarer Technik ausgestattete alte Kamera, mit der sie sich auf das Wesentliche konzentrieren kann: auf das Foto. Dabei ist es für sie unerheblich, auf welches Material sie ihre Bilder belichtet, sie bringt den Film in die Drogerie und bearbeitet die Fotos von der dort entstandenen Foto-CD am Computer weiter.

Ob mit oder ohne eigene Dunkelkammer, die filmbasierte Fotografie ist ein sinnlicher Prozess, bei dem das einzelne Bild einen anderen Stellenwert bekommt als in der digitalen Fotografie. Die Endlichkeit eines Films birgt in ihrer Beschränkung eine Herausforderung, sich vor der Aufnahme mit dem Motiv auseinanderzusetzen. Diese Überlegung spielt während des Fotografierens eine wichtige Rolle: nicht als Manko, sondern mehr als ein Anreiz, dem einzelnen Foto einen echten Wert beizumessen.

Schon die Wahl des Films ist eine im Vorfeld getroffene Entscheidung, die sich mit der Entscheidung für eine bestimmte Festbrennweite vergleichen lässt. Durch diese Vorauswahl richtet sich der Blick in eine bestimmte Richtung. Das mag die Augen vor manchen Eventualitäten verschließen, öffnet sie wie - derum für sonst übersehene Eindrücke.

Ein analog aufgenommenes Foto ist zudem dauerhaft präsent: Wer schneidet schon einzelne Negative aus, um sie zu entsorgen? Digital hingegen ist ein Bild schnell gelöscht. Der Analogfotograf nimmt sich Zeit vor der Aufnahme und lichtet weniger Bilder ab. Die Auswahl des richtigen Fotos fällt dadurch im Nachhinein leichter. Jedes analoge Foto ist dabei ein Original - das gilt im Besonderen für das Sofortbild. Das digitale Bild lässt sich unendlich oft kopieren, das Negativ bleibt dagegen einzigartig. Jeder Abzug davon ist anders, manchmal nur in kleinen Details unterscheidbar. Seine Unberechenbarkeit macht den analogen Prozess so lebendig.

Auch wenn sich inzwischen wieder verstärkt junge Leute für die filmbasierte Fotografie interessieren, besteht die Gefahr, dass das Wissen über Film, Chemie und Dunkelkammerarbeit mit den „Altanwendern“ ausstirbt. Veranstaltungen wie das fineartforum Paderborn halten dagegen: Es bietet ambitionierten Schwarzweiß-Fotografen ein Treffen zum generationsübergreifenden „Fachsimpeln“ über Fotografie und Technik mit unter anderem Vorträgen und Workshops. Seit einigen Monaten gibt es auch die Zeitschrift PhotoKlassik, die sich auf aktuelle analoge Fotografie konzentriert. Online tauschen sich Analogfotografen intensiv in Foren aus: hier finden sich Neuigkeiten, Tipps, Veranstaltungen, Fragen zu Kameras, Filmen, Fremdentwicklung und zur Dunkelkammer. Sowohl als Nachschlagewerke für Einsteiger als auch für den Austausch mit den „alten Hasen“ sind Internetforen immer eine gute Anlaufstelle, eine weitere bekannte Gemeinschaft ist die Lomographische Gesellschaft. (Ilka Siegling) / (tho)

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