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Florian R�tzer

Israels Regierung erpresst mit Kriegsdrohungen gegen den Iran die US-Regierung

US-Pr�sident Obama erscheint als Gefangener

Die israelische Regierung klammert sich an den Feind Iran und versucht immer stärker, die Weltgemeinschaft als Geisel zu nehmen, während das iranische Regime den Druck von außen nutzt, um nationale Einheit zu erzwingen und die Opposition ruhig zu halten.

Realpolitik: Der israelische Premier Netanjahu und US-Präsident Obama zwanghaft vereint. Bild: Screenshot vom Video des Weißen Hauses

Selbst wenn Iran Atombomben hätte, würde vermutlich auch eine Regierung, die einem Glauben anhängt, der den Märtyrertod kultiviert, nicht Israel mit diesen angreifen. Nicht nur ist Israel bislang der einzige Staat in der Region, der sich - heimlich - Atomwaffen verschafft hat und mit diesen zurückschlagen kann, ein Angriff Irans würde unweigerlich zum Gegenschlag der USA führen.

Ob das islamistische Regime in Iran, das alles daran setzt, sich technisch und rüstungstechnisch aufzurüsten, und das vom Sturz Husseins bislang am meisten profitiert hat, tatsächlich an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet, ist selbst in US-Geheimdienstkreisen umstritten. Noch viel mehr umstritten ist, wie weit, falls dies der Fall sein sollte, die Entwicklung vorangeschritten ist. Allerdings wurde auch kein Krieg gegen Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea geführt, als diese Länder in die Atomwaffenproduktion einstiegen und zu inoffiziellen Atommächten wurden.

Während US-Präsident Barack Obama in der misslichen Lage ist, einen Angriff auf Iran zu verhindern, wozu er gleichzeitig einen solchen als letzte Konsequenz androhen muss, um Israel zurückhalten zu können, nutzt der israelische Regierungschef Netanjahu das auch innenpolitische amerikanische Dilemma ebenso aus innenpolitischen Gründen aus. Nach dem Treffen mit Obama verkündete Netanjahu, der diesen wegen der anstehenden Wahlen noch besser als zuvor am Nasenring herumführen kann, dass die Weltgemeinschaft die iranische Bedrohung ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt habe. Natürlich schreibt er sich diesen angeblichen Erfolg zu.

Und er sagte, er habe gegenüber Obama erklärt, dass Israel Herr über seine Geschicke bleiben müsse, was auch heißt, dass Israel jeder Zeit den Iran angreifen - und mit dieser Drohung die USA erpressen kann. Nach Netanjahu sei einzig Israel in der Region "stabil und verlässlich". Er beschwor die einzigartige und unauflösbare Verbindung zwischen Israel und den USA, wobei sein könnte, dass er damit für viele Amerikaner auch zu viel aufgetragen hat:

Americans know that Israel and the United States share common values, that we defend common interests, that we face common enemies. Iran's leaders know that, too. For them, you're the Great Satan, we're the Little Satan. For them, we are you and you're us. And you know something, Mr. President -- at least on this last point, I think they're right. We are you, and you are us. We're together. So if there's one thing that stands out clearly in the Middle East today, it's that Israel and America stand together.

Obama versicherte, indem er gute Miene zum bösen Spiel machte, dass die USA stets Israel schützen werden und dass das Band zwischen Israel und den USA nicht zerrissen werden könne. Ein atomar bewaffneter Iran sei nicht akzeptabel, versicherte Obama und müsste sich fragen lassen, warum beispielsweise Nordkorea im Windschatten bleibt. Die Antwort ist ziemlich einfach: Weil die Atommacht China noch ihre Hand über das noch weitaus schlimmere Regime in Nordkorea hält.

Aber die Differenzen zwischen Israel und der US-Regierung sind groß, die Beziehung ist angespannt. Obama setzt auf Sanktionen, Netanjahu will wohl nicht unbedingt den Militärschlag, aber die permanente Drohung damit, schließlich würden ein Krieg und die daraus resultierende Instabilität in der Region kein irgendwie erkennbarer Gewinn für Israel sein, wohl aber die beständige Spannung, also das Gerede über einen militärischen Schlag. Das zieht sich nun schon seit Jahren dahin, erregt die Medien und die Öffentlichkeit. Obama hatte bereits mit einem Seitenhieb auf die israelische Regierung kritisiert, dass dies vor allem dem iranischen Regime zugute käme. Eine langfristige Strategie kann das nicht sein, aber offensichtlich fällt der israelischen Regierung nichts anderes ein und die amerikanische Regierung traut sich nicht, sich aus der fatalen Umklammerung zu lösen. So wenig rational wird Geschichte gemacht.

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