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Die Neuerungen von Fedora 17

Thorsten Leemhuis

Die Gnome-Shell arbeitet nun auch ohne 3D-Beschleunigung. Die massiven Umbauten an der Dateisystemstruktur, über die im Vorfeld viel diskutiert wurde, machen sich im Alltag gar nicht bemerkbar. Über eine neue Sandbox-Funktion lassen sich Anwendungen leicht isolieren.

Drei Wochen später als ursprünglich geplant, hat das Fedora-Projekt jetzt die siebzehnte Version seiner Linux-Distribution veröffentlicht. Die Beefy Miracle genannte Version bringt eine Neuerung, die während der Entwicklung von Fedora 17 für viel Gesprächsstoff in der Linux-Welt sorgte: Die Abschaffung der Verzeichnisse /lib/, /lib64/, /bin/ und /sbin/. Die bisher dort abgelegten Dateien wurden in den gleichnamigen Unterverzeichnisse in /usr/ verschoben; symbolische Links sorgen für Abwärtskompatibilität.

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Der Anwender merkt daher nichts von dieser als Usrmove bezeichneten Anpassung der Dateisystemstruktur; beim Update werden die Dateien automatisch verschoben. Wer den Versionswechsel über Yum ausführt, muss das Verschieben explizit anstoßen. Dieser – offiziell nicht unterstützte – Upgrade-Pfad ist allerdings nur für Fedora-Kenner interessant, die Abhängigkeitsprobleme und andere Schwierigkeiten meistern können.

Die Umstrukturierung macht es einfacher, vor einem Update einen Snapshot des Systems anzulegen, auf den man bei Problemen zurückkehren kann.Da sich alle System-Binaries in /usr befinden, kann man das in ein eigenes Dateisystem auslagern, schreibgeschützt übers Netz einbinden und von mehreren Systemen aus gleichzeitig nutzen. Weitere Gründe für den Umbau erläutern die UsrMove-Feature-Seite im Fedora-Wiki und eine Aufstellung bei Freedesktop.org. Die Entwickler einiger anderer Distributionen überlegen, dem Beispiel von Fedora folgen zu wollen; bislang hat aber keine der großen Distributionen solch einen Schritt angekündigt.

Gnome Shell ohne 3D

Als Standard-Desktop verwendet Fedora Gnome 3.4.1 (siehe "Angesehen: Gnome 3.4" auf heise open). Bei dieser Version haben die Entwickler unter anderem die Zusammenarbeit mit extensions.gnome.org verbessert, die einem Fedora 17 derzeit knapp hundert Erweiterungen anbietet, mit denen sich das Verhalten der Gnome Shell an individuelle Vorstellungen anpassen lässt.

Die Gnome Shell funktioniert bei Fedora 17 auch bei Systemen, deren Grafiktreiber keine 3D-Beschleunigung bieten. Das gelingt mit Hilfe des Mesa-3D-Treibers Llvmpipe, der die 3D-Berechnungen mit dem Hauptprozessor durchführt. Typische Desktop-Prozessoren liefern genug Leistung zur flüssigen Darstellung der Oberfläche, da sie im Vergleich zu modernen 3D-Shootern recht wenig 3D-Leistung benötigt. Selbst für Virtualisierungsumgebungen bietet das Software Rendering durch Lllvmpipe vielfach genug Leistung zur flüssigen Bedienung.

Die KDE-Komponenten in Fedora 17 entstammen der KDE SC 4.8.3 – für Anwender von Fedora 16 keine wirkliche Neuerung, denn das hat die aktuelle KDE-Version kürzlich als Update erhalten. Der Plan, bei fehlender 3D-Berschleunigung auch die Desktop-Effekte der KDE SC durch Llvmpipe berechnen zu lassen, wurde verschoben. Beim Installieren von Widgets via Plasma fordert letzteres nun alle für das Widget nötigten Script- und Data-Paketen aus den Fedora-Depots ab, damit das Widget nach der Installation alles Benötigte vorfindet.

