Logo von Open Source

Suche
Thorsten Leemhuis 9

SysVinit- und Upstart-Alternative Systemd vorgestellt

Über den Blog-Eintrag "Rethinking PID 1" hat der durch seine Arbeit an Avahi und Pulseaudio bekannte Open-Source-Entwickler Lennart Poettering "Systemd" angekündigt – eine Alternative zu SysV-Init oder dem von vielen modernen Linux-Distributionen verwendeten Init-System Upstart, die beim Booten des Systems alle zum Betrieb nötigen Dinge und Dienste ausführt oder startet.

Anzeige

In dem sehr ausführlichen Blog-Eintrag erläutert Poettering Probleme aktueller Init-Systeme und erklärt, wie das noch sehr experimentelle und bislang lediglich via Git erhältliche Systemd es besser machen will. Damit der Systemstart möglichst schnell erfolge, dürfe das Init-System nur das unbedingt Nötigste ausführen und müsse so viele Aufgaben wie möglich parallel erledigen, um die Ressourcen effizient zu nutzen. Dienste sollten zudem erst starten, wenn sie benötigt werden – ähnlich wie beim (x)inetd, das Server-Dienste wie SSH, Telnet oder Webmin automatisch startet, wenn auf einem bestimmten Port zugriffen wird. Auch seien die vielen beim Start aktueller Linux-Distributionen ausgeführten Shell-Skripte ein Problem, denn die seien vergleichsweise langsam. Poettering erläutert ferner, warum ihm der Ansatz des derzeit von Fedora, OpenSuse und Ubuntu eingesetzte Upstart nicht gefällt; mehrfach positiv erwähnt er hingegen einige Eigenschaften des bei MacOS eingesetzten launchd.

Im folgenden beschreibt Poettering in seinem Blog-Eintrag die Funktionsweise des maßgeblich von ihm entwickelten Systemd; viele der ihm vorschwebenden Features seien bereits implementiert, einige weitere seien bereits in Arbeit. Testern offeriert er ein Qemu-Image mit einer modifizierten Vorabversion von Fedora 13, mit der man Systemd ausprobieren kann. In einer virtuellen Maschine würde Systemd das System drei Sekunden schneller starten als Upstart. Es seien aber nur sehr grobe, mit aktiviertem Debugging ermittelte Werte; zudem kämen nur die normalen LSB-Startskripte zum Aufruf vieler Dienste zum Einsatz, sodass viele der Konzepte von Systemd nicht zum Zuge kämen.

Der bei Red Hat beschäftigte Poettering stellt in der FAQ am Ende der Ankündigung klar, dass Systemd sein Freizeitprojekt sei. Er hat sich aber mit Entwicklern verschiedener Firmen abgesprochen – darunter auch dem bei Novell beschäftigten Kay Sievers, der durch seine Arbeit als Udev-Maintainer bekannt ist. Poettering und Sievers scheinen auf eine Aufnahme in Fedora und OpenSuse hinarbeiten zu wollen, wenn weitere Experimente mit Systemd zeigen, dass das Konzept tragfähig ist.

Der Hauptentwickler von Upstart, Scott James Remnant, kommentierte Systemd kurz nach dessen Vorstellung in seinem Blog. Dort räumt er ein, dass Upstart keineswegs perfekt sei und dass er einigen von Poettering aufgebrachten Kritikpunkten nicht widersprechen kann. Nun, da Ubuntu 10.04 freigegeben sei, will er sich Upstart wieder mehr widmen und einige der kritisierten Eigenschaften angehen. Es sei viel zu früh, um abschätzen zu können, welche der beiden Ansätze langfristig der bessere sei.

(thl)

9 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Linux: Kdbus soll universeller werden, Videos von Systemd-Konferenz

    Linux: Kdbus soll universeller werden, Videos von Systemd-Konferenz

    Der IPC-Dienst Kdbus wird umgebaut, damit er einige von D-Bus übernommene Schwächen ablegt. Das wurde auf der ersten Systemd-Konferenz bekannt; Mitschnitte der dort gehaltenen Vorträge gibt es bei YouTube.

