Logo von heise online

Suche
Daniel AJ Sokolov 19

Österreich: Bundesrechenzentrum führt Internet-Wahl zur Studentenvertretung durch

Das österreichische Bundesrechenzentrum (BRZ) wird die begleitende Internet-Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) im kommenden Mai durchführen und dabei auf eine E-Voting-Software des spanischen Anbieters Scytl zurückgreifen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) hat den Auftrag vergeben, nachdem unterlegene Bewerber eine Ausschreibung erfolgreich angefochten hatten. Durch die Vergabe an ein staatliches Unternehmen umgeht Hahn die Vorgaben zur EU-weiten Ausschreibungspflicht. Die Auftragssumme wird vom Ministerium nicht verraten, sie soll aber im sechsstelligen Bereich geblieben sein.

Anzeige

Die ÖH steht dem E-Voting gespalten gegenüber. So hatte sich etwa das Bundesgremium der ÖH einstimmig gegen E-Voting ausgesprochen. Die derzeit vorsitzführende Aktionsgemeinschaft gilt als ÖVP-nah und soll den Widerstand gegen die Pläne des Wissenschaftsministers inzwischen aufgegeben haben. Das Ministerium verweist auf eine Umfrage unter Studierenden, der zufolge 82 Prozent positiv gegenüber E-Voting eingestellt seien. Umfragen unter der allgemeinen Bevölkerung hatten hingegen 2007 und 2008 eine deutliche Ablehnung gegenüber E-Voting gezeigt.

Im Mai 2009 werden österreichische Studenten zusätzlich zur herkömmlichen Papierwahl zur ÖH-Vertretung also die Möglichkeit haben, ihre Stimme über das Internet abzugeben. Das virtuelle Wahllokal wird von Montagfrüh bis Freitagnachmittag durchgehend betrieben werden, während die herkömmlichen Wahllokale in der darauf folgenden Woche von Dienstag bis Donnerstag geöffnet sein werden. Am Donnerstag werden dann alle Stimmen ausgezählt.

Voraussetzung zur Teilnahme am E-Voting ist eine aktivierte Bürgerkarte samt Lesegerät und am Rechner installierter Bürgerkarteumgebung, ein gängiges Betriebssystem (Windows, MacOS X, Linux) und eine gängige Browserversion. Die Anwendung soll barrierefrei nach WCAG 1.0 Level A ausgeführt werden.

Der Sourcecode der eingesetzten E-Voting-Software wird nicht öffentlich gemacht, die Mitglieder der Wahlkommission sollen aber Einblick erhalten, wenn sie einem Non Disclosure Agreement (NDA) zustimmen. Die Details des NDA stehen noch nicht fest. Somit ist nicht klar, ob die Wahlkommissionsmitglieder überhaupt über etwaig gefundene Sicherheitslücken berichten dürften. ÖH-Vertreter hatten kritisiert, dass die Eingabe der PIN am Rechner und nicht am Lesegerät erfolgt, wodurch das Verfahren anfällig für Trojaner würde. (Daniel AJ Sokolov) / (pmz)

19 Kommentare

  1. Wahl in Estland: Ein Fünftel gibt Stimme per I-Voting ab

    Wahl in Estland: Ein Fünftel gibt Stimme per I-Voting ab

    Estland hat am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Ähnlich wie in Deutschland konnte die Stimme schon vorher abgegeben werden. Als einziges Land weltweit ermöglicht Estland aber eine Briefwahl auch über das Internet per Remote Electronic Voting.

  2. Österreich setzt nach Scheitern der Bürgerkarte auf die Handysignatur

    SMS

    Nur 150.000 Österreicher nutzen die Bürgerkarte für E-Government. Jetzt will die Regierung die Alternative weiter voranbringen. Dabei soll die Privatwirtschaft helfen.

  3. Österreich will Speichermedienabgabe und Leistungsschutzrecht einführen

    Österreich führt Speichermedienabgabe und Leistungsschutzrecht ein

    Österreich reformiert sein Urheberrecht. Es soll um eine Speichermedienabgabe und um ein Leistungsschutzrecht erweitert werden.

  4. Globaltrust wird Österreichs zweiter Zertifikate-Anbieter

    Goldener Schlüssel liegt auf Eingabetaste

    Österreich hat einen zweiten Anbieter qualifizierter Zertifikate, der auch der einzige Anbieter qualifizierter Zeitstempel ist. Zielgruppe sind insbesondere Unternehmen mit automatisierten Prozessen.

  1. Wollt ihr die totale Überwachung?

    Verschlüsselt und werdet Extremisten, denn es wird Zeit, dass wir aufhören, uns auf die dunkle Seite der Macht zu begeben.

  2. Werkstattkalender 2016: Zwischen Trash und Fotokunst

    Werkstattkalender 2016: Zwischen Trash und Fotokunst

    Der Pirelli-Kalender ist zwar der bekannteste, aber bei weitem nicht der einzige mit hohem Budget produzierte Werkstattkalender. Wir stellen die wichtigsten Vertreter dieses unterschätzten Fotogenres mit opulenten Bilderstrecken vor.

  3. c't uplink 7.3: Custom-ROMs für Android, neuer Kindle Paperwhite, PC-Pannenhilfe

    Im Podcast aus Nerdistan sprechen wir in dieser Woche über Custom-ROMs für Android und ob beziehungsweise warum man sie haben will. Außerdem geht es um den neuen Kindle Paperwhite und Hilfe für die Fehelrsuche bei PC-Pannen.

  1. Grafikeffekte am Beispiel von "Rise of the Tomb Raider" erklärt

    Tomb Raider

    Seit ein paar Tagen reden alle nur noch von Laras Haaren. Doch nicht nur die Haarsimulation "Pure Hair" beeindruckt, auch verbesserte Ambient Occlusion, Hardware-Tessellation et cetera hieven Spiele auf ein neues grafisches Niveau.

  2. SCO vs. Linux/Unix: Etappensieg für IBM

    SCO vs. Linux

    SCO? Da war doch mal was? Aber ja. Und wir sind nicht in einer Zeitschleife: Die unendliche Geschichte geht weiter, wenngleich auf Sparflamme. IBM hat den ersten von zwei Schadensersatzansprüchen der SCO Group entkräften können.

  3. GTC4 Lusso: Ferrari Grand-Tourer mit Allradantrieb und -lenkung

    Ferrari stellt mit dem GTC4 Lusso eine weitere Entwicklungsstufe seines sportlichen Grand-Tourer-Konzepts erstmals auf dem Autosalon in Genf (3. bis 13. März) vor. Der zweitürige Viersitzer bringt erstmals Allradantrieb mit Allradlenkung zusammen

  4. Neuer Fiat Tipo: Preise veröffentlicht

    Fiat

    Die Bezeichnung Tipo hat bei Fiat eine lange Tradition. Mit dem neuesten Modell könnte ein erfolgreiches Kapitel hinzukommen, denn die Italiener wollen ihn günstig verkaufen und haben auch Schrägheck in Kombi in Vorbereitung

Anzeige