Logo von heise online

Suche
22

USA: Justizvertreter kritisieren Googles Datenschutzpläne

Die obersten Rechtsberater von 35 US-Bundesstaaten haben Google-Chef Larry Page um ein Treffen gebeten, auf dem er die Bedenken hinsichtlich der Zusammenführung von Googles Datenschutzregeln ausräumen soll. Insgesamt 37 Attorneys General von US-Bundesstaaten, Washington D.C. und Puerto Rico unterzeichneten den Brief (PDF-Datei), in dem die Kritik an Googles Plänen erläutert wird. Die mehrheitlich direkt gewählten State Attorneys General sind nicht nur die obersten Rechtsberater der Regierungen der US-Bundesstaaten, teilweise stehen sie sogar dem Justizministerium vor.

Anzeige


Googles Erklärung der Zusammenführung Vergrößern
In dem Brief an Larry Page drücken die Attorneys General ihre starken Bedenken hinsichtlich Googles neuer Datenschutzregeln aus und nennen dafür mehrere Gründe. So würden die Regeln in die Privatsphäre eindringen, indem sie Daten zusammenführen, die die Nutzer eventuell getrennt lassen möchten. Sollten die Nutzer damit nicht einverstanden sein, müssten sie auf Angebote von Google verzichten, was vor allem auch für Unternehmen kostspielig werden könnte. Das würde auch für Behörden gelten, bei denen die Umstellung Steuergelder kosten würde.

Noch problematischer sei es für Nutzer von Android, dem Eindringen in die Privatsphäre zu entkommen. Ohne Zweifel hätten viele von ihnen ihr Smartphone im Vertrauen auf die bestehenden Datenschutzbestimmungen gekauft. Darin hatte Google zugesagt, man werde die Kundenrechte nicht ohne die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer verringern. Seien sie aber mit der angekündigten Änderung nicht einverstanden, bliebe ihnen nur der Kauf eines neuen Smartphones. Außerdem warnen die Juristen noch, dass durch die Zusammenführung viel mehr Nutzerdaten der Gefahr eines Hackerangriffs ausgesetzt würden. Jedes künftige Datenleck berge angesichts der zusammengeführten Datenbank deutlich höhere Risiken.

Nach Meinung der Attorneys General habe Google zwar Anstrengungen unternommen, Volksvertreter und die Öffentlichkeit über die Zusammenführung zu informieren, aber dabei seien genauso viele neue Fragen aufgekommen, wie beantwortet worden seien. Unglücklicherweise habe Google nicht nur darauf verzichtet, einzelne Zustimmungen (Opt-in) zu ermöglichen, sondern auch auf eine sinnvolle Ablehnungsmöglichkeit (Opt-out).

Aus all diesen Gründen fordern sie von Google eine Antwort bis zum 29. Februar. Begrüßt wurde diese Initiative von US-Verbraucherschützern, die zur gleichen Zeit auf anderen Wegen gegen Googles Pläne vorgehen. Nach einer Klage von EPIC hat nun beispielsweise das Center for Digital Democracy (CDD) Beschwerde direkt bei der Regulierungsbehörde FTC eingelegt. Ihrer Meinung nach widerspricht die Zusammenführung dem Verhaltenskodex, der Google im Oktober 2011 von der FTC auferlegt wurde. (mho)

22 Kommentare

Themen:

  1. US-Handelsaufsicht nimmt Scanner-Patent-Troll an die Kandare

    US-Handelsaufsicht nimmt Scanner-Patent-Troll an die Kandare

    Die US-Lizenzierungsfirma MPHJ hat sich mit der der Federal Trade Commission (FTC) darauf geeinigt, dass sie sich nicht falsch oder haltlos über ihre Schutzrechte zum Scannen im Netzwerk mehr äußert.

  2. Auch Microsoft durchsucht Mail-Konten nach Kinderpornografie

    Auf dem OneCloud-Konto eines Mannes wurde ein Foto eines jungen Mädchens gefunden. Der Mann soll zudem versucht haben, zwei illegale Fotos per E-Mail über einen Microsoft-Dienst zu verschicken.

  3. FTC bestraft flapsige App-Sicherheit

    Die Hersteller der Apps Fandango und Credit Karma haben sich dazu verpflichtet, regelmäßig unabhängige Sicherheitsprüfungen durchführen und neue Sicherheitsvorkehrungen einzurichten. Beide Apps hatten SSL-Zertifikate nicht richtig überprüft.

  1. Google fährt autonom durch Nevada

    Die Zulassungsbehörde des US-Bundesstaats Nevada (Department of Motor Vehicles) hat die ersten autonomen Fahrzeuge für die Straßen zugelassen. Die Lizenz an Google ist damit die erste in den Vereinigten Staaten

  2. Open Technology Institute: "Es ist Zeit, Obama zur Rechenschaft zu ziehen"

    "Was die Obama-Regierung erreicht hat ist im Vergleich zu ihren Wahlversprechen 2008| jämmerlich inadäquat, nach ihren eigenen Kriterien." Meinrath leitet das Open Technology Institute der New America Foundation in Washington, DC. Seine Organisation ist unter anderem für das "Internet aus dem Koffer" bekannt.

  3. Google angeblich an Übernahme von Acer interessiert

    Hat Google-Chef Larry Page ein Auge auf Acer geworfen?

    Klar, wer nur hin und wieder ein Glas Milch trinken will, wäre schön blöd, wenn er sich eine Kuh kauft. Anders sieht es bei jemandem aus, der einen enormen Milchverbrauch hat, welcher auch noch ständig wächst. Da würde die Anschaffung einer Kuh durchaus Sinn machen. So, und jetzt ersetzen Sie "jemand" durch Google, "Milch" durch Hardware und "Kuh" durch Acer.

  1. Video: Apple Watch ausgepackt und eingerichtet

    Video: Apple Watch ausgepackt und eingerichtet

    Am Freitagmorgen hat die Mac & i-Redaktion ihre ganz normal bestellte Apple Watch erhalten, ausgepackt und installiert.

  2. Debian 8 Jessie mit Systemd und aktualisiertem Kernel

    Debian 8 Jessie mit Systemd und aktualisiertem Kernel

    Trotz Turbulenzen hat das Debian-Projekt das neue Stable Release in nur zwei Jahren fertiggestellt. Systemd hat SysV-Init als Standard-Init-Dienst abgelöst und ein für Debian-verhältnisse junger Kernel sorgt für gute Hardware-Unterstützung

  3. nachgehakt: Was kann man von 150-Euro-Smartphones erwarten?

    Neue Smartphones bekommt man inzwischen schon für unter 150 Euro – sogar mit Quad-Core-CPU, guten Displays und LTE oder Dual-SIM. Wir haben bei Hannes Czerulla nachgefragt, was die Geräte taugen und welche Fallstricke es gibt.

  4. Google Cardboard: Die Virtual-Reality-Brille aus Pappe

    Ein Pappkarton, zwei Linsen, Klettverschlüsse und ein NFC-Tag: Das ist Google Cardboard.

    Teilnehmer der Google I/O dürfen sich normalerweise über brandneue Hardware als Giveaway freuen (die gabs auch), doch als Sundar Pichai ihnen "Cardboard" (Pappkarton) präsentierte, staunten einige nicht schlecht. Die Inspiration kam aus Deutschland.

Anzeige