  2. Microsoft plant SSH-Unterstützung für die PowerShell

    Windows PowerShell

    Microsoft hat angekündigt, sich künftig an dem Open-Source-Projekt OpenSSH beteiligen zu wollen. Die Windows PowerShell soll sicher mit SSH-Clients und -Servern auch auf anderen Systemen kommunizieren können.

  3. Unverschlüsselte CMS-Updates: Drupal gelobt Besserung

    Unverschlüsselte CMS-Updates: Drupal gelobt Besserung

    Das Update-Verfahren des beliebten Content Management Systems Drupal liefert Aktualisierungen unverschlüsselt aus. Ein Problem, das seit Jahren bekannt ist und von Angreifern missbraucht werden kann, um Seiten zu kapern.

  4. Jetzt am Kiosk: c't Linux 2015

    c't Linux 2015

    Das neue Linux-Sonderheft aus der c't-Redaktion ist ab heute im Zeitschriftenhandel erhältlich. Themenschwerpunkte sind langlebige Linux-Systeme, Server-Sicherheit und Grafik-Know-how. Dazu kommen Praxistipps für Anwendungen, Desktop und Kommandozeile.

  1. Kdbus: Neue Interprozesskommunikation für den Linux-Kernel

    Der D-Bus stellt Linux-Anwendungen eine Schnittstelle zur Kommunikation untereinander und mit Systemkomponenten zur Verfügung. Derzeit wird daran gearbeitet, den IPC-Mechanismus in den Linux-Kernel zu verlagern.

  2. Was Fedora 19 Neues bringt

    Das neue Fedora bedient die Freunde klassischer Desktop-Oberflächen mit einer MATE-Variante und dem Klassikmodus in Gnome. Systemd kümmert sich jetzt um Container und die Vergabe von Netzwerknamen. Frische Treiber sorgen für 3D-Beschleunigung bei neueren Radeon-Grafikkarten.

  3. Was OpenSuse 13.1 Neues bringt

    OpenSuse 13.1 enthält ein grundlegend umgebautes Yast, das allerdings aussieht wie eh und je. Verbessert wurde die Unterstützung für Android, ARM und Wayland. Die neue Version soll zudem nicht nur eineinhalb, sondern drei Jahre Support erhalten.

  1. Klartext: Italien

    Klartext

    Alles ist besser in Italien. Zufällig verschlug es mich einmal wieder dorthin, und im unbezahlten, potenziell unbezahlbaren Maserati sitzend sinnierte ich darüber, warum das so ist. Wahrscheinlich Liebe

  2. Tomb Raider für Linux veröffentlicht

    Tomb Raider für Linux

    Mit "Tomb Raider" ist nun ein weiterer großer Titel auch für Linux verfügbar. Der Port von Feral Interactive unterstützt erstmals auch offiziell AMD-Grafikkarten und das sogar mit dem in Mesa enthaltenen Radeonsi-Treiber.

  3. Smarte Ohrhörer "The Dash": Zwischen Händler-Euphorie und Käufer-Frust

    Smarte Ohrhörer "The Dash": Zwischen Händler-Euphorie und Käufer-Frust

    Gerade verkündete Vodafone stolz, "als Erster das erste Hearable der Welt" auf den Markt zu bringen. Doch dem gegenüber stehen frustrierte Käufer der Bluetooth-Ohrhörer, die zugleich MP3-Player, Headsets und Fitnesstracker sind.

  4. Atomkraft: Belgien will Jod-Tabletten im ganzen Land verteilen

    Atomkraft: Belgien will Jod-Tabletten im ganzen Land verteilen

    Deutschland und Belgien liegen sich seit langem wegen Pannen bei Atommeilern in den Haaren. Auch deshalb stößt es auf Interesse, dass die belgische Regierung das Land künftig besser für die Folgen eines möglichen Reaktorunfalls wappnen will.

Anzeige