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IDF: Ein ganzer Strauß neuer Atoms

Eine Fülle von Produkt- und Codenamen ließ Intel heute auf die Besucher des IDF herabprasseln, denn für zahlreiche verschiedene Einsatzbereiche von Atom-Prozessoren hat Intel auch unterschiedliche Systems-on-Chips (SoCs) entworfen. Seit 2008 gibt es den Atom Z500 (Silverthorne, zusammen mit dem Chipsatz US15/Poulsbo) sowie mittlerweile auch das SoC CE4100 (Sodaville) für Fernseher und (Google-TV-)Set-Top-Boxen. Bereits vorgestellt (aber noch nicht in Geräten lieferbar) ist der Z600 (Lincroft), der zusammen mit dem MP20 (Langwell) die Moorestown-Plattform bildet.

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Doug Davis, General Manager von Intels Embedded and Communications Group, stellt den Atom E600 vor
Doug Davis, General Manager von Intels Embedded and Communications Group, stellt den Atom E600 vor Vergrößern
Bild: Intel
Eng verwandt mit dem Atom Z600 ist der Atom E600 (Tunnel Creek), der vor allem auf den Einsatz in Autos zielt; er kann einen Zusatzchip, also eine Southbridge, per PCI Express (PCIe) anbinden. Intel selbst bietet den Platform Controller Hub (PCH) EG20T (Topcliff) an, der zusammen mit dem E600 die Plattform Queensbay darstellt. Bestimmte Varianten des Atom E600 sollen mit 3,3 Watt TDP auskommen, die Taktfrequenzen reichen von 600 MHz (Atom E620) bis 1,6 GHz (Atom E680). Von allen Versionen gibt es auch Ausführungen für den erweiterten Temperaturbereich von -40 bis +85 Grad Celsius. Ibase hat bereits den Single-Board Computer IB892 mit Atom E600 angekündigt.

Der CE4100 bekommt einen unter dem Codenamen Groveland entwickelten Nachfolger mit dem fantasievollen Namen CE4200, der ebenfalls für Fernseher und Settopboxen gedacht ist. Noch keine finalen Namen verrät Intel für Oak Trail, den auch Microsoft-Chef Steve Ballmer explizit als Windows-7-Tablet-Antrieb erwähnt hat, und für Stellarton, eine Multi-Chip-Kombination aus Atom E600 und einem FPGA von Altera. Oak Trail soll Anfang 2011 loslegen – vermutlich erfährt man auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mehr dazu.

Bei den Betriebssystemen versucht Intel den Eindruck großer Auswahl zu erwecken und verweist auf Android, MeeGo, Linux und Windows. Microsoft kündigt an, dass Windows Embedded Standard 7 zusammen mit dem Windows Media Center beispielsweise auf Set-Top-Boxen mit Intel CE4100 laufen kann. Asus und Acer wollen solche Boxen 2011 ausliefern. Intel zeigte aber auch einen ExoPC, der unter Windows Embedded Standard 7 lief – ein zarter Hinweis auf die Software-Basis einer kommenden Windows 7 Tablet Edition? Als Beispiel für MeeGo auf Atom war das WeTab auf der Bühne, Android wurde vom Cisco Cius repräsentiert.

Offenbar um mal einen Vorteil von Atom-Tablets im Vergleich zum iPad herauszustreichen, betont Intel die Unterstützung für Adobe Flash und AIR; etwas peinlich ist es da, dass ein normaler Netbook-Atom wie der N450 mit dem Adobe Flash Player keine HD-Videos größer als 720p aus dem Web abspielen kann, mit dem DivX Plus Web Player 2.1 aber schon. In den Atom-SoCs stecken wiederum HD-Video-Beschleunigereinheiten, die Intel von Imagination Technologies (PowerVR) zugekauft hat – diese sind mit dem hakeligen Windows-Treiber für den Atom Z500 kaum nutzbar, funktionieren aber grundsätzlich wohl, wie die CE4100-Set-Top-Boxen belegen. Zusätzlich zum Intel Embedded Graphics Driver (IEGD) für Linux und Windows kommt nun für den Atom E600 noch der Embedded Media and Graphics Driver (EMGD).

Auf dem IDF fiel nun auch der Startschuss für den App-Shop Intel AppUp Center, in dem zunächst Apps für Atom-Systeme mit den Betriebssystemen Windows XP und Windows 7 oder Moblin zu haben sind. Künftig wird Moblin wohl durch MeeGo ersetzt, und eigentlich will Intel die Apps gar nicht selbst verkaufen: Vielmehr sollen Hersteller oder Händler, die Atom-Geräte verkaufen, das AppUp-Center zur Verteilung von Apps nutzen können. Wie bereits berichtet, empfiehlt Intel das von Partner Nokia weiterentwickelte Qt Quick als eine Möglichkeit zur Entwicklung von Cross-Platform-Apps. (ciw)

38 Kommentare

  1. Intel schließt seinen App-Store

    Auch Intel wollte Apps verkaufen, aber das "AppUp Center" setzte sich nicht durch. Nun zieht der Prozessorhersteller die Konsequenzen.

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