Logo von heise online

Suche
313

Startschuss für Intels "Sandy Bridge"-Prozessoren

Die-Shot Sandy Bridge
Alle LGA1155-Prozessoren enthalten Grafikkerne
Bild: Intel
Heute startet Intels neue "Sandy Bridge"-Generation von Prozessoren für Desktop-PCs und Notebooks. Die CPU-Baureihen Core i3-2000, Core i5-2000 und Core i7-2000 lösen Core i3-500, Core i5-600, Core i5-700 und Core i7-800 ab – also die meistverkaufte Mittelklasse. Eine Pentium-Familie und sogar wieder einige Celerons mit Sandy-Bridge-Innenleben sollen später erscheinen. Alle neuen Prozessoren enthalten integrierte GPUs, die neue "Prozessorgrafik" nennt Intel HD 3000 (12 Execution Units) oder HD 2000 (6 EUs). Der Grafikprozessor und der schnelle HD-Video-Transcoder (QuickSync Video) schalten sich aber ab, sobald eine PCIe-Grafikkarte eingebaut wird, und sind auf Mainboards mit dem Chipsatz P67 nicht nutzbar. Die neuen Prozessoren laufen nicht auf den älteren LGA1156-Mainboards, sondern nur auf LGA1155-Boards mit Chipsätzen der Serie 6 (Cougar Point). Umgekehrt passen LGA1156-Prozessoren nicht in die LGA1155-Fassung.

Zwar trommelt Intel schon seit Monaten für die neuen Prozessoren und bestätigte nun im Wesentlichen die längst bekannten Informationen zu den lieferbaren Produkten für Desktop-PCs und Notebooks sowie zu deren Preisen. Doch einige wichtige Details hat sich Intel für den offiziellen Starttermin anlässlich der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas aufgehoben. So gibt es für Notebooks nun die unter dem Codenamen Soda Creek entwickelten Mini-SSDs der Serie 310, die mit ihrem mSATA-Anschluss wie PCI Express Mini Cards aussehen. Sie erleichtern in Notebooks die bei Desktop-PCs wegen der hohen SSD-Preise beliebte Tandem-Konfiguration aus schneller, aber "kleiner" SSD plus billiger Magnetfestplatte.

Anzeige

Auch die Serie-6-Chipsätze P67, H67 und Q67 für Desktop-PC-Mainboards sowie PM67, HM67, HM65, UM67, QM67 und QS67 für Notebooks besitzen die vorab erwarteten technischen Eigenschaften: PCI Express 2.0 nun auch an den PCIe-x1-Ports, zwei SATA-6G- plus 4 SATA-II-Ports, aber noch immer kein USB 3.0 und bei P67/H67 auch kein PCI mehr. Für billigere Mainboards kommen noch H61 und B65.


In die CPU-Fassung LGA1155 passen nur die neuen Intel-Prozessoren. Vergrößern
Über die Performance der neuen Prozessoren sind bisher erst wenige Aussagen möglich, weil Intel der Presse zunächst nur zwei der teuersten Quad-Cores zur Verfügung stellte. Beide gehören zu den leicht übertaktbaren "K"-Typen und enthalten als einzige unter den Desktop-PC-CPUs die stärkere HD-3000-Grafik. Während auch alle Mobilprozessoren mit HD 3000 kommen, steckt in den anderen Desktop-PC-Chips nur die HD 2000. Die HD-3000-GPU ist deutlich schneller als alle bisherigen Onboard-GPUs und kommt von der Performance her an 40-Euro-Grafikkarten wie die AMD Radeon HD 5450 heran. Sie ist aber langsamer als eine Nvidia GeForce GT 220.

Die neuen Prozessoren übertakten sowohl ihre CPU-Kerne als auch die GPU bei Bedarf; Turbo Boost Technology 2.0 (TBT 2.0) kann nun kurzzeitig sämtliche CPU-Kerne übertakten, auch wenn der Prozessor dann die spezifizierte Thermal Design Power (TDP) überschreitet. Je nach vorheriger Auslastung reizt der Prozessor so die Wärmekapazität des Kühlsystems bis zu etwa 25 Sekunden lang aus – das beschleunigt manche Anwendungen sowie auch Benchmarks mit kurzer Laufzeit.

