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Clemens Gleich 10

Fahrbericht Alfa Romeo Stelvio

Kombi-Ersatz

Es wird keinen Giulia-Kombi von Alfa Romeo geben. Stattdessen bietet Alfa den Stelvio an: einen SUV, der fahrwerkstechnisch so nahe am Kombi liegt, dass man ihn gerade noch als SUV anbieten kann. Wir sind also am Punkt dieser Mode, an dem sich das Phänomen selbst beschleunigt. Wer einen Giulia-Kombi sucht, muss einen Stelvio kaufen, selbst, wenn er eigentlich keinen SUV will.

Für den Asphalt gedacht

Von der Giulia stammt die Plattform samt Allradantrieb: Der Motor vorne treibt über eine Kohlefaser-Kardanwelle die Hinterräder an. Fällt an der Hinterachse Schlupf an, schließt eine Lamellenkupplung vorne, die über einen Kettenantrieb Drehmoment auch auf die Vorderräder legt. Damit hat Alfas Stelvio den Allradantrieb, den der Wagen eigentlich nicht bräuchte. Alfa stellt klar, dass dieses Auto rein für den Asphalt gedacht ist. Selbst die einfachste Aufgabe beim Skifahren muss der Wagen nicht können: Bei der Anfahrt zur Hütte auf Schnee dort vorankommen, wo Einachsantriebler Schneeketten aufziehen müssen.

Da wir in der Gegend um das Timmelsjoch fuhren (nein, nicht am namensgebenden Stilfserjoch), probierte ich das Feigenblattargument aller SUV-Kunden aus, die nicht zugeben wollen, dass sie das einfach irgendwie gut finden mit dem hoch sitzen: ein kurzes Stück gewalzten, verschneiten Ziehweg fahren, wie man es zu seiner Hütte täte beim Skiurlaub. Der Stelvio grub sich sofort mit den rechten Rädern ein, während die linken Räder im Nichtstun verharrten.

Das war ein interessantes technisches Problem, das ich danach mit einem Alfa-Techniker diskutierte. Denn am Stelvio verbauen die Italiener wie an der Giulia hinten ein mechanisches Sperrdifferenzial. Vorne sollte das ESP ein durchdrehendes Rad bremsen, um Drehmoment über das offene Differenzial auf die andere Fahrzeugseite zu schicken. Dass keine der beiden Sperren sperrte, könnte daran liegen, dass die nicht abschaltbare Traktionskontrolle nicht genügend Drehzahl erlaubt, dass diese Mechanismen auch greifen können. So die technische Analyse. Kurz darauf sprach ich mit einem Vertriebler, der das technische Problem annulierte mit: "Das ist egal, unsere Kunden wollen keine solchen Fähigkeiten."

Straße kann er

Wir haben also einen SUV, der dort steckenbleibt, wo die Giulia (mit abschaltbarer TK) einfach weiterfährt, und es ist ihm noch nicht einmal peinlich. Es muss ihm auch nicht peinlich sein, denn Alfas Stelvio kann den Straßenteil bemerkenswert gut. Das Fahrwerk ist nur so hoch gelegt, wie es die SUV-Optik verlangte. Der Schwerpunkt liegt recht tief. Der Wagen wankt in Kurven nur wenig. Selbst die von Alfa empfohlenen und für diese Fahrt in den Alpen aufgezogenen Winterreifen Pirelli Scorpion funktionieren sehr gut. Der Alfa-Fan erhält hier also den SUV mit der besten mir bekannten Straßenlage. Die Ingenieure erkauften seine Asphalt-Tugenden auch nicht wie so oft mit Komfortverlusten. Der Stelvio rollt trotz tadelloser Straßenlage komfortabel rumpelfrei ab.

Alfa wollte wie gesagt die potenziellen Kombi-Kunden gleich mit abholen. Deshalb gaben sie dem Stelvio einen etwas weiter nach hinten überhängenden Arsch, der den nutzbaren Kofferraum vergrößert. Viel mehr wäre in einen Giulia-Kombi auch nicht hineingegangen. Dass der längere Überhang hinten früher aufsetzt, interessiert nur Geländeleute, die Alfa wie gesagt anders als Kombikunden eben nicht abholen möchte.

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