Logo von heise online

Suche
Monika Ermert 49

Zweifel an der Notwendigkeit des Kryptostandards SHA3

Kurz vor der für den Sommer erwarteten Kür eines Nachfolgers für den Secure Hash Algorithm2 (SHA2) kommen Zweifel auf, ob wirklich schon ein neuer Kryptostandard gebraucht wird. Mittels der Hash-Funktionen werden kurze Zahlen für ganze Datensätze errechnet, um so deren Echtheit überprüfen zu können; sie sind die Grundlage vieler Sicherheitsmechanismen. Das für das Verfahren verantwortliche National Institute of Standards and Technogy (NIST) spricht bereits nicht mehr von einer "Nachfolge", sondern von einer "Ergänzung".

Die Suche nach SHA3 wurde initiiert, weil die erfolgreichen Angriffe auf SHA1 und MD5 prinzipiell auch auf deren Nachfolger SHA2 anwendbar sind und somit das Vertrauen in dessen Sicherheit angeschlagen war. Zwar erklärte Tim Polk, Computerwissenschaftler des NIST auf dem 83. Treffen der Internet Engineering Task Force (IETF), dass die bekannten Angriffe gegen MD5, SHA1 und SHA2 und deren gemeinsame Basis, das Merkle- Damgård-Verfahren keinen der fünf Finalisten betreffe. Allerdings habe der Wettbewerb und die in dessen Verlauf abgelieferten rund 400 wissenschaftlichen Aufsätze und Tests auch ergeben, dass SHA 2 für einige Aufgaben schneller ist als die fünf Finalisten Blake, Grøstl, JH, Keccak und Skein. Nur bei den kurzen Hash-basierten Message Authentication Codes (MACs) siege SHA3.

Jeder Finalist habe dabei durchaus eigene Stärken im Vergleich zu SHA2, aber keiner sei insgesamt besser als SHA2. Auch deshalb lautet aus Sicht des NIST die Frage nun, ob man den SHA3-Gewinner am Ende nicht zunächst als "Ergänzung" zu SHA2 propagieren solle, zumal es im Verlauf des Wettbewerbs neues Vertrauen in SHA2 gewonnen hat. "Wir dachten, SHA2 würde noch vor Abschluss des Wettbewerbs endgültig geknackt werden", erklärte Polk, aber aktuell fühle man sich mit SHA2 wieder sehr gut abgesichert.

Nicht zuletzt dieses Eingeständnis veranlasste die Sicherheitsexperten der IETF zu der Frage, ob die Ergänzung dann überhaupt notwendig sei. Allein um den Wettbewerb und die Arbeit zu würdigen, sei Anwendern die aufwändige Migration kaum zumutbar. Russ Housley, der Vorsitzende der IETF, warnte davor, die Einführung von SHA3 zu fordern, während in der Praxis viele Administratoren noch nicht einmal den Übergang von SHA1 zu SHA2 vollzogen hätten. Die Migrationskosten lägen um ein Vielfaches höher als Performanztests in zwei Jahren Wettbewerbsverfahren. Noch einen weiteren Algorithmus einzuführen, nur um ein Backup für den Fall der Fälle – die Kompromittierung von SHA2 – zu haben, lehnten viele Experten in Paris rundweg ab. (ju)

49 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Hash-Algorithmus Blake will es nochmal wissen

    Hash-Algorithmus Blake2 will es nochmal wissen

    Nachdem Blake im SHA-3-Wettbewerb das Rennen nicht gemacht hat, reichen die Entwickler Blake2 nach. Die optimierte Version soll nicht nur sicher, sondern auch sehr schnell sein.

  2. Hash-Verfahren SHA-3 als offizieller Standard verabschiedet

    SHA-3 als offizieller Standard verabschiedet

    Die Hash-Funktion Keccak firmiert ab sofort als SHA-3 und heißt jetzt Federal Information Processing Standard (FIPS) 202.

  3. Puzzles sollen gegen DDoS-Angriffe schützen

    Puzzles gegen DDoS-Angriffe

    Um verteilte Denial-of-Service-Attacken auf Krypto-Dienste zu verhindern, sollen die Clients erst mal ein Puzzle lösen, bevor sie diese in Anspruch nehmen können. Doch der Vorschlag ist nicht unproblematisch.

  4. Todesstoß für SHA-1 steht bevor

    Todesstoß für SHA-1 steht bevor

    Ein erster praktikabler Angriff von Sicherheitsforschern auf SHA-1 verschärft die Aussage, dass die Hashfunktion nicht mehr zum Einsatz kommen sollte.

  1. DNSSEC und DANE: Hilfestellung zur Mail-Verschlüsselung

    Fachleute kritisieren zurzeit das eigentlich zuverlässige Mail-Verschlüsselungsverfahren PGP, weil Konzeptschwächen die Verbreitung behindern. Aber auch die bequemere Mail-Verschlüsselung namens S/MIME hat erhebliche Schwächen. DNSSEC und DANE, zwei miteinander kombinierte Verfahren, versprechen Abhilfe.

  2. SSH, SSL, IPsec -- alles kaputt, kann das weg?

    So kann man sich das Knacken von IPsec-Verbindungen vorstellen: Man fragt nach den Schlüsseln -- und wenn die geliefert werden können, bekommt man Zugriff auf die Daten.

    In seiner Analyse der letzten NSA-Leaks kommt Krypto-Professor Damian Weber zu einer anderen Einschätzung als die dramatisierenden Spiegel-Artikel: Er sieht durchaus Anlass zu Hoffnung.

  3. Transitschutz: DNSSEC und DANE auf Linux-Servern konfigurieren

    Die etablierte TLS-Verschlüsselung mit signierten Zertifikaten ist nicht wirklich sicher. Das modernere DANE prüft mittels DNSSEC ohne externen Stempel, ob das vom Server präsentierte Zertifikat echt und damit die verschlüsselte Verbindung beim Mail- und Webseiten-Transport vertrauenswürdig ist. Das lässt sich an einem Vormittag einrichten.

  1. TLS-Zertifikate: Google zieht Daumenschrauben der CAs weiter an

    TLS-Zertifikate: Google zieht Daumenschrauben der CAs weiter an

    Ab Juni müssen alle Symantec-CAs ihre Aktivitäten via Certificate Transparency registrieren. Sonst werden die Zertifikats-Inhaber abgestraft. Das könnte auch andere CAs treffen.

  2. Windows 10: Neue Systemvoraussetzungen als Risiko für Billig-Tablets

    Windows 10

    Mit dem "Anniversary Update" für Windows 10 steigen die Systemvoraussetzungen für die 32-Bit-Version. Für Schmalspur-Geräte könnte das zum Sicherheitsrisiko werden.

  3. Netzwerkkarte für NBase-T von Delock

    Schnelleres Internet mit neuer Netzwerkkarte

    Höhere Bandbreite ist auch auf herkömmlichen Kupferkabeln (CAT5e) machbar – ermöglicht wird es durch die neuen Zwischenstufen von 2,5 GBit/s und 5 GBit/s. Delock liefert eine der ersten Netzwerkkarten, die diese Geschwindigkeiten unterstützen.

  4. US-Medien: Gawker sucht nach einem Käufer

    US-Medien: Gawker sucht nach einem Käufer

    Nachdem Ex-Wrestler Hulk Hogan das US-Blogimperium wegen eines Sex-Videos auf die Matte geschickt hat, such Gawker nun angeblich sein Heil in einem Verkauf. Auch beteiligt: Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel.

Anzeige