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Jürgen Wolff 17

Fahrbericht: Hyundai Kona 1.0 T-GDI

Rinnsteinüberwinder

Liebhaber elegant-leichter Formen mögen derzeit angesichts der „Klotzwelle“ erschaudern. In den kommenden Monaten rollt eine wahre Flut an SUV-Neuheiten an, viele im Segment rund um 20.000 Euro – und damit auch für private Neuwagenkäufer interessant. Noch müssen Marktanteile nicht ausschließlich von Konkurrenten erobert werden, denn die Klasse der kompakten SUV für urbane Einsätze wächst momentan stark. Der Hyundai-Konzern will sich seinen Anteil mit dem Kia Stonic und dem Hyundai Kona sichern. Letzterer stand uns für eine erste Ausfahrt zur Verfügung.

Maß genommen

Mit einer Länge von 4,16 m ist der Kona mitten in seinem Segment. Ob Peugeot 2008, Seat Arona oder auch Renault Captur: Sie alle basieren auf den Kleinwagen der jeweiligen Hersteller, sind aber ein paar Zentimeter länger. Mit diesem Format lassen sich einerseits in der Stadt noch Parklücken finden, für die beispielsweise typische Vertreter der Golf-Klasse zu groß sind. Die breite Spur lässt den Kona bullig erscheinen, die Kundschaft wünscht es wohl so.

Diesem Wunsch ist wohl auch eine Gestaltung zu verdanken, die eine Tauglichkeit für Fahrten durchs Gelände suggeriert. Kaum ein Kunde wird das je ausprobieren. Mit der leicht erhöhten Bodenfreiheit lassen sich gefurchte Feldwege etwas angstfreier befahren, womit die Fähigkeiten abseits asphaltierter Straßen auch schon nahezu komplett beschrieben wären. Die Zielgruppe wird es kaum stören, wird diese Art von Autos doch genau dort betrieben. Dass das Basismodell keinen Allradantrieb hat, ist so gesehen konsequent. Wer ihn trotzdem haben will, muss zum stärkeren Benziner greifen. In dem sind Allradantrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe serienmäßig.

Das Platzangebot entspricht dem Klassendurchschnitt. Sofern vorn also nicht gerade Menschen mit langen Beinen sitzen, reicht der Platz auch auf den Rücksitzen. Auf der vergleichsweise kleinen Verkehrsfläche bringen all diese Autos ein gutes Platzangebot unter. Das gilt auch für den Kofferraum, wenngleich der mit 361 Litern etwas kleiner ausfällt als im Seat Arona.

Schwung

Vieles im Interieur wirkt vertraut, die meisten Elemente sind aus anderen Hyundai-Modellen schon bekannt und wurden im Kona nur etwas anders arrangiert. Ein wenig Schwung bringen Elemente in Wagenfarbe rein – dieser Schwung lässt sich auch rauskonfigurieren. Viel wichtiger erscheint uns aber, dass die Verarbeitung schon in diesem frühen Stadium der Produktion sehr routiniert wirkt. Weder innen noch außen sind uns gröbere Schnitzer aufgefallen.

Die Instrumente sind gut ablesbar. Gegen Aufpreis zeigt eine kleine Plastikscheibe als Head-up-Display die wichtigsten Informationen hell und klar an und verkleinert damit die Blickabwendung von der Fahrbahn. Die Zahl der Knöpfe und Schalter hält sich in Grenzen, das meiste lässt sich über das zentrale Display einstellen. Das erhöht die Blickabwendung dann allerdings wieder. Die Wege zu einigen Funktionen sind mitunter etwas verschlungen, was uns schon im Hyundai i30 aufgefallen ist. Letztlich brauchen aber alle Systeme ab einem gewissen Funktionsumfang eine Zeit der Eingewöhnung. Der Unterschied liegt darin, wie einfach es die Hersteller dem Nutzer machen. In diesem Punkt haben fast alle noch Luft nach oben, die sie beispielsweise in frei belegbare Favoritentasten investieren könnten.


Die Lenkung ist nicht zu leichtgängig und präzise, was bei Hyundai in den vergangenen Jahren keine Selbstverständlichkeit war. Die Federung erweist sich als schluckfreudig, sogar dann, wenn man mal eine verkehrsbremsende Aufpflasterung übersehen hat.

Zwei Benziner

Zum Start wird es nur zwei Benziner geben. Das Basismodell wird von einem Einliter-Dreizylinder angetrieben, der 120 PS leistet und damit deutlich mehr als die direkten Konkurrenten. Der drehfreudige Benziner passt gut zum SUV, auch wenn er mit etwas Drehzahl bei Laune gehalten werden will. Wer keinen Führungsanspruch im täglichen Verkehr erhebt, dürfte mit der kleinen Maschine prima zurechtkommen. Ab mittleren Drehzahlen wird er allerdings etwas brummig. Hyundai gibt ihn mit 5,3 Liter/100 km an, in der Praxis scheinen Werte um 6,5 Liter realistisch. Für eine verlässliche Aussage dazu war unsere Ausfahrt zu kurz, ein Test ist aber geplant.

Mehr Kraft hat natürlich der Vierzylinder mit 177 PS. In der Beschleunigung von Null auf 100 km/h trennen die beiden mehr als vier Sekunden, in der Endgeschwindigkeit allerdings nur etwas über 20 km/h. Groß sind dafür die Differenzen beim Verbrauch, denn schon unter den Bedingungen des NEFZ gönnt sich der Vierzylinder 7,3 Liter.

[Update 18.Oktober 2017]

Auf Nachfrage hat uns Hyundai mitgeteilt, dass beide Benziner ohne Partikelfilter auf den Markt kommen.

Ab 2018 zwei Diesel und ein E-Motor

Im kommenden Jahr folgen zwei Dieselmotoren mit 115 und 136 PS. Noch sagt Hyundai nichts über deren Abgasnachbehandlung, doch wir gehen davon aus, dass 2018 keine neuen Autos mit Selbstzünder und alleinigem Speicherkat mehr auf den Markt kommen – mag sein, dass dabei eine Spur Optimismus mitmischt.

Ebenfalls im kommenden Jahr soll ein komplett elektrischer Antriebsstrang im Kona angeboten werden. Auch dazu verrät Hyundai noch keine Details. Wir vermuten aber, dass der E-Motor derselbe sein wird, der schon im Hyundai Ioniq überzeugt hat.

Faire Preise

Der günstigste Kona kostet 17.500 Euro, inklusive Radio und Klimaanlage. Hyundai hat dem Trend widerstanden und keinen Preislistenbeschöniger geschaffen, in dem diese beiden Dinge nicht einmal gegen Zuzahlung zu haben sind. Auch die anderen vier der insgesamt fünf Versionen sind sinnvoll zusammengestellt und fair bepreist. Das dürfte auch in diesem Segment nicht das schlechteste Argument sein, um Kunden zu überzeugen.

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