Logo von Autos

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.918.119 Produkten

Wolfgang Gomoll 25

Fahrbericht: Nissan GT-R 2017

Faster forward?

Spa Francorchamps, 3. Juni 2016 – Nissan hat den GT-R im Zuge der letzten Modellpflege in einigen Details verbessert und mit nun 20 PS mehr wohl unter 2,7 Sekunden von 0 auf 100 gebracht. Was spürt man von den Maßnahmen?

Der 3,8-Liter-V6 mit je einem Turbolader pro drei Zylinder verteilt seine 637 Nm nun auf ein breiteres Drehzahlband und leistet 570 PS. Der serienmäßig mit Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe fahrende GT-R soll damit eine Spitzengeschwindigkeit von 315 km/h erreichen. Den Kraftstoffverbrauch beziffert der Hersteller mit 11,8 Litern und den CO2-Ausstoß mit 275 g/km. Das Messergebnis beim Sprint auf Landstraßen-Geschwindigkeit wollen die Japaner noch nicht preisgeben, aber es dürften weniger als die 2,7 Sekunden des Vorgängers sein.

Noch flacheres Drehmomentplateu

Der Motor, von denen jeder nach dem von AMG bekannten Prinzip "one Man – one Engine" von einem einzigen Spezialisten komplett montiert wird, legt unterhalb 2500/min eine Spur zurückhaltender los, um dann ab 3000 Touren mit Druck zuzubeißen. Das rotzige tiefe Röhren wird untermalt vom Pfeifen des Turboladers. Das maximale Drehmoment von 637 Nm liegt bei 3300/min an, der Gipfel ist allerdings nicht steil, und das ist natürlich gut so. Bereits ab 5500 Touren darf man wieder ans Schalten denken. Anders ausgedrückt: Eine Drehorgel ist der bullige V6 jedenfalls nicht.

Egal ob schnelle Mutkurve oder enges Eck, der Nissan stürzt sich auf jeden Fahrbahnverlauf und löst jede noch so schwere Aufgabe, ob erschwert durch die Asphaltbeschaffenheit oder eine tückische Topographie der Strecke, mit Bravour. Liefert der Allradantrieb im Normalfall fast die ganze Kraft an die Hinterachse, kann sie bei Bedarf bis 50:50 aufgeteilt werden. Unterstützt durch Bremseingriffe und die Differenzialsperre fühlt sich der GT-R leichtfüßig an. Ausgewogen macht ihn die gute Gewichtsverteilung duch die Transaxle-Bauweise mit Motor vorn und Getriebe an der Hinterachse. Bei der Aerodynamik haben die Nissan-Windkanaltüftler im Interesse besseren Abtriebs auf die Heckform des aktuellen GT-R-Nismo zurückgegriffen.


Es ist beeindruckend, mit welch unerbittlicher Konsequenz sich der Sportwagen durch jede Kurve saugt. Die Lenkung ist direkt, präzise und gibt eine verlässliche Rückmeldung, allerdings scheint das Fahrwerk leicht übertrieben straff zu sein. Stellt man die variablen Dämpfer auf "Komfort", lassen sich aber auch längere Strecken relativ entspannt zurücklegen. Der neue GT-R bietet eine Perfektion, dass es einem Porsche Turbo S oder Mercedes AMG GT S Angst und Bange werden kann. So viel Agilitätspotenzial dürfte in Weissach und Affalterbach für Stirnrunzeln sorgen.

Wer kennt schon seinen Getriebeöldruck

Erhalten bleibt noch etwas von der Playstation-Anmutung des Info-Bildschirms. Auch nach einer Zusammenlegung der Knöpfchenwüste kann sich der Pilot mit einer Knopf-Umdrehung über den Gesundheitszustand seines Fahrzeugs informieren – bis hin zum Getriebeöldruck. Dieses verspielte Ambiente gehört genauso zum GT-R wie der Heckspoiler. Immerhin haben es die Japaner geschafft, die Anzahl der Bedien-Knöpfe von ehemals 27 auf elf zur reduzieren. Damit kommt man nun im Menü-Dschungel bestens klar.

Allerdings haben die Ingenieure ihre Perfektion nicht konsequent durchgezogen: Die Sport-Sitzschalen sind etwas zu kurz geraten und die Sitzposition ungewohnt hoch. Trotz der handgenähten Leder- und Kunstlederhäute wirkt das Interieur durch den verbliebenen Hartplastik-Anteil etwas lieblos. Dass es keinen Totwinkel-Assistenten gibt und das Bild der Rückfahrkamera nicht gestochen scharf ist, stört fast weniger, denn beim Nissan GT-R gibt es nur eine Blickrichtung: nach vorne.

Faster forward? Vielleicht. Alltagstauglicher? Vielleicht ein bisschen. Mit 99.900 Euro wurde der GT-R jedenfalls nicht brutal teurer. Bestellen kann man den GT-R sofort, ausgeliefert wird er ab August.

Bilderstrecke, 18 Bilder

25 Kommentare

Themen:

Anzeige
Anzeige