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Volker Briegleb 167

Nokias Gewinn bricht ein

Mit einem überraschend starken Gewinneinbruch hat der Handyhersteller Nokia die Finanzexperten überrascht, konnte die zunächst heftig reagierende Börse mit einem zuversichtlichen Ausblick wieder etwas versöhnen. Um ein Drittel brach der Gewinn der Finnen im abgelaufenen Quartal ein, das Unternehmen macht dafür den Verfall der Handypreise und ungünstige Wechselkurse verantwortlich. Die Märkte, auf denen sich noch teure – also gewinnträchtige – Handys verkaufen lassen, werden immer satter, Wachstum gibt es nur noch in den Schwellenländern. Das drückt auf die Margen des Kerngeschäfts, von dem sich Nokia mit stärkeren Servicegeschäften unabhängiger machen will.

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Der Nettogewinn des finnischen Weltkonzerns brach im dritten Quartal des Geschäftsjahres um ein Drittel auf 1,09 Milliarden Euro ein, wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag mitteilte. Im Vorjahresquartal hatte Nokia noch 1,56 Milliarden Euro verdient. Den Gewinn pro Aktie weist das Unternehmen mit 0,29 Euro aus, verglichen mit 0,40 Euro im Vorjahresquartal. Analysten hatten mit 0,31 Euro gerechnet. Der Umsatz ging im Vergleichszeitraum von 12,9 Milliarden Euro um 5 Prozent auf 12,24 Milliarden Euro zurück, wofür Nokia den starken Euro verantwortlich macht. Der Weltmarktführer verlor wie angekündigt Marktanteile, doch noch immer kommen geschätzte 38 Prozent aller weltweit verkauften Handys von den Finnen. Der durchschnittliche Handyverkaufspreis sank weiter auf 72 Euro, im zweiten Quartal des Jahres hatte er noch 74 Euro betragen.

Starker Euro, schwacher US-Dollar sowie sinkende Marktanteile und Preise – dieser Cocktail verhagelt den sonst erfolgsverwöhnten Finnen das so wichtige Handygeschäft. Doch wird auch die aktuelle Krise der Finanzmärkte nicht spurlos an der Handybranche vorbeiziehen. Die Finanzkrise sei "eine Realität", die sich "definitiv" auch in den Zahlen des dritten Quartals niedergeschlagen habe, sagte Nokias CEO Olli-Pekka Kallasvuo in einem Fernseh-Interview. So ging der Handyabsatz in Europa (minus 5,5 Prozent) und Nordamerika (minus 16,7 Prozent) im Jahresvergleich deutlich zurück. Noch kann die Branche die wachsende Konsumzurückhaltung in der ersten Welt auf den Wachstumsmärkten der dritten und der Schwellenländer kompensieren.

So wächst der weltweite Handymarkt zwar weiter – Nokia schätzt, dass die Zahl der weltweit verkauften Handys im Jahr 2008 von zuvor 1,14 auf 1,26 Milliarden Stück wächst – doch kann der Marktführer davon nur noch eingeschränkt profitieren. Auf den Wachstumsmärkten in Asien sehen sich die Finnen starker Konkurrenz lokaler Billiganbieter ausgesetzt. Insgesamt 117,8 Millionen Handys hat Nokia im vergangenen Quartal verkauft. Das sind noch 5 Prozent mehr als im Vorjahr, allerdings werden die höheren Stückzahlen vom sinkenden Durchschnittspreis egalisiert. Im Vergleich mit dem zweiten Quartal 2008 ging der Absatz um 3 Prozent zurück. Kallasvuo sieht sein Unternehmen gerüstet, um die Marktposition auszubauen. Für das kommende Quartal rechnet Nokia mit einem wachsenden Gesamtmarkt und einem stabilen Marktanteil.

Während Nokias Kerngeschäft erste Anzeichen von Schwäche zeigt, hat sich das bisherige Sorgenkind, die Netzwerksparte Nokia Siemens Networks, in den Augen der Analysten besser entwickelt als erwartet. Der Umsatz der Sparte sank im Quartal um 5 Prozent von 3,7 auf 3,5 Milliarden Euro. Die Restrukturierung der Sparte trägt offenbar Früchte, der operative Verlust konnte von 120 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 1 Million Euro eingedämmt werden. Die operative Marge verbesserte sich von minus 3,3 auf nunmehr 0 Prozent. Bis zum Ende des Geschäftsjahres will Nokia in dem gemeinsam mit Siemens betriebenen Tochterunternehmen Einsparungen in Höhe von 2 Milliarden Euro realisiert haben. Die Netzwerksparte habe eine Reihe von Aufträgen für Netzwerkmoderniserung und -erweiterung erhalten, teilte der Konzern mit.

