Logo von heise online

Suche
Ben Schwan 435

Sammelklage wegen Apples "Locationgate"

Die "Locationgate"-Affäre zieht weitere Kreise: Nachdem sich über Ostern Datenschützer aus Deutschland, Italien und Frankreich und mittlerweile auch Südkorea kritisch zu dem Vorfall geäußert haben, wächst nun auch der Druck auf Apple in den USA, endlich Stellung zur bislang unerklärten Dauerspeicherung von Ortsdaten in iPhone und iPad 3G zu beziehen. Wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg meldet, reichten Vikram Ajjampur, ein iPhone-User aus Florida, und William Devito, iPad-Besitzer aus New York bei einem Bundesgericht in Tampa eine Sammelklage gegen Apple ein. Sie verlangten von dem zuständigen Richter, Apple das Sammeln von Daten zu untersagen. Klägeranwalt Aaron Mayer sagte, seine Mandanten wollten nicht hinnehmen, dass Apple seine Nutzer "quasi überall verfolge". "Wenn man ein US-Marshall ist, benötigt man für so etwas eine richterliche Genehmigung. Apple macht das ohne."

Anzeige

Druck kommt mittlerweile auch aus der US-Politik. Lisa Madigan, Attorney General von Illinois, schrieb Apple und Google einen Brief, sich doch bitte persönlich zu der Speicherung von Ortsdaten zu äußern. "Ich will wissen, welche Daten Sie erfassen", schreibt Madigan in ihrer Einladung zur Stellungnahme. Zuvor hatten schon der US-Senator Al Franken und der US-Abgeordnete Ed Markey Apple aufgefordert, Stellung zu nehmen. Mittlerweile wurden sowohl Apple als auch Google zu einem Hearing am 10. Mai eingeladen, das vor einem Justiz-Unterausschuss des Senats stattfinden soll.

Von Apple selbst fehlt zur "Locationgate"-Affäre nach wie vor jeglicher Kommentar. Allerdings soll Firmenchef Steve Jobs sich laut einem Bericht von MacRumors gegenüber einem Kunden geäußert haben. Auf die Frage, warum iPhones die Nutzer "tracken", Android-Geräte aber nicht, antwortete Jobs wie üblich kurz angebunden, auch Google speichere Ortsdaten. "Wir tracken [dagegen] niemanden. Die Informationen, die zirkulieren, sind falsch." Ob die Jobs-E-Mail echt ist, lässt sich nicht sagen, allerdings ist bekannt, dass der Apple-Chef Kundenanfragen in unregelmäßigen Abständen beantwortet, selbst wenn die PR-Abteilung des Computerkonzerns offiziell schweigt.

Viele Fragen gibt es nach wie vor über die Art der Ortsdatensammlung, die Apple in einer Datei namens "consolidated.db" vornimmt. So ist unklar, wie genau die Informationen sind und ob sie nicht vor allem dem Anlegen einer Geodatenbank dienen, über die Nutzern später eine verbesserte Navigationsfunktion zur Verfügung gestellt werden soll. Tatsächlich hatte sich Apple bereits im vergangenen Jahr gegenüber zwei US-Abgeordneten entsprechend geäußert. Warum die unverschlüsselt angelegte Datenbank nicht regelmäßig geleert wird, erklärt dies allerdings nicht. Blogger John Gruber, der Apple-seitig als gut vernetzt gilt, äußerte die Theorie, es handele sich schlicht um eine Nachlässigkeit. "Ich wette, dies wird im nächsten iOS-Update behoben."

