Logo von heise online

Suche
Jürgen Kuri 776

Webbrowser Firefox 4 offiziell freigegeben

Mehr als acht Monate Betaphase hat sich die Mozilla-Stiftung für Firefox 4 Zeit gelassen, jetzt liegt der Browser bereit – nachdem übereifrige Vorabmeldungen einige Nutzer schon auf die FTP-Server geleitet hatten, während die Entwickler noch mit der Befüllung der Server und Mirror-Sites mit dem Release beschäftigt waren. Das endgültige Release gibt es nun auch offiziell freigegeben in diversen Landessprachen für Windows, Mac OS X und Linux zum Download.

Die Bedienoberfläche des Feuerfuchses wurde verschlankt, das Menü ist jetzt in den Windows- und Linux-Versionen über einen Firefox-Knopf im oberen Rahmen des Programmfensters zugänglich. Wer will, kann per Alt-Taste die Menüleiste aber wieder zuschalten.


Mozilla hat die Bedienoberfläche verschlankt.
Die Tab-Leiste wurde über die Adressleiste verlagert. Eine grafische Übersicht namens Panorama soll dem Surfer immer den Überblick über offene Tabs geben. Dort kann der Nutzer Tabs per Drag and Drop zu Gruppen zusammenfassen. Häufig genutzte Web-Anwendungen können in "App Tabs" abgelegt werden, die Firefox mit entsprechendem Favicon am linken Rand der Tab-Leiste anzeigt.

In puncto Performance schließt der Mozilla-Browser wieder zur Konkurrenz auf. Das verdankt der Browser seiner neuen JavaScript-Engine JägerMonkey. SunSpider, lange Zeit der maßgebliche Benchmark in Sachen JavaScript-Geschwindigkeit, sieht in unseren Tests Firefox 4, Chrome 10 und Internet Explorer 9 dicht beieinander, wobei der IE gut 10 Prozent schneller als die Konkurrenz ist. Mozillas eigene Testsuite Kraken, die auf SunSpider aufsetzt, sieht dagegen Firefox 4 als Sieger; er absolviert die Tests etwa viermal so schnell wie Firefox 3.6. Bei Googles V8 Benchmark liegt der neue Fuchs zwischen Chrome und IE9.

Während bei der JavaScript-Geschwindigkeit das Feld dicht beieinander liegt, sieht es bei der Hardware-beschleunigten Grafikdarstellung durch Auslagerung des Renderings auf die GPU noch anders aus. Bei unseren Tests konnte Firefox 4 beinahe zum Internet Explorer 9 aufschließen. Auf Windows nutzt Firefox Direct3D, auf Linux und Mac OS OpenGL.

Nach wie vor sind Firefox-Erweiterungen leistungsfähiger als ihre Gegenstücke in Chrome oder Safari, da sie tiefer im System sitzen. Allerdings erfordert jede (De-)Installation, Aktualisierung und (De-)Aktivierung einen Browser-Neustart. Deshalb enthält Firefox 4 das Erweiterungssystem namens Add-on SDK, mit sich Erweiterungen ähnlich geschmeidig (de-)installieren lassen sollen wie in den WebKit-Browsern. Ebenso integriert wurde Firefox Sync, das bisher nur als Erweiterung verfügbar war. Er ermöglicht den schnellen Abgleich von Bookmarks, Passwörtern, Tabs und anderen Browser-Einstellungen unter mehreren Installationen des Browsers.

Mit zahlreichen Neuerungen in der Gecko-Engine rundet Mozilla die HTML5-Unterstützung von Firefox 4 ab. Diese erschienen den Machern gewichtig genug, um die Versionsnummer von Gecko auf 2.0 hochzusetzen. So soll ein neuer Parser Webseiten schneller einlesen und HTML5 besser verstehen, was sich zum Beispiel in Kompatibilität zu Inline-SVG niederschlägt. Nebenbei ist auch eine Reihe von Parser-Bugs verschwunden, die überwiegend bei fehlerhaftem HTML auftraten.


Im Webkabinett präsentiert Mozilla etliche Demos von Firefox' Techniken. Vergrößern
Eine der Keimzellen von HTML5 waren verbesserte Webformulare, die Client-seitige Validierung erleichtern und bei der Eingabe helfen. Vieles davon ist in Firefox 4 angekommen, zum Beispiel Formularfelder für Mail-Adressen und URLs, Platzhaltertexte oder die Verknüpfung mit Datenlisten für Comboboxen, die die Vorteile von Textfeldern und Auswahllisten verbinden.

Googles Codec-Paket WebM ist in Firefox 4 enthalten. Mit einem neuen Audio- und Video-API kann der Entwickler per JavaScript auf den Multimedia-Buffer zugreifen. Die 3D-Schnittstelle WebGL hat nach Chrome nun auch in Firefox Einzug gehalten. Sinnvoll ist sie vor allem in Verbindung mit der Hardware-Beschleunigung. Von CSS3 übernimmt Firefox diverse Neuerungen; die auffälligste dürften die Transformationen und Übergänge sein, die Verzerrungen und Animationen bei Texten und Bildern ermöglichen. In Mozillas Webkabinett lassen sich viele der neuen Techniken ausprobieren.

Erstmals enthält Firefox auch ein leistungsfähiges Entwicklerwerkzeug, die Webkonsole. Zwar gibt es für Firefox auf diesem Gebiet mächtige Erweiterungen wie Firebug, doch der Browser selbst hielt hier bisher nur die Fehlerkonsole bereit; sogar der DOM Inspector wurde mit Firefox 3 in eine Erweiterung ausgegliedert.

