Logo von Security

Suche
318

Neuer SSL-Gau: Falsches Google-Zertifikat blieb fünf Wochen unentdeckt

Möglicherweise hat sich die iranische Regierung ein gültiges Zertifikat für Google-Domains erschlichen, um Nutzer von Google Mail zu überwachen. Das Zertifikat wird inzwischen von Google, Microsoft und Mozilla blockiert. Am Wochenende berichtete ein nach eigener Auskunft im Iran lebender Nutzer von Google Mail, dass Google Chrome beim Aufruf der mit SSL gesicherten Site einen Zertifikatsfehler meldete. Offenbar hat eine kürzlich in Chrome eingeführte Sicherheitsfunktion auf das merkwürdige Zertifikat aufmerksam gemacht. Chrome prüft nämlich nicht nur, ob das Zertifikat gültig ist, sondern auch, ob es von der richtigen CA stammt.

Anzeige

Verschiedene Sicherheitsexperten wie Moxie Marlinspike bestätigten, dass das vom holländischen Unternehmen DigiNotar ausgestellte und für alle google.com-Domains (*.google.com) gültige Zertifikat offenbar missbraucht wurde. Ein Pastebin-Eintrag demonstriert die Echtheit. Der Verfasser des Eintrags fordert die "digitale Todesstrafe" für DigiNotar, da durch das unbedachte Vorgehen des Dienstleisters Menschenleben in Gefahr gebracht wurden.

Die Electronic Frontier Foundation schreibt in ihrem Blog, dass das kompromittierte Zertifikat wahrscheinlich von der iranischen Regierung verwendet wurde, um Nutzer von Google Mail zu überwachen. Ausgestellt wurde das betroffene Zertifikat am 10. Juli, also vor gut fünf Wochen. An wen das Wildcard-Zertifikat übergeben wurde, ist allerdings ebenso unbekannt wie die Tatsache, ob noch weitere Zertifikate betroffen sind. Microsoft hat vorsichtshalber das DigiNotar-Root-Zertifikat aus der Microsoft Certificate Trust List in Windows entfernt und so alle Zertifikate von DigiNotar unbrauchbar gemacht.

Verschiedene Softwarehersteller haben inzwischen reagiert: Google wird DigiNotar-Zertifikate aus seinem Browser Chrome entfernen. Ebenso wird die Mozilla Foundation per Update dafür sorgen, dass Firefox, Sea Monkey und Thunderbird den DigiNotar-Zertifikaten nicht mehr vertrauen. Wer nicht auf das Update warten will, findet auf einer Mozilla-Seite Informationen, wie das Zertifikat von Hand gelöscht werden kann. Microsoft hat das Security Advisory 2607712 veröffentlicht. In einem dazu gehörenden Blogbeitrag erklärt das Unternehmen, dass Nutzer der Windows-Versionen ab Windows Vista keine Schritte unternehmen müssen: Das betreffende Zertifikat werde automatisch blockiert.

Für Windows XP und Windows Server 2003 wird es gesonderte Sicherheitsupdates geben, da diese Systeme nicht die zentral verwaltete Microsoft Certificate Trust List verwenden. Der Vorfall ist bereits der zweite seiner Art binnen weniger Monate. Im März wurde der Dienstleister Comodo gehackt, so dass gültige SSL-Zertifikate für eine ganze Reihe hochkarätiger Domains – darunter auch Google Mail – entwendet werden konnten. (Uli Ries) / (dab)

318 Kommentare

Themen:

  1. Google passt Chrome für iPhone 6 an

    Google passt Chrome für iPhone 6 an

    Die iOS-Version des Browsers läuft auf den neuen iPhones nun in der richtigen Auflösung. Ganz so weit wie Apples Safari geht Google auf dem iPhone 6 Plus allerdings nicht.

  2. Indien stellte falsche Google-Zertifikate aus

    Indien stellte falsche Google-Zertifikate aus

    Erneut kam es zu einem schwerwiegenden Zwischenfall bei einem Herausgeber von SSL-Zertifikaten: Die staatlich betriebene CA von Indien hat unter anderem Zertifikate für Google-Dienste herausgegeben. Diese eignen sich zum Ausspähen von SSL-Traffic.

  3. Google Now für PC und Mac verfügbar

    Google Now für Mac und PC

    Der Informationsdienst wird über die Benachrichtigungsfunktion in Googles Web-Browser Chrome angeboten. Der Rollout erfolgt allerdings erst nach und nach.

  4. Google-Admin-Anwendung auch für iOS

    Nachdem das Administrationswerkzeug für Google-Apps-Domains bereits seit längerem für Android verfügbar war, folgt nun eine Version für iPhone, iPod touch und iPad.

Anzeige