Logo von heise online

Suche
204

Google führt Dienste trotz Datenschutzbedenken zusammen

Trotz massiver Proteste hat Google am heutigen Donnerstag seine umstrittene neue Datenschutzerklärung weltweit in Kraft gesetzt. Der Internet-Riese vereinheitlicht damit die Richtlinien für mehr als 60 einzelne Dienste und wertet gleichzeitig die Nutzerdaten aller Produkte gesammelt aus. Mit der Einführung der neuen Regeln setzte sich das Unternehmen über Bedenken von Datenschützern und Politikern in Europa und den USA hinweg, die Zweifel an der Rechtmäßigkeit geäußert hatten.

Anzeige

Google hatte erklärt, mit der Zusammenführung der Daten die "Nutzung unserer Produkte noch unkomplizierter und intuitiver" machen zu wollen, zum Beispiel über eine verbesserte personalisierte Suche. Zudem könne man so passendere Werbung anzeigen, welche das Kerngeschäft des Unternehmens ausmacht. Der bekannteste Google-Dienst ist die Suchmaschine, doch das Unternehmen bietet Dutzende anderer Produkte an, darunter GMail/Googlemail, die Büro-Software Docs, den Kartendienst Google Maps, das Videoportal YouTube, das Soziale Netzwerk Google+ und nicht zuletzt das Smartphone-Betriebssystem Android.

Vor allem die Verknüpfung personenbezogener Nutzerdaten aus verschiedenen Diensten stößt auf Bedenken. Eine Untersuchung der französischen Datenschutzkommission (CNIL) im Auftrag ihrer europäischen Kollegen war zu dem Ergebnis gekommen, dass die neuen Regeln gegen europäisches Recht verstoßen. Peter Schaar, oberster Datenschützer in Deutschland, hatte am Google jüngst aufgefordert, die Umstellung bis zur Klärung aller Zweifel auszusetzen.

Auch in den USA steht die Umstellung unter scharfer Beobachtung. Der Kongress hat Google zur Beantwortung eines Fragenkatalogs aufgefordert. Die Generalstaatsanwälte (Attorneys General) Dutzender Bundesstaaten hatten in einem Brief das Unternehmen Ende Februar "starke Bedenken" geäußert und ein Treffen mit dem Google-Management verlangt. Nutzer hätten keine angemessene Möglichkeit, die Datensammlung zu stoppen, heißt es in den Schreiben. Zudem sei es fast unmöglich, sich den Google-Diensten zu entziehen – nicht zuletzt weil das Betriebssystem Android bei den Smartphones einen Marktanteil von fast 50 Prozent habe.

Google hält den Protesten entgegen, dass das Unternehmen den Nutzern Kontrolle und Transparenz gewähre. So könne man mit dem Programm Dashboard die gesammelten Informationen überprüfen und die Datenschutzeinstellungen der Dienste ändern.

In einem Gastkommentar für futurezone.at schreibt Googles Datenschutzbeauftragte Alma Whitten: "Unser grundsätzliches Bekenntnis zum Datenschutz ändert sich nicht. Durch die Vereinfachung unserer Regeln sammeln wir keinerlei neue Informationen. Wir ändern auch nicht Ihre persönlichen Datenschutz-Einstellungen. Und wir werden Ihre persönlichen Informationen auch weiterhin nicht an Werbetreibende verkaufen. Wir wollen lediglich jene Informationen, die Sie uns schon bisher anvertraut haben, nutzen, um Ihre Nutzerfahrung zu verbessern." Google-Nutzer müssten sich auch weiterhin nicht bei Diensten wie der Suche, Google Maps oder YouTube anmelden. Unterdessen rät der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) den Bürgern, dem Internet-Giganten nicht alle ihre Daten und Internet-Aktivitäten preiszugeben. Es gebe auch andere Suchmaschinen, soziale Netzwerke oder Speicherdienste für Fotos, die nicht zu Google gehören. (mit Material von dpa) / (ssu)

204 Kommentare

Themen:

  1. Google integriert Audiotelefonie in Hangouts

    Nutzer von Google Hangouts können nun untereinander mobil kostenlose Telefonate führen.

  2. Android for Work isoliert und verwaltet Firmendaten

    Android for Work isoliert und verwaltet Firmendaten

    Googles neue Business-App trennt auf Smartphone und Tablet das Geschäftliche vom Privaten und soll die Android-Welt auch in Unternehmen etablieren.

  3. Facebook will Werbung stärker personalisieren

    Facebook

    Facebook möchte auch in Deutschland mehr Informationen über seine Nutzer auswerten, um ihnen zielgerichtetere Werbung zu zeigen. Die Funktion lässt sich abschalten.

  1. Dies und das – Neuigkeiten aus dem Mobilmarkt

    Nachdem die wöchentliche Ausgabe der wichtigsten Meldungen zu Entwicklerthemen im Mobilcomputermarkt einmal aussetzen musste, gibt es dieses Mal umso mehr Nachrichten zu vermelden.

  2. Aus Nutzern werden Datenhändler

    Illustration

    Der Online-Dienst Reputation.com will mit dem "Consumer Data Vault" Nutzern die Macht über ihre Kundendaten geben, um so selbst gute Geschäfte auszuhandeln.

  3. Dies und das – Tablets en masse

    Letzte Woche stand eindeutig im Zeichen der Tablets. Apple und Nokia brachten neue Hardware auf den Markt. Zeit, sich den für Entwicklern relevanten Nachrichten zuzuwenden.

  1. Tonnenweise Computerschrott: Europa bekommt ein neues Müllproblem

    Tonnenweise Computerschrott: Europa bekommt ein neues Müllproblem

    Das Computerzeitalter zeigt seine Schattenseiten: Tonnenweise Elektroschrott wird international zum Problem. Teils organisierte Banden handeln illegal mit Schrott, dessen Bestandteile häufig hochgiftig sind.

  2. Schlieren-Effekt: NASA schießt beeindruckende Überschall-Fotos

    NASA: Beeindrucken Fotos der Ãœberschall-Welle

    Die NASA hat den 150 Jahre alten Schlieren-Effekt weiterentwickelt, um bei modernen Überschall-Jets die Druckwelle sichtbar zu machen. Derzeit sind Überschallflüge sehr laut – das neue Verfahren könnte den Weg zu leiseren Überschallflugzeugen ebnen.

  3. USA: 11 Jahre Haft für 17-jährigen Online-Unterstützer des Islamischen Staats

    Hacker

    Ein 17-jähriger US-Amerikaner machte online Propaganda für den islamischen Staat und gab Tipps, wie IS-Mitglieder Bitcoin und Verschlüsselung nutzen können. Nun warten über 11 Jahre Gefängnis auf ihn.

  4. Bären-Tour

    Der zweite Teil unserer Mongoleidurchquerung im Russenbus bringt unter anderem die Erkenntnis, dass in der Wüste Gobi selbst ein UAZ an manche Grenzen seines Könnens stößt

Anzeige