Das neue LGA1155-Flaggschiff Core i7-2600K (3,4/3,8 GHz, 8 MByte L3-Cache, Hyper-Threading) räumt eine Reihe von Benchmark-Rekorden ab; nur mit Software, die sämtliche CPU-Kerne auslastet, sind Intels teure Hexa-Cores ab Core i7-970 in wenigen Disziplinen schneller. Den Core i5-2500K (3,3/3,7 GHz, 6 MByte L3-Cache, ohne Hyper-Threading) verkauft Intel nicht viel teurer als den aktuellen Core i5-760, aber der Neuling ist deutlich leistungsfähiger. Mit angepasster Software rechnen die Sandy-Bridge-CPUs noch schneller: Unter Windows 7 mit Service Pack 1 können Programme die Befehlssatzerweiterung AVX nutzen, welche 256-Bit-Datenpakete verarbeitet und damit theoretisch die doppelte Performance von SSE (128 Bit) liefert; Intel verspricht im hoch optimierten Linpack 86 Prozent mehr Rechenleistung. In den teureren Sandy-Bridge-Prozessoren ist die Befehlssatzerweiterung AES-NI für kryptografische Berechnungen nutzbar, von der Programme wie WinZip 14, 7-Zip 9.2 oder TrueCrypt 7 profitieren.

Wie bisher, schaltet Intel Trusted Execution Technology (TXT, mit TPM), die I/O-Virtualisierung VT-d und die Fernwartungsfunktionen AMT inklusive Remote KVM nur bei bestimmten Prozessoren in Verbindung mit den vPro-Chipsätzen Q67, QM67 und QS67 frei. Letzterer steckt in einem besonders kleinen Gehäuse für schlanke Notebooks. AVX wiederum wird den Pentiums fehlen. [Update:] Auch bei manchen P67-Mainboards ist VT-d nutzbar, etwa bei Intels DP67BG. [/Update]


Optisch unterscheiden sich LGA1155- und LGA1156-Boards kaum. Vergrößern
Bild: Intel
Zu den Neuerungen der Sandy-Bridge-Grafik gehört HDMI 1.4: Die Prozessoren decodieren stereoskopische 3D-Videos von Blu-ray Discs mit geringer CPU-Last und geben sie per HDMI an TV-Geräte aus, allerdings wohl mit 24,0 Bildern pro Sekunde und nicht spezifikationstreu mit 23,976 fps. Die stereoskopische 120-Hertz-Ausgabe von 3D-Spielen auf Dual-Link-DVI-Displays ist unmöglich – dazu wäre die GPU einerseits zu schwach, andererseits unterstützen die Grafik-Ports nur noch Single-Link-Verbindungen. Für hochauflösende Displays ist der DisplayPort (DP) vorgesehen.

Praktisch alle Mainboard-Hersteller haben bereits LGA1155-Boards angekündigt, darunter viele mit USB-3.0-Adapterchips. In unseren Test mit den Intel-Boards DP67BG (Burrage) und DH67BL (Bearup Lake) erreichten diese zwar 197 MByte/s beim Lesen per USB 3.0 Superspeed, aber nur etwa die Hälfte beim Schreiben. Mehr Mainboards als bisher ermöglichen das Booten von Betriebssystemen via UEFI; nur so lässt sich Windows 7 x64 auf GPT-verwalteten Festplatten mit mehr als 2 TByte Kapazität installieren. Intels SATA-AHCI- und RAID-Treiber Rapid Storage Technology (RST) soll ab der Version 10.1 mit 3-TByte-Laufwerken umgehen können und ab 10.5 mit RAIDs hoher Kapazität.

Neu ist auch die Unterstützung für (ungepufferte) Speichermodule mit DDR3-SDRAMs, die jeweils 4 Gigabit speichern: Damit werden 8-GByte-UDIMMs wie das Samsung M391B1G73AH0 möglich und insgesamt bis zu 32 GByte Hauptspeicher.

