Logo von Autos

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.917.226 Produkten

Christoph M. Schwarzer 224

Die Hardware-Nachrüstung kommt

Systemintegration

Während die Juristen an der lebenspraktischen Umsetzung arbeiten, bereiten sich die Umrüstunternehmen auf die erwartete Nachfrage vor. Wir sprachen mit Dr. Martin Pley von der Dr. Pley SCR Technology GmbH über die technischen Vorschriften des BMVI: „Das Ministerium erlaubt die Zusammenfassung von Autotypen in Motorenfamilien“, so Pley. Die Kriterien für diese Familienbildung seien weit gefasst, was eine pragmatische Zulassung für viele Automodelle ermögliche.

„Unser erstes Produkt ist seit Monaten fertig“, erklärt Martin Pley im Telefonat, „wir hoffen auf eine ABE ab Ende Februar.“ Praktisch alle Euro 5-Diesel von Volvo könnten damit nachgerüstet werden. Aber auch Lösungen für etliche Mercedes-Modelle bietet das Unternehmen an. Interessenten können sich bereits vormerken lassen. Auch der etablierte Umrüstbetrieb Baumot Twintec hat eine Registrierungsseite geschaltet.

Die Ingenieure bei Dr. Pley haben eine Abgasnachbehandlung entwickelt, die vorhandene Komponenten aus dem hauseigenen SCR-Bausatz nutzt und dank eines zusätzlichen Bauteils schon bei einer vergleichsweise niedrigen Abgastemperatur von 120 Grad funktioniert.

Den Fahrverboten zuvorkommen

Die Branche ist zuversichtlich, auch eine große Nachfrage bewältigen zu können. Wie hoch die ist, hängt vom Preis ab. Je nach Quelle ist nach heutigem Stand mit rund 3000 Euro (Einbau inklusive) zu rechnen. Auch bei den Terminen für die Fahrverbote sind die Zulieferer optimistisch – zumindest für Euro 5-Fahrzeuge. Anders sieht es bei den mindestens acht Jahre alten Euro 4-Dieseln aus; ob es hier einen wirtschaftlich tragfähigen Umbau geben wird, ist zweifelhaft.

Der ADAC jedenfalls begrüßt, dass das BMVI mit den technischen Vorschriften die lange geforderte Richtlinie umgesetzt hat: „Mit der Festschreibung der Anforderungen für die Hardware ist jetzt der Weg frei für die Zulassung dieser sinnvollen Möglichkeit, den Stickoxid-Ausstoß von älteren Diesel-Fahrzeugen signifikant zu senken. Der ADAC hat in Tests gezeigt, dass dieser Weg gangbar ist“, sagt Vizepräsident Ulrich Klaus Becker.

Wer von Drittanbietern abrät, muss selber liefern

Die Automobilhersteller sollten den Anbietern, so wünscht es sich der ADAC, zumindest die notwendigen technischen Informationen zur Verfügung stellen. Die Grundsatzdebatte um die Freigabe – BMVI legt Genehmigung vor, Volkswagen verweist auf mögliche Nachteile – sieht der Verein kritisch: „Wer von Drittanbietern abrät, muss selber liefern“, so ADAC Vizepräsident Becker. Für den ADAC steht außer Frage, dass die Kosten für die Nachrüstung nicht am Diesel-Fahrer hängen bleiben dürfen.

Wer zahlt?

Bisher konnten sich die Autohersteller in der Politik und gegen die Interessen der Autobesitzer durchsetzen. Die Verzögerung darf als Ergebnis erfolgreicher Lobbyarbeit angesehen werden. Dass es nun eine qualitative Änderung gibt, ist eine gute Nachricht. Vielleicht ist der Fortschritt aber auch ein Ergebnis des Drucks der Autofahrer und der Händler: Letztere sitzen auf jungen und quasi-unverkäuflichen Euro 5-Pkw. Es ergibt einfach keinen Sinn, Millionen relativ neuer Diesel-Pkw erst durch Fahrverbote zu entwerten und dann deren Nachrüstung zu torpedieren. Die technische Umsetzung für die Hardware-Nachrüstung ist gelöst. Offen bleibt die entscheidende Frage: Wer zahlt?

Bilderstrecke, 7 Bilder

224 Kommentare

Anzeige
Anzeige