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Stefan Grundhoff 39

H-Kennzeichen: Mercedes 560 SEL wird Oldtimer

Das Schönste oder nichts

In Sindelfingen ärgerte man sich Mitte/Ende der 80er-Jahre – und wie. Viele Jahre hatte man im mehr oder weniger Geheimen schon an einem ebenso prestigeträchtigen wie potenten V12-Aggregat für die hauseigenen Prachtmodelle S und SL herumentwickelt. Doch die Bayern von BMW erwischten die Schwaben auf dem falschen Fuß und krönten ihre 7er-Reihe mit dem BMW 750i, der sowohl mit langem als auch kurzem Radstand zu bekommen war, vor allem aber mit einem V12.

Seltener kurzer Radstand

In Sachen Leistung waren dessen 221 kW / 300 PS für ein so großes Auto nicht überwältigend – auch weil der später nachgelegte BMW 740i mit neuem V8-Triebwerk bereits 286 PS produzierte. Doch in Sachen Laufruhe und Image war Mercedes mit seiner S-Klasse nunmehr erstmals die Nummer zwei hinter dem Oberklasse-Konkurrenten. V12 sticht V8 – das schmerzte in den schwäbischen Entwicklungsabteilungen ebenso wie in der Daimler'schen Vorstandsetage. Obwohl der Mercedes-V12 im Jahr 1986 weitgehend fertig entwickelt war, schaffte er es nicht in die 126er-Modellpflege. Und die 500er-Motorisierung reichte insbesondere auf den imagegeneigten Überseemärkten nicht mehr aus, die verwöhnten Kunden von der neuen Konkurrenz fernzuhalten. Da es bis zum ersten 600er-V12 im W140 noch dauerte, wurde als Topmodell der W-126-Baureihe der 5,16 Meter lange 560 SEL kreiert.

Die wie bei BMW eingetragenen 300 PS Nennleistung erreichte zunächst nur eine Motorisierung ohne Katalysator. Mit Kat blieben 205 kW / 279 PS. Im September 1987 rüstete Mercedes den Motor mit Klopfsensoren und mehr Hub auf, sodass er leistungsmäßig dem im selben Jahr erschienenen BMW 750 iL aus Dingolfinger Produktion Paroli bieten konnte – jetzt mit Katalysator.

Von der Luxusversion des Mercedes 560 mit langem Radstand wurden mehr als 75.000 Fahrzeuge verkauft. Die Kurzversion dagegen (Radstand 2,93 statt 3,07 Metern) blieb eine Rarität, die gerade einmal 1252 Käufer fand. Audi, BMW und Mercedes einigten sich damals per Gentlemen's Agreement auf eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Die schafften jedoch beim 560er – egal ob kurz oder lang – nur die Versionen mit 300 PS.

Luxus im Überfluss

Die Baureihe W 126 wurde nicht nur durch die hohen Verkaufszahlen und die lange Produktionszeit von 1979 bis 1991 zur Legende. Sie bot zu ihrer Zeit eine unerreichte Symbiose aus Luxus, Dynamik und Eleganz. Im Gegensatz zum Nachfolger bot sie selbst als Topversion 560 SEL nicht alles seinerzeit technisch Machbare, dafür sieht sie heute im Licht des Rückblicks wesentlich eleganter aus als der wenig filigrane Klotz von Nachfolger, der W 140, der endlich den V12 als Topmotorisierung brachte. Der 1810 kg schwere Mercedes 560 SEL war dabei kein Wagen, in dem sich hochrangige Politiker chauffieren ließen, denn die mussten es aus dienstlichen Gründen – schwer gepanzert oder nicht – zumeist bei der kleineren 500er-Variante belassen. Dagegen setzten Könige, Prominente und Wirtschaftsgrößen auf das PS-starke Topmodell.

Im Gegensatz zu den schwächeren Versionen mit sechs und acht Zylindern bot der 560 SEL seinem Klientel entsprechend bereits eine exklusive Serienausstattung mit vollelektrischen und beheizten Ledersitzen vorn wie hinten, Klimaanlage, beheizten Spiegeln, elektrischem Schiebedach, Becker Radio Mexico Elektronic, ABS und Airbag. Auf Wunsch gab es ohne Aufpreis die gerade in Asien beliebten Flockvelourssitze. Die Büroausstattung im Fond mit ausklappbarem Tisch in der Beifahrerrückenlehne, dortigem Laptop und Fax in der Mittelarmlehne war mit mehr als 11.000 D-Mark die teuerste Sonderausstattung nach der B6-Panzerung. Wer wollte, konnte im Fond auch eine elektrische Einzelsitzanlage, elektrisch bedienbare Jalousien rundum oder ein zusätzliches Autotelefon bestellen. Ebenfalls gegen üppige Aufpreise zu bekommen: eine hydropneumatische Federung nebst automatischer Niveauregulierung oder der leicht grobschlächtige Reiserechner mit Radioweckercharme.

Wer heute einen Mercedes 560 SEL der Baureihe W 126 besitzt, darf sich freuen. Die Werte für gut erhaltene Modelle stiegen in den letzten Jahren deutlich an und übertreffen bereits deutlich die Generationen W 116 und W 140. Ein gut erhaltenes Exemplar mit Historie und einer Laufleistung von unter 250.000 Kilometern ist unter 30.000 bis 35.000 Euro wohl kaum mehr zu bekommen. Dass die Versicherung und die Steuern als nunmehr offizieller Oldtimer deutlich weniger als bisher kosten, dürfte diesen Trend nur intensivieren.

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