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Heute? Morgen? Deutschland feiert den Netzkulturtag

Am Montag wird in Deutschland der Netzkulturtag gefeiert, in Erinnerung an den Tag, als Tim Berners-Lee im Jahre 1991 am CERN die erste Webseite über das Internet verfügbar machte. An diesem Tag sollen die Helden der Gesellschaft 2.0 geehrt werden. Gedanken zu einem schwer vermittelbaren Vorschlag.

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Das Internet kennt viele Geburtstage. Deshalb kann der Netzkulturtag auf viele Tage gelegt werden, denn die Ehrung "für alle Nerds, Techniker, Designer, Elektroniker & Geeks, welche für die Funktionsfähigkeit des Internets gesorgt haben", reicht weit über den Betrieb des ersten Webservers hinaus. Auch die Netzkultur entstand, bevor das erste http://www an einem Rechner getippt wurde, im Usenet und auf den "Brettern" der Mailboxen.


Der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan prägte den Begriff der Welt als "Globales Dorf". Hier eine Illustration aus seinem Bilderbuch "The Medium is the Massage". Vergrößern
Wer will, kann die Netzkultur an anderen Daten festmachen, etwa zum März 1996, als Telepolis als "Magazin für Netzkultur" startete, oder weit früher, als der Start des Satelliten Telstar 1 im Jahre 1962 den kanadischen Medientheoretiker Marshall McLuhan inspirierte, von der Aufhebung des Raumes durch Telekommunikation zu sprechen und von der Reduzierung der Welt zu einem globalen Dorf. Ein weiterer Geburtstag könnte sich auf den März 1960 beziehen, als J.C.R. Licklider seine Arbeit Man-Computer Symbiosis veröffentlichte.

Neben der Geburtstunde der Netzkultur könnte die Frage gestellt werden, ob uns diese Kultur bereichert oder ob all die Pessimisten recht haben, die die Netzkultur als "Digitale Demenz" beschreiben und verängstigt Gott sei bei uns! rufen. Ihnen könnte man mit Norbert Wiener begegnen, der sich in seinem Buch Kybernetik mit dem neuen Kommunikationsraum beschäftigte und nüchtern festhielt: "So haben wir überall eine dreifache Einschnürung der Kommunikationsmittel: durch die Elimination der weniger gewinnbringenden Mittel zugunsten der gewinnbringenden; dadurch, dass diese Mittel in den Händen der eng begrenzten Klasse der Reichen sind und so natürlicherweise die Meinungen jener Klasse ausdrücken, und schließlich dadurch, dass sie als eine der Hauptstraßen zur politischen und persönlichen Macht vor allem jene anziehen, die nach dieser Macht trachten." (Detlef Borchers) / (hos)

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