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Higgs-Teilchen? Gibt es nicht.

Was macht eigentlich das CERN? Sie wissen schon, diese Forscher, die das Internet erfunden haben, während sie eigentlich auf der Suche nach dem Ursprung von allem sind. Lange nichts mehr gehört von denen. Ich meine, nichts richtiges, positives.

Gut, da war die Sache mit den Neutrinos, die angeblich schneller als Licht fliegen. Das war peinlich, weil sich später rausgestellt hat, dass ein Kabel nicht richtig eingesteckt war. Immerhin haben die beteiligten Wissenschaftler den Fehler gefunden und die Geschichte richtiggestellt.

Aber diese andere Sache. Die Suche nach dem sagenhaften Higgs-Boson? Das Gott-Partikel. Erst gab es jede Menge Wind - und jetzt kommt nichts.

Vielleicht liegt es ja daran, dass die Jungs gar nicht so genau wissen, was sie da eigentlich wirklich suchen. Das Higgs-Teilchen ist nämlich eigentlich gar nicht das Higgs-Teilchen, sondern eigentlich das Brout-Englert-Guralnik-Hagen-Kibble-Higgs-Teilchen.

Ernsthaft. All diese Leute waren an der Idee beteiligt, dass es dieses geheimnisvolle Teilchen geben müsse, um zu erklären, warum Materie eine Masse hat. Robert Brout, Francois Englert, Gerald Guralnik, Carl Hagen und Tom Kibble haben ihre Ideen auch veröffentlicht, aber irgendwie sind sie dann später untergegangen.

Was mittlerweile eine ganze Reihe von Wissenschaftlern nicht mehr richtig findet. Sie setzten sich dafür ein, das Higgs-Boson umzubenennen - beispielsweise in SM-Skalarboson.

Was bei der Redaktion des Wissenschaftsmagazins Nature wiederum zu einem heftigen Abwehrreflex geführt hat. Nicht weil SM-Boson so ein schrecklicher Name ist, sondern weil „Higgs-Boson“ einfach eine in der Öffentlichkeit eingeführte Marke ist. Und die Popularität einer eingeführten Marke setzt man nicht einfach aufs Spiel, oder?

Eingeführte Marke also. Das ist ja fast so schlimm, wie im Zeitschriftengewerbe. Ich kann mir geradezu bildlich vorstellen, wie die Diskussion um den Begriff „SM-Skalarboson“ mit den Markenverfechtern läuft. Da kommt so ein aufrichtiger, junger Wissenschaftler zum Chef des CERN-Pressebüros und bring seinen Vorschlag der Umbenennung mit. Und was muss er sich anhören? Etwa so etwas: „Also SM geht ja vielleicht noch. Auch wenn es die Vorstellungen in eine völlig falsche Richtung lenkt. Wissenschaft soll ja sexy sein, aber SM steht ja an dieser Stelle für „Standardmodell“. Ein Wort, das mindestens genauso aufregend klingt wie Steuererklärung. Daran müssen Sie noch arbeiten. Finden Sie was mit mehr Espirit. Mit mehr Bedeutung. Und Skalarboson? Jetzt haben wir den Leuten grade mal mühsam klar gemacht, was ein Boson ist. Da kommen Sie und machen sie Sache noch komplizierter. Packen Sie das wieder ein, und überlegen sich was besseres.“

Ja ja, die Suche nach Erkenntnis ist ein hartes Geschäft.

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