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Marzena Sicking

Treulos: ITler lassen die Kollegen im Stich

Fieser geht es nur noch in der Finanz- und Energiewirtschaft zu.

Wer in der IT- oder TK-Branche arbeitet, sollte lieber nicht allzu oft auf die Hilfe seiner Kollegen angewiesen sein. Denn wie eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Service-Value zeigt, gehört dieses berufliche Umfeld zu den "Top 5" mit der geringsten Team-Unterstützung.

Sobald die Arbeitsleistung steigt, wird demnach jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland von seinen Kollegen nicht unterstützt, sondern im Stich gelassen. Und unter den Branchen, in denen der Mangel an sozialer Unterstützung am größten ist, finden sich auch der Großhandel, die IT- und die Telekommunikationsbranche. Sie liegen alle über dem Durchschnitt, hier fühlen sich die Arbeitnehmer von den Kollegen also noch häufiger im Stich gelassen. Noch gemeiner geht es nur noch in der Finanz- und in der Energiewirtschaft zu.

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Hand in Hand mit der mangelnden Unterstützung geht auch das Mobbing der Kollegen einher: Bei zunehmender Arbeitsbelastung und steigendem Leistungsdruck wird ein Fehlverhalten einzelner Teammitglieder immer weniger toleriert. Nicht selten wird das vermeintlich schwächste Glied der Kette dann als Sündenbock isoliert, gemobbt und im Stich gelassen, so die weiteren Erkenntnisse der Studie. Dann werden selbst die einfachsten Regeln des Mit- und Füreinander nicht mehr beachtet.

Einer der Gründe für das unsoziale Verhalten der ITler untereinander dürfte sicherlich der steigende Druck auf die Fachkräfte sein. Zu wenig Pausen, zuviel konzentrationsstörendes Multitasking, zu hoher Termindruck. Wie eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) bereits Ende letzten Jahres gezeigt hat, sind Mitarbeiter in der IT-Branche besonders großem Stress ausgesetzt. Bezeichnend: Nur 37 Prozent der IT-Spezialisten glauben, ihren Job auf Dauer durchhalten zu können, 29 Prozent gaben an, große Schwierigkeiten beim "Abschalten" zu haben. Erschöpfungssymptome und Gesundheitsschäden sind keine Seltenheit, da bleibt kaum Raum, um sich noch für die Belange der Kollegen zu interessieren.

Die Technische Universität Dortmund ist in diesem Zusammenhang übrigens auf ein interessantes Phänomen gestoßen: obwohl es eben Studien gibt, die belegen, dass die IT-Branche ein gesundheitlich besonders belastendes Arbeitsumfeld schafft, tauchen ihre Beschäftigten keinesfalls überdurchschnittlich oft in den Statistiken der Krankenkassen auf. Im Gegenteil. Wenn man sich die Zahlen anschaut, könnte man glauben, der typische Admin oder Programmierer ist grundsätzlich kerngesund. Die Erklärung der Forscher an der Uni: ITler tauchen in den Statistiken der Krankenkassen nur selten auf, weil sie weiterarbeiten, auch wenn es ihnen nicht mehr gut geht.

Wer Wert auf eine entspanntere Arbeitsumgebung, eine kollegiale Atmosphäre und gegenseitige Unterstützung legt, der sollte sich also einen Job im öffentlichen Dienst suchen. Hier ist die "Ausfallquote" in Bezug auf hilfreiche Kollegen mit 13 Prozent noch am geringsten. (Marzena Sicking) / (map)

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