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Nico Jurran 60

MHL vs. Micro-HDMI vs. Light Peak - der Kampf um die Videobuchse am HD-Porti

Im HD-Heimkino galt in den vergangenen Jahren folgende Regel: Die für die Spezifikation der etablierten Audio/Video-Schnittstelle High-Definition Multimedia Interface (HDMI) zuständige HDMI Licensing schrieb vor, welche Art von Buchse zum Einsatz kommt – und die Hersteller bauten diese brav in ihre Unterhaltungselektronikgeräte ein. Umso verwunderter dürften die HDMI-Macher nun darüber sein, dass sich dieses Prinzip nicht so einfach auf kommende HD-taugliche Mobilgeräte wie Handys oder portable HD-Player übertragen lässt. Dabei war die Vorgabe in der HDMI-Spezifikation 1.4 durchaus eindeutig: Speziell für mobile Geräte soll es eine Micro-HDMI-Buchse ("Type D") mit allen 19 Pins geben, die Videobilder mit einer Auflösung von 1080p übermitteln kann.

Doch schon vor der Veröffentlichung der aktuellen HDMI-Spezifikation hatte HDMI-Mitentwickler Silicon Image seine eigene Lösung "Mobile High-Definition Link (MHL)" vorgestellt (siehe dazu den Artikel "Zukunftsvision", c't  04/09, S. 76). Silicon Image konnte auch in der eigens gegründeten "Mobile High-Definition Interface Working Group" mit Nokia, Samsung, Toshiba und Sony schwergewichtige Partner für die Schnittstelle finden.

MHL setzt statt auf eine miniaturisierte HDMI-Buchse auf den Micro-USB-Port, der an vielen mobilen Geräten bereits zu finden ist. Diese USB-Schnittstelle lässt sich bei MHL-tauglichen Mobilgeräten wie gewohnt für die Datenverbindung mit dem PC nutzen. Erst wenn der eingebaute Transmitter-Chip als Gegenstelle einen Fernseher, Monitor oder Projektor mit HDMI-Port und MHL-Receiver-Chip erkennt, schaltet er in den HDMI-Übertragungsmodus um. In diesem Fall schickt der MHL-Transmitter die HDMI-Daten über gerade einmal drei der fünf Pins des Micro-USB-Anschlusses, bewerkstelligt dabei aber die Übertragung von Videos mit einer Auflösung von 1080p und von Steuerkommandos nach dem HDMI-CEC-Protokoll (Consumer Electronics Control). Die 5-Volt-Leitung bleibt unangetastet, sodass sich der Akku des Mobilgeräts auch bei dieser Verbindung aufladen lässt.

Bei einer Demonstration im Rahmen der CES spielte Silicon Image Videos von einem gemoddeten iPhone mit Micro-USB-Anschluss zu einem Flachbildfernseher, wobei sich Apples Handy über die Fernbedienung des Fernsehers steuern ließ. Auch die direkte Wiedergabe einer auf einem Handy gespeicherten Power-Point-Präsentation auf einem Projektor ohne Rechner-Einsatz wurde gezeigt. Laut Silicon Image ist die Leistungsaufnahme des MHL-Transmitters mit 40 Milliwatt bei einer 720p- beziehungsweise 1080i-Übertragung bis zu 10-mal geringer als bei einem HDMI-Transmitter.

Für aktuelle HDMI-Fernseher und Projektoren ohne MHL-Unterstützung soll es eine Art Dockingstation geben, mit einer MHL-tauglichen USB-Buchse an der einen und einem HDMI-Port an der anderen Seite. Falsch sind hingegen Meldungen, dass es bislang keine Fernseher gibt, die die Schnittstelle unterstützen. Tatsächlich baut Silicon Image den nötigen MHL-Receiver bereits seit dem vergangenen Jahr in seine HDMI-Chips ein; folglich sind beispielsweise einige aktuelle Samsung-Fernseher bereits "MHL ready", es fehlt nur noch das Logo auf den Chassis. An diese ließen sich dann MHL-taugliche HD-Portis mit einem simplen passiven USB-HDMI-Adapterkabel anschließen.

Engaged berichtet jüngst wiederum davon, dass Apple angeblich Intels Schnittstelle "Light Peak" bei kommenden iPods/iPhones einsetzen wolle, um darüber den kompletten Datenaustausch (Videos, USB, Netzwerkfunktionen und Ähnliches) mit einer speziellen Docking Station laufen zu lassen. Unter dem Projektnamen Light Peak entwickelte Intel eine optische Schnittstelle für Desktop-Rechner und Notebooks, die in der ersten Generation 10 Gigabit an Daten pro Sekunde übertragen soll und das Potenzial für eine spätere Steigerung auf 100 GBit/s mitbringt. Damit wäre Light Peak sicherlich eine brauchbare Schnittstelle für Apples Mobilgeräte. Dass Apple allerdings selbst Light Peak initiiert habe, wurde bereits dementiert. (nij)

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