Logo von heise online

Suche
Holger Bleich 617

Tatort-Autoren werfen "Netzgemeinde" Demagogie vor

In der Debatte um eine Modernisierung des Urheberrechts melden sich neben den Rechterverwertern zunehmend auch die Urheber selbst zu Wort. Heute haben sich 51 Drehbuchautoren der ARD-Krimireihe Tatort mit einem offenen Brief Gehör verschafft. Das Schreiben richte sich "an die Abgeordneten der relevanten Fachausschüsse und der Enquete-Kommission des Bundestages, insbesondere an die Grünen und die Linke, aber auch an den Bundesvorstand der Piraten und die schwer greifbare, aber im Schutz ihrer Anonymität polternde Netzgemeinde", teilte der Verband Deutscher Drehbuchautoren mit.

In dem "Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!" überschriebenen Text werfen die Autoren den Adressaten vor, "Lebenslügen" zu pflegen. Es sei eine "demagogische Suggestion" zu behaupten, es gäbe keinen freien Zugang zu Kunst und Kultur. In der Folge würden ebenso demagogisch die Begriffe "frei" und "kostenfrei" gleichgesetzt. Grünen, Piraten, Linke und Netzgemeinde jazzten Urheberrechtsverstöße zu Freiheitsakten hoch, die Grundrechte der Urheber und Rechteinhaber würden dagegen marginalisert.

"Google, Youtube und die anderen Internetserviceprovider verdienten "sich dumm und dämlich daran", illegale Kontakte zu vermitteln und damit "den kriminellen Modellen wie kino.to, Megaupload, Pirate Bay etc. überhaupt zum Erfolg zu verhelfen", schreiben die Tatort-Autoren. Dennoch sei "für die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien der große Übeltäter die Verwertungsindustrie: Sony, Universal, Bertelsmann und, ganz wichtig, natürlich die GEMA und die anderen Verwertungsgesellschaften. Das sind in ihren Augen die Blutsauger, die sollen die Zeche zahlen".

Trotz der vielen hart formulierten Vorwürfe bieten die Autoren den Adressaten am Ende des Briefs "konstruktive Gespräche über den anstehenden historischen Kompromiss zwischen Urhebern und Usern" an. Man wolle einen Dialog mit "der Netzgemeinde" in Gang setzen, erklärte dazu auch der Verband Deutscher Drehbuchautoren. "Die schwarz-gelbe Regierung, die den Urhebern im Koalitionsvertrag noch einen besseren Schutz der kreativen Leistungen im Internet versprochen hatte, hat offenbar ihre Bemühungen mehr oder minder eingestellt, insbesondere das Justizministerium", beklagte der Verband.

Erst jüngst war Musiker und Romanautor Sven Regener für die Urheberrechtsinhaber in die Bresche gesprungen. In einem hörenswerten und viel diskutierten Interview mit dem "Zündfunk" (Bayerischer-Rundfunk) platzte ihm die Hutschnur, er redete sich in einem Fünf-Minuten-Monolog gegen die "Kostenlos-Mentalität" in Rage. Google und Youtube hätten nichts zu bieten, außer dem, was andere Leute geschaffen haben. Da würden Milliardengeschäfte gemacht, aber die Urheber bekämen nichts davon ab. Ein Geschäftsmodell aber, das darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, "ist Scheiße".

Siehe dazu auch:

(hob)

617 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. re:publica 15: Die Netzgemeinde in der Mitte der Gesellschaft

    re:publica 15:  Die Netzgemeinde in der Mitte der Gesellschaft

    Zwar streikte die Bahn, doch die "liebe Netzgemeinde" telebustierte sich umgehend nach Berlin: Am ersten Tag der re:publica mit 6000 Teilnehmern beschäftigte sie sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von Netzpolitik.

  2. Studie zeigt Sicherheits- und Datenschutzrisiken von Kurz-URLs

    Onlinespeicher Dropbox

    Die beliebten Kurz-URLs von Google und Co. können leicht zum Ausspionieren persönlicher Daten und fürs Verbreiten von Schadsoftware über Cloud-Dienste genutzt werden, berichten US-Forscher.

  3. re:publica 2015: Die digitale Gesellschaft auf der Suche nach Europa

    re:publica 2015: Die digitale Gesellschaft auf der Suche nach Europa

    Die Netzkonferenz re:publica Anfang Mai in Berlin steht dieses Jahr unter dem Motto "Finding Europe" und soll vor allem bunt werden. Nun erschien der Zeitplan mit 300 Stunden Programm für tausende Besucher.

  4. Was war. Was wird. Von freien Piraten und anderen Fallstricken.

    Moskstraumen, Mahlstrom

    Deutschland im Herbst, bleierne Zeit. Aber anders als in den 70er Jahren, wohl aber genauso deprimierend, meint Hal Faber. Sinnlos, sich gegen den Mahlstrom der Zeit zu wehren? Ach was! Wo bleibt denn da das Positive?

  1. Video-Sprechstunde zum Thema Fotorecht

    Video-Sprechstunde zum Thema Fotorecht

    Zuschauer fragen – der Präsident des Deutschen Verbands für Fotografie (DVF), Rechtsanwalt Wolfgang Rau antwortet! Ein Thema heute: die neuen Facebook-AGBs.

  2. c't uplink 4.0: Rosetta, robuste Tablets, interaktive Sprachkurse

    Diese Woche in c't uplink: Die Kometen-Mission der ESA und hartgesottene Windows-Tablets. Außerdem haben wir interaktive Sprachkurse getestet.

  3. nachgehakt: Die Mail-Flut beherrschen

    nachgehakt: Die Mail-Flut beherrschen

    Die Nachrichten mitteilsamer Kollegen, Protokolle, Newsletter und Werbung verstopfen den Posteingang. Mit (Selbst-)Organisation, Add-ons und Tipps bewältigen Sie die Mail-Flut.

  1. Künstliche Intelligenz: Datengrundlage für Bilderkennung klischeebehaftet

    Künstliche Intelligenz: Datengrundlage für Bilderkennung befördert Klischees

    Damit Computer Bildinhalte erkennen können, müssen sie vorher ausgiebig an speziellen Trainingsdaten üben. Die umfassen aber keineswegs nur neutrale Bildbeschreibungen, sondern können Stereotypen transportieren und an die Software weitergeben.

  2. Tipps und Tricks zu Siri

    Nur wenige Nutzer verwenden die Sprachassistentin regelmäßig, denn ihr Potenzial ist kaum bekannt. Wir zeigen, was Siri alles kann und wie man sie optimal konfiguriert und nutzt.

  3. BSI warnt vor E-Zigaretten: "Rauchen schadet auch Ihrem Computer"

    USB Stick

    Anlässlich des Weltnichtrauchertages macht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf mögliche Infektionen mit Schadsoftware durch E-Zigaretten aufmerksam. Sie könnten nicht nur der Gesundheit ihrer Besitzer schaden.

  4. Asus Transformer 3: Surface-Konkurrenz und Kaby-Lake-CPU

    Asus Transformer 3 (Pro): Surface-Pro-Konkurrenz und Kaby-Lake-CPU

    Drei Windows-Tablets mit Tastatur zeigt Asus auf der Computex und mischt damit kräftig bei den Surface-Klonen mit. Das Transformer 3 kommt schon mit Kaby-Lake-CPU, der überarbeiteten siebten Core-Generation von Intel.

Anzeige