Mehr Informationen zu den Sandy-Bridge-Prozessoren liefert c't 3/11, die ab 17. Januar am Kiosk oder auf dem iPad erhältlich ist. (ciw)

313 Kommentare

Themen:

  1. Intel: DDR4-PCs noch 2014, mehr Übertakter-Prozessoren

    MSI Gaming 5 mit m.2-Slot

    Intel will wachstumsträchtige PC-Bauformen besser bedienen: Außer Mini- und All-in-One-PCs sind das angeblich schnelle Gaming-Rechner. Im Herbst kommt dafür ein Octo-Core, vorher schon ein Übertakter-Pentium und dazwischen verbesserte K-Typen.

  2. Video-Transcoder jetzt in manchen Celerons und Pentiums nutzbar

    Quick Sync Video funktioniert jetzt auch mit einigen Celerons und Pentiums.

    Der Hardware-Beschleuniger Quick Sync Video funktioniert nicht mehr bloß in Core- und einigen Atom-CPUs, sondern mit dem jüngsten Windows-Treiber auch in billigeren Haswell-Chips - leider nicht in allen.

  3. Prozessoren: Intel verkauft Übertakter-Quadcore mit 4 GHz ab 14. Juni

    Intel Core i7-4790 Haswell Refresh

    In den letzten Wochen hat Intel mit den "Haswell Refresh"-Typen leicht überarbeitete LGA1150-Prozessoren auf den Markt gebracht. Beim Core i7-4790K legt Intel aber eine Schippe drauf.

  1. CPUs: Ivy Bridge startet mit Allokation

    Die ersten Ivy-Bridge-CPUs sind in der Distribution angekommen. Bis auf weiteres wird es aber nur geringe Stückzahlen geben. Trotz der noch hohen Preise herrscht von Anwenderseite bereits reges Interesse an den neuen Intel-Chips. AMD reagiert mit einer Preissenkung seines Bulldozer-Flaggschiffs.

  2. Immobilien-Beratung

    Beim Rechnerkauf möchte man keinen lahmen Krachmacher erwischen, aber auch nicht für Schnickschnack draufzahlen. Unser Leitfaden erklärt die aktuellen PC-Plattformen und liefert Ratschläge zur Ausstattung sowie Bauvorschläge für leise, effiziente Systeme.

  3. Frühstart

    Mit der vierten Core-i-Generation legt Intel bei Grafik-, Integer- und Vektorperformance eine Schippe drauf, führt eine neue Fassung ein und pocht auf Geheimhaltung. Wir konnten trotzdem schon einen Core i7-4770 ergattern und testen.

  1. c't uplink 5.0: Windows 10, Das kommt 2015, Yotaphone 2, Nexus 6

    c't uplink 5.0: Windows 10, Das kommt 2015, Yotaphone 2, Nexus 6

    In c't uplink diskutieren wir in dieser Woche die Neuigkeiten zu Windows 10 und der Holobrille HoloLens von Microsoft. Außerdem sprechen wir über die Trends, die uns dieses Jahr erwarten und ganz konkret einige der aktuellsten Smartphones.

  2. Kodi Entertainment Center auf Raspberry Pi 1 & 2

    Schon der Raspi 1 taugte als günstiges Media Center – mit kleinen Einschränkungen. Die vier CPU-Kerne des Raspi 2 B merzen diese aus.

  3. New York International Autoshow 2015: Big Apple News

    New York  International Auto Show

    Viele Hersteller zeigen ihre wichtigsten Premieren in diesem Jahr auf den Messen in Genf oder Frankfurt. Die altehrwürdige Automesse in New York leidet darunter etwas. Wir haben die interessantesten Neuheiten von dort zusammengetragen

  4. Hannover Messe: Spritzgussformen aus dem 3D-Drucker

    Hannover Messe: Spritzgussformen aus dem 3D-Drucker

    3D-Drucker ist nicht gleich 3D-Drucker. So werden auf der Hannover Messe unterschiedliche Modelle und Techniken präsentiert, mit denen beispielsweise Spritzgusswerkzeugformen gedruckt werden können.

Anzeige