Logo von heise online

Suche
Monika Ermert 16

Neue TLDs: Datenpanne ruft Geschäftemacher auf den Plan

Ab dem 22. Mai bekommen bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) registrierte Bewerber voraussichtlich noch einmal fünf Tage Zeit, Zulassungsanträge für neue Top Level Domains (TLDs) einzureichen. Die ICANN hatte nach einer technischen Panne unmittelbar vor dem Ende der offiziellen Bewerbungsfrist ihr TLD Application System (TAS) vom Netz genommen. Untersuchungen der Logfiles hätten auch Anfang der Woche weitere Fälle aufgedeckt, in denen die Namen von Bewerbern beziehungsweise Dateinamen für Dritte sichtbar gewesen waren, heißt es in einem neuerlichen Bericht der ICANN.

Anzeige

Inzwischen fragen sich Bewerber und Beobachter, warum die ICANN so lange braucht, um der Panne Herr zu werden. Mögliche Beweggründe innerhalb der Non-Profit-Organisation, die jährlich Millionenbeträge umsetzt, sind die Furcht vor Klagen und ihr Bemühen, eine wasserdichte Aufarbeitung zu präsentieren. Wer eine bestimmte Bewerbung gesehen hat, könnte tatsächlich versuchen, daraus Kapital zu schlagen, sagt Dirk Krischenowski, Geschäftsführer von DotBerlin und Mitgründer des TLD-Beratungsunternehmens Dotzon.

"Jemand, der beispielsweise die Bewerbung von Linde gesehen hat, könnte einen fertigen Account bei mytld.com für 300.000 Dollar kaufen, eine Linde-Bewerbung abgeben und später 600.000 Euro von Linde verlangen", erklärt Krischenowski. MyTLD öffnet Nachzüglern ein Hintertürchen, nachdem eine Vorabregistrierung als Bewerber bis zum 29. März notwendig war. "Wenn es einen Mitbewerber für eines der von uns betreuten Projekte gibt und wir im Nachhinein herausbekommen würden, dass dieser die Bewerbung erst kurz vor Schluss eingegeben hat, würden wir eine Klage sicher andenken", kündigt Krischenowski an.

Gerade für Unternehmen, die erstmals mit der ICANN zu tun hätten, sei die Datenpanne wenig vertrauensbildend, sagt Rechtsanwalt Thomas Rickert. Die Firmen hätten schon schon ihre Finanzdaten nur widerwillig gegenüber der privatrechtlich organisierten ICANN offengelegt, wie es im Bewerbungsverfahren verlangt war. Geradezu "unwürdig" sei darüber hinaus, dass die Bewerber sich per "digitalem Bogenschuss" einen Platz unter denen ergattern müssen, deren Bewerbungen zuerst abgearbeitet werden sollen.

Weil Lotterien nach geltendem kalifornischem Recht, wie es auch für die ICANN gilt, nicht erlaubt sind, müssen Bewerber sich zu einer von Ihnen vorab bestimmten Zeit im "Digital Archery-System" zurückmelden. Nach der Datenpanne beim TAS dürften die ICANN-Anwälte dem digitalen Bogenschuss mit einiger Sorge entgegenblicken. Die bislang erwarteten über 2000 Bewerbungen sollen in Gruppen von je 500 abgearbeitet werden. Denen, die nun lieber einen Rückzieher machen möchten, bietet die ICANN seit dem Wochenende übrigens die volle Rückzahlung der Bewerbungsgebühr an. (ssu)

16 Kommentare

Themen:

  1. .shop: die 40-Millionen-Dollar-Domain

    .shop: die 40-Millionen-Dollar-Endung

    Neuer Rekord bei der Vergabe von Top Level Domains durch die ICANN: Für .shop wurden in einer offiziellen Auktion 41,5 Millionen US-Dollar erzielt.

  2. Neue TLDs: Google sichert sich .app, .gmbh geht in die USA

    Google-Logo

    Ganze 25 Millionen US-Dollar zahlt Google für .app. Das ist der bisher höchste Betrag, der bei einer Versteigerung einer neuen Top Level Domain gezahlt wurde. Auch .gmbh, eine andere Endung, um die sich Google beworben hatte, wurde am Freitag versteigert.

  3. Neue TLDs: Gemischte Bilanz der digitalen Land-Reform

    Neue Domain-Endung .berlin

    2014 war das Jahr der großen digitalen Land-Reform. Hunderte neuer Internetendungen wurden freigeschaltet, und 2015 wird es damit weitergehen. Am Ende werden aus etwa 300 Top Level Domains um die 1.700 geworden sein.

  4. Erfolgreicher Angriff auf Internet-Verwaltung ICANN

    Server

    Beim Angriff auf die ICANN wurde unter anderem ein zentrales System kompromittiert, das zur Organisation der neuen Top Level Domains dient. Die ICANN trägt die Oberaufsicht über die Verwaltung von Netz-Ressourcen wie DNS und IP-Adressen.

  1. Neue Top-Level-Domains: "Auktionen sind definitiv nicht das richtige Mittel"

    Olivier Crépin-Leblond

    Wie fair verläuft die Einführung der neuen Top-Level-Domains? Olivier Crépin-Leblond von der ICANN-Nutzer-Organisation ALAC äußert sich zu Ungerechtigkeiten und Schieflagen bei den neuen Internet-Endungen.

  2. Neue Top Level Domains: Gemischte Bilanz der digitalen Land-Reform

    Neue Domain-Endung .berlin

    2014 war das Jahr der großen digitalen Land-Reform. Hunderte neuer Internetendungen wurden freigeschaltet, und 2015 wird es damit weitergehen. Am Ende werden aus etwa 300 Top Level Domains um die 1.700 geworden sein. Ein Rückblick auf die erste Stufe des Mammutprojekts.

  3. Absenden einer Mail ist kein Empfangsnachweis

    Der Absender muss beweisen, dass seine E-Mail den Empfänger erreicht hat. Dafür reicht es nicht aus, das Abschicken der Nachricht zu belegen.

  1. Schweizer Volk entscheidet über Nachrichtendienstgesetz

    Schweizer Volk entscheidet über Nachrichtendienstgesetz

    Eine breite Allianz aus Politik und Bürgerrechtlern hat genug Stimmen gesammelt: Jetzt dürfen die Schweizer über erweiterte Befugnisse ihres Geheimdienstes abstimmen.

  2. Ausflug im Ford Expedition: Wahre Größe

    Ford

    Gegen Autos vom Schlage eines Ford Expedition wirken selbst ausgewachsenen Luxuslimousinen aus Europa zierlich. Dabei waren wir nicht einmal mit der XL-Version unterwegs. Ein Ausflug mit einem wirklich großen Auto

  3. Geschleudert: Testfahrt Polaris Slingshot

    Zweirad

    Wie BRP mit dem Can-Am Spyder bietet jetzt auch der Konkurrent Polaris ein dreirädriges "Powersports"-Fahrzeug für die Straße an. Mit ein paar einfachen Mitteln haben sie dafür gesorgt, dass es gescheit fährt

  4. Filme und TV: Lieber legal streamen

    Lieber legal streamen: Video-Flatrates verdrängen illegale Angebote

    In den USA hat Netflix Filesharing den Rang abgelaufen. Auch hierzulande greifen immer mehr zu einer Video-Flatrate. Bei Angeboten aus der Grauzone begeht man indes Urheberrechtsverletzungen und muss mit Abmahnungen rechnen, wenn auch nicht in jedem Fall.

Anzeige