Das Wall Street Journal führte unterdessen eine Untersuchung durch, ob "consolidated.db" auch dann beschrieben wird, wenn die ortsbasierten Dienste in iOS vom Nutzer abgeschaltet wurden. Das Ergebnis: Auch dann noch finden sich neue Einträge in der Datenbank. Ein Kurztest durch Mac & i konnte dies allerdings zunächst nicht nachvollziehen; jedoch ist nach wie vor nicht bekannt, wann konkret das Schreiben neuer Daten in "consolidated.db" ausgelöst wird. (bsc)

435 Kommentare

Themen:

  1. Apples Fernsehdienst startet angeblich im Herbst

    Apples Fernsehdienst startet angeblich im Herbst

    Einem Zeitungsbericht zufolge plant der iPhone-Hersteller ein Angebot aus rund 25 TV-Sendern, die über iOS-Geräte verbreitet werden. Die USA machen den Anfang.

  2. Tipp für iOS 8: "Letzter Standort" hilft bei verlorenem iPhone

    Neu in iOS 8: Das iPhone übermittelt bei niedrigem Akkustand den letzten Aufenthaltsort auf Wunsch automatisch

    Kurz bevor der Akku leer ist, können iOS-Geräte ihren Standort jetzt automatisch an Apples “Mein iPhone suchen”-Dienst schicken. Die Funktion muss erst aktiviert werden.

  3. Bericht: "Wearable"-Gerät von Apple am 9. September

    "iWatch"-Konzeptdarstellung von Gábor Balogh.

    Neben der neuen Generation des iPhone soll der Konzern in der übernächsten Generation auch die Vorstellung einer neuen, am Körper zu tragenden Hardware planen. Über eine "iWatch" wird seit längerem spekuliert.

  1. iBeacons statt NFC

    Apples iBeacon-Dienst navigiert iOS-7-Nutzer durch Räume und schickt passende Informationen auf deren Geräte. Zusammen mit einem mobilen Bezahlsystem könnte die auf Bluetooth LE aufsetzende Technik nicht nur unser Einkaufsverhalten revolutionieren.

  2. GM kündigt Siri-Integration in zwei Chevrolet-Modellen an

    Zwei Chevrolet-Kleinwagenmodelle sollen ab Anfang 2013 den Fahrzeugmodus der iPhone-Sprachassistentin Siri unterstützen. Auch bei Opel ist die Siri-Integration in Planung

  3. Steve Jobs lebt weiter – im Patentamt

    Steve Jobs

    Apple-Beobachter fürchteten, nach dem Tod des Gründers habe das Unternehmen keine große Zukunft mehr vor sich. Doch es befinden sich noch mehrere in seinem Namen angemeldete Patente in der Prüfung. Wie bedeutend die überhaupt sind, darüber lässt sich streiten.

  1. JetBrains ändert Vertriebsmodell

    JetBrains ändert Vertriebsmodell

    Wie schon Microsoft und Adobe zuvor will der Tool-Anbieter JetBrains Werkzeuge wie IntelliJ IDEA, CLion, WebStorm und ReSharper nur noch im Abo vertreiben. Erste Reaktionen zeigen wenig Verständnis.

  2. Grenzüberschreitung

    In der neuen Analyse des ICCT zeigt sich, dass bei der Abgasreinigung nicht nur die eingesetzte Technik, sondern auch deren Abstimmung zählt. So unterbot ein BMW den Grenzwert für Stickoxide um 70 Prozent. Das schlechteste Auto überbot das Limit im WLTC um das über 14-fache

  3. Bären-Tour

    UAZ

    Die Minibusse der „Uljanowski Awtomobilny Sawod“ (UAZ) sind veraltet, unbequem und ständig kaputt - und in der Mongolei dennoch äußerst beliebt. Wir haben uns für eine Gobi-Durchquerung den UAZ-Bussen anvertraut

  4. Schwarzbrenner

    Fahrbericht Volvo V70 D4

    Der Volvo V70 hat kurz vor dem Modellwechsel einen modernen Vierzylinder-Diesel mit 181 PS bekommen. Ganz neu ist das Sondermodell "Black Edition" mit serienmäßigem Sportfahrwerk. Wie fährt sich der schwere Kombi in dieser Kombination?

Anzeige