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Fahrbericht Dacia Sandero Essentiel SCe 75

Günstig, billig oder preiswert?

Zentralverriegelung, Klimaanlage und Radio müssen schon drin sein. Jedenfalls nimmt man diese Ausstattungen heute als Selbstverständlichkeiten selbst in günstigen Klein-Autos. In „Deutschlands günstigstem Neuwagen”, wie Dacia ihn bewirbt, fehlen sie. Außerdem auch eine Lenkrad-Höhenverstellung und die hinteren Kopfstützen. Zudem sieht der Sandero Essentiel durch das unlackierte Plastik ein bisschen nach nicht fertig repariertem Frontschaden aus. Oder wie ein Handwerker-Auto. Das darf er auch in seiner Rolle als Preisbrecher. Aber was darf er noch?

Für 6990 Euro bietet er immerhin vier Türen, eine Menge Platz und einen modernen Motor. Im Sandero arbeitet er allerdings in einem nicht mehr ganz frischen Umfeld, denn er basiert technisch auf dem Renault Clio der dritten Generation, wie er 2005 erschien.

Beim ersten Umrunden zeigen sich Toleranzen an der Karosserie, die an einem Gebrauchtwagen sofort auf einen ungenau reparierten Unfallschaden schließen ließen. Unser Exemplar hat jedoch erst 3333 Kilometer auf der Uhr – es ist noch nicht einmal eingefahren. Der sichtbar abstehende linke vordere Kotflügel und die niedrig eingebaute Beifahrertür legen eine entspannte Auffassung von Fertigungsqualität nah. Mit den augenscheinlich günstigen Plastikteilen im Interieur passt das zusammen und geht in Ordnung für ein Billigauto.

bring your own device

Wir sind eher überrascht, wie zeitgemäß und wohnlich uns selbst diese abgespeckte Version des Sandero noch empfängt. Das Fehlen von Radio oder Navi könnte die junge Generation vielleicht sogar noch hip finden im Sinne von BYOD („bring your own device”): Alle wesentlichen Funktionen könnten private mobile Endgeräte übernehmen. Eigentlich genügt ein Smartphone mit Soundbar. Eigentlich: Dank DIN-Schacht kann der Dacia sogar moderner ausgestattet werden als ein fünf Jahre alter Mercedes/BMW/Audi. Die Antenne ist bereits vorgerüstet.

Selbst, wenn die Statistik keine ausgesprochenen Sparausführungen wie den hier besprochenen „Essentiel” ausweist, scheint es aktuell genügend Interesse an Einfachautos zu geben: Dacia erreichte in Deutschland mit 32.511 Zulassungen im ersten Halbjahr 2017 ein Plus von 26,2 Prozent und kommt inzwischen auf 1,69 Prozent Marktanteil. Das Empfinden ist, wie so oft, lenkbar: Kaum sitzt man in einem Dacia, nimmt man auf einmal wahr, dass es tatsächlich verdammt viele davon gibt.

Bis auf das mittlerweile ungewohnte Aufschließen (und das Entriegeln der hinteren Tür für die Fondpassagiere) vollzieht sich das Einsteigen vorn überraschungsfrei. Nicht jedoch für jeden Mitfahrer. Zu viele von ihnen machen schmerzhafte Bekanntschaft mit der oberen, hinteren Türkante. Immerhin, die großzügige Form der Tür ermöglicht auch Senioren oder huttragenden Hipstern, würdevoll Platz zu nehmen. Platz für die Beine ist genügend vorhanden, selbst große Füße passen bequem unter die vorderen Stühle.

Unbestimmte Form

Leider scheinen die vorderen Sitze hauptsächlich aus Weichschaumstoff zu bestehen, ihre unbestimmte Form passt sich dem Fahrer an und stützt ihn dadurch gerade nicht an den ergonomisch entscheidenden Stellen. Kurz: Man hängt ziemlich drin. Gern würde man wenigstens das Lenkrad zu sich hinziehen, doch leider – Sie ahnen es –, bietet es keinerlei Einstellmöglichkeit. Immerhin ist der Ausblick gut und die Spiegel groß genug. Alle Bedienelemente, abgesehen von der Leuchtweitenregulierung liegen, wo man sie vermutet. Den einzigen ergonomischer Mangel kann man leicht beheben, indem man das Fahrlicht einschaltet. Dann werden die an hellen Tagen schlecht zu erkennenden Ziffern auf den Skalen der Instrumente sichtbar.

Der Motor startet mit einem Geräusch, als wäre sein Zahnriemen zu straff gespannt. Das kann nicht sein, denn der moderne Dreizylinder treibt seine beiden jeweils phasenverstellbaren Nockenwellen mit einer Kette. Ungewöhnlich ist höchstens, dass Renault mit dem Motor die längst vergessen geglaubten Tassenstößel wiederbelebt hat. Sie vereinfachen die Konstruktion und sparen Platz im Kopf – allerdings galt die Reibung zwischen Nocken und Tassen als unzeitgemäß hoch. Doch scheint Renault mit besonders harten Stößelbechern und sehr schmalen Nocken darauf eine Antwort gefunden zu haben. Ausfälle empfindlicher Ladertechnik sind mangels Aufladung gar nicht möglich.

Sportlich in mehrfacher Hinsicht

Auf den ersten Metern wird klar: Der moderne Motor harmoniert bestens mit der wiederverwerteten Clio-Technik. Die Gänge sind richtig gestuft und kurz genug übersetzt. Damit fühlt es sich regelrecht befreit an, wenn der Motor von 1500 bis 6500/min hinaufdreht. Zwar liegen bei 120 km/h schon 4000/min an, doch dafür wirkt der Sandero selbst auf der Autobahn jederzeit lebendig. Die Charakteristik ist so linear, wie man sie ausgesprochenen Sportmotoren mühsam anerzieht. Apropos sportlich: Die Schaltanzeige fordert, falls nötig, auch zum Runterschalten auf. Das hätten wir dem Sandero nicht zugetraut. Laut wird es aber nie und bei heruntergelassener Scheibe hört man ein grundsympathisches Auspuffgeräusch. Man denkt an ein dreijähriges Kind, das ein Matchbox-Auto herumschiebt und dabei mit der Zunge zwischen den Lippen das Geräusch imitiert.

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