Xfce liegt in der Version 4.8 bei; die Ende April veröffentlichte Version 4.10 lässt sich über ein inoffizielles Paket-Depot recht einfach nachrüsten, das die Xfce-Entwickler von Fedora pflegen.

LibreOffice liegt in Version 3.5.2.1 bei. Fedora liefert ferner den neuen Gimp 2.8 mit, zu dessen größten Neuerungen der Ein-Fenster-Modus und ein verbessertes Textwerkzeug zählen; neu sind auch Funktionen zur Gruppierung von Ebenen und zum Verzerren von Bildteilen anhand eines Polygonrahmens. Der bei der Druckeransteuerung involvierte CUPS-Daemon kann zusammen mit Colord nun ICC-Farbprofile verwenden, um eine möglichst farbechte Druckausgabe zu erzielen.

Virtualisierung und Cloud

Fedora 17 enthält das auf der diesjährigen Fosdem vorgestellte libvirt-sandbox, das einzelne Applikationen mit Hilfe der Virtualisierungslösung KVM oder der Container-Technik LXC in eine Sandbox sperrt. Die Einrichtung eines virtualisierten Betriebssystem ist dabei nicht nötig, da das Root-Dateisystem des Wirts schreibgeschützt verwendet wird. Der Overhead soll recht klein sein. Der Start von Anwendungen dauert allerdings etwas länger, da das Einrichten einer Sandbox mit KVM ein paar Sekunden in Anspruch nimmt; mit LXC sollen es nur Sekundenbruchteile sein.

Der Virt-Manager unterstützt nun das Weiterreichen von USB-Geräten. Zum Lieferumfang gehört nun auch der Multilayer Virtual Switch "Open vSwitch", der speziell für den Einsatz im Virtualisierungsumfeld entwickelt wurde und auf den Layern 2, 3 oder 4 arbeiten kann. Die Kernel-seitige Unterstützung war Anfang des Jahres in Linux 3.3 eingeflossen.

Ferner liegen Fedora nun viele Bausteine des oVirt-Projekts bei, das Infrastruktur- und Management-Software für Virtualisierungsumgebungen wie Red Hat Enterprise Virtualization (RHEV) 3.0 entwickelt. Neu dabei sind auch die Komponenten der Cloud-Plattform OpenStack Essex. Eucalyptus 3.1, OpenNebula und der Cloud-Stack von Cloud.com und sollten in Fedora 17 einfließen; diese Arbeiten wurden aber nicht rechtzeitig fertig.

Datenträger

Der Plan, Btrfs als Standard-Dateisystem einzusetzen, wurde wie schon bei der Vorversion verworfen. Bei Fedora 17 ist es nicht einmal mehr möglich, im Installer Partitionen mit Btrfs zu formatieren – diese Funktion blieb bei einigen Umbauten am Installer auf der Strecke, soll bei Fedora 18 aber zurückkehren. Im installierten System oder im Live-Betrieb kann man Btrfs wie gewohnt nutzen; auch das verbesserte, aber noch nicht offiziell freigegebene Werkzeug zum Prüfen und Reparieren von Btrfs-Laufwerken ist Bestandteil der Distribution.

Ext4 soll sich nun auch für Datenträger mit mehr als 16 TByte eignen. Wechseldatenträger hängt Fedora ab Version 17 nicht mehr unter /media/ ein, sondern unterhalb des Verzeichnisses /run/media/$USER/; Ursache für diesen Verhaltenswechsel ist eine Änderung in Udisk.

Fedora liegt alles bei, um mit LIO (linux-iscsi.org) ein NAS aufzusetzen, das sich via iSCSI oder FCoE als SCSI Target ansprechen lässt; der dafür verantwortliche Fedora-Entwickler stellt die Technik in einem dreiteiligen Screencast näher vor. Zudem gab es bei Fedora 17 eine Reihe von Verbesserungen am Cluster-Stack, die für High Availability und Load Balancing interessant sind.

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