Ein großes Thema für die Browser-Hersteller ist der Schutz der Privatsphäre vor Tracking – nicht zuletzt wegen des Drucks der US-Handelskommission. Internet Explorer, Chrome und Firefox gehen hier unterschiedliche Wege. Mozilla verlässt sich dabei auf den guten Willen der Werbenetzbetreiber und schickt bei Bedarf mit jeder HTTP-Anfrage einen Do-not-Track-Header. Nach Ansicht des scheidenden Firefox-Entwicklungsleiters Mike Beltzner sei es wichtig, diesen Wunsch nach Privatsphäre zu kommunizieren, statt einfach nur Inhalte zu blockieren, um das Technik-Wettrüsten zu stoppen. Zugleich verwies er darauf, dass Mozilla anders als seine Mitbewerber Google und Microsoft kein eigenes Werbenetzwerk betreibe und sich daher beim Anti-Tracking in einer guten Position sehe.

Siehe dazu auch:

(heb ) / (jo) / (jk)

776 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Firefox 42 blockiert Tracker

    Firefox 42 blockiert Tracker

    Der Mozilla-Browser hat mit "Tracking Protection" jetzt einen Quasi-Werbeblocker an Bord und steht auch unter Windows 64 bereit.

  2. Mozilla Foundation lebt nicht mehr von Google, aber weiterhin von Suchmaschinendeals

    Firefox

    Laut ihrem Finanzbericht sind die Firefox-Macher der Mozilla Foundation seit Dezember 2014 nicht mehr von Google abhängig. Neue Hauptquelle der Finanzen ist nun wohl der US-Suchdeal mit Yahoo.

  3. Webbrowser Firefox 44 mit verbesserten Push-Nachrichten

    Firefox

    Version 44 des Firefox-Browsers verschickt nun auch Push-Nachrichten von Websites, die nicht geöffnet sind. Zudem haben die Entwickler die Fehlerseiten verbessert und die RC4-Unterstützung entfernt.

  4. Mozilla gibt Starthilfe für virtuelle Realität im Browser

    Mozilla gibt Starthilfe für virtuelle Realität im Browser

    Mit dem neuen JavaScript-Framework A-Frame will Mozilla den Einstieg in die Entwicklung virtueller Realität im Browser erleichtern.

  1. Interview mit Mark Mayo: Firefox erfindet sich neu

    Interview mit Mark Mayo: Firefox erfindet sich neu

    Zum Release von Version 42 des Browsers spricht Firefox-Chef Mark Mayo über den Tracking-Blocker, vergangene Fehlentscheidungen, iOS-Firefox und den bevorstehenden Total-Umbau durch das "Electrolysis"-Projekt.

  2. End-to-End-Tests mit Protractor

    GUI-Tests sind bei der Entwicklung qualitativ hochwertiger Webanwendungen eine gute Ergänzung zu Unit-Tests. Mit Protractor stellt Google ein speziell auf das AngularJS-Webframework abgestimmtes Werkzeug bereit.

  3. Dies und das – Wearables für alle

    Eine weitere Woche, eine weitere Ausgabe von "Dies und das. Diesmal gibt es Neues aus dem Hause Xamarin, jede Menge Ankündigungen in Sachen Wearables und auch sonst einige lustige Meldungen zum Tag.

  1. Offene Hotspots: Koalitionstext zum Aus der WLAN-Störerhaftung steht

    Offene Hotspots: Koalitionstext zum Aus der WLAN-Störerhaftung steht

    Mit einer Änderung des Telemediengesetzes wollen CDU/CSU und SPD festschreiben, dass die Haftungsprivilegien für Provider auch für WLAN-Anbieter gelten. Das Manko möglicher gerichtlicher Unterlassungsansprüche bleibt.

  2. Malaysia: Grenzbeamte manipulierten IT-Systeme, um Kontrollen zu sabotieren

    Malaysia: Grenzbeamte manipulierten IT-Systeme um Kontrollen zu sabotieren

    Auf zwei internationalen Flughäfen in Malaysia sollen Beamte jahrelang regelmäßig Computer zum Absturz gebracht haben, um Passkontrollen zu sabotieren. Dahinter steckten angeblich Menschenschmuggler, die von Flüchtlingen angeheuert wurden.

  3. Fahrbericht: Audi Q2 1.4 TFSI

    Mit dem gerade einmal 4,19 Meter kurzen Crossover Q2 reckt sich Audi von ganz weit unten hinauf ins Einstiegssegment der SUV. Stadtgeländewagen-Nachwuchs ist deutlich kleiner als ein BMW X1 oder Mercedes GLA, macht ein sehr ordentliches Platzangebot und bietet eine Menge Individualisierbarkeit

  4. Vanmoof: Smartbike mit ungewöhnlicher Diebstahl-Versicherung

    Vanmoof: Smartbike mit ungewöhnlicher Diebstahl-Versicherung

    Vanmoof liefert sein neues Smartbike mit einem ungewöhnlichen Versprechen aus: Sollte das Fahrrad gestohlen werden, will es das Unternehmen per Mobilfunk-Verbindung finden und dem Besitzer zurückbringen. Sollte das fehlschlagen, gibt es ein neues Rad.

Anzeige