Dem sich abschwächenden Wachstum beim Handyverkauf will Nokia mit einem stärkeren Engagement im Servicegeschäft begegnen. Dazu gehören die Netz-Plattform Ovi, die jüngst ein Upgrade erfahren hat, sowie der Verkauf digitaler Inhalte wie etwa Spiele oder Musik. Mit dem Musik-Handy Comes With Music, das gerade erstmals in Großbritannien auf den Markt gekommen ist, probieren die Finnen ein neues Vertriebsmodell aus. Bisher sind die Bemühungen im Servicegeschäft nicht von großem Erfolg gekrönt, Nokia begibt sich hier in Konkurrenz mit etablierten Anbietern und Systemen. Im abgeschlossenen Quartal setzte der Handyhersteller 115 Millionen Euro mit Diensten und Software um.

Neu in der Bilanz führt Nokia die im Sommer übernommene Navigationstochter Navteq, die mit 156 Millionen Euro Umsatz und einem operativen Verlust von 80 Millionen Euro zum Gesamtergebnis beiträgt. Im Quartalsbericht bekommt auch die Einigung im jahrelangen Patentstreit mit Qualcomm ein Preisschild: 1,7 Milliarden Euro lassen sich die Finnen das Patentabkommen mit dem streitbaren Chiphersteller kosten. Nach zunächst heftigen Kursausschlägen notierte die Aktie von Nokia am heutigen Donnerstagnachmittag um 2,2 Prozent schwächer.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Nokia in Euro
Quartal Umsatz Nettogewinn
1/00 6,5 Mrd. 0,91 Mrd.
2/00 7 Mrd. 0,98 Mrd.
3/00 7,58 Mrd. 0,92 Mrd.
4/00 9,28 Mrd. 1,21 Mrd.
1/01 8 Mrd. 1,05 Mrd.
2/01 7,35 Mrd. 0,83 Mrd.
3/01 7 Mrd. 0,76 Mrd.
4/01 8,79 Mrd. 1,15 Mrd.
1/02 7 Mrd. 0,92 Mrd.
2/02 6,94 Mrd. 0,90 Mrd.
3/02 7,2 Mrd. 0,88 Mrd.
4/02 8,8 Mrd. 1,24 Mrd.
1/03 6,7 Mrd. 0,97 Mrd.
2/03 7,02 Mrd. 0,66 Mrd.
3/03 6,9 Mrd. 0,86 Mrd.
4/03 8,79 Mrd. 1,17 Mrd.
1/04 6,63 Mrd. 0,82 Mrd.
2/04 6,64 Mrd. 0,71 Mrd.
3/04 6,94 Mrd. 0,66 Mrd.
4/04 9,063 Mrd. 1,019 Mrd.
1/05 (*) 7,396 Mrd. 0,863 Mrd.
2/05 8,059 Mrd. 0,799 Mrd.
3/05 8,403 Mrd. 0,881 Mrd.
4/05 10,333 Mrd. 1,073 Mrd.
1/06 9,507 Mrd. 1,048 Mrd.
2/06 9,813 Mrd. 1,140 Mrd.
3/06 10,100 Mrd. 0,845 Mrd.
4/06 11,701 Mrd. 1,273 Mrd.
1/07 9,856 Mrd. 0,979 Mrd.
2/07 12,587 Mrd. 2,828 Mrd.
3/07 12,898 Mrd. 1,563 Mrd.
4/07 15,717 Mrd. 1,835 Mrd.
1/08 12,660 Mrd. 1,222 Mrd.
2/08 13,151 Mrd. 1,103 Mrd.
3/08 12,237 Mrd. 1,087 Mrd.

(*) Ergebnis seit Q1 2005 ausgewiesen nach seit dem 1. Januar 2005 gültigen neuen IFRS-Bilanzierungsregeln (vbr)

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