Logo von heise online

Suche
Volker Zota 162

Gema veröffentlicht Vergütungstarif für werbefinanziertes Musik-Streaming

Die Verwertungsgesellschaft Gema hat am Montag einen neuen Vergütungstarif für Streaming-Dienste vorgelegt, die für den Nutzer kostenlos sind und etwa durch Werbung finanziert werden sollen. Den Tarifvorstellungen der Verwertungsgesellschaft zufolge sollen Anbieter solcher Dienste künftig 10,25 Prozent der durch die Musiknutzung erzielten Einnahmen an die durch die Gema vertretenen Urheber abführen. Die Verwertungsgesellschaft hatte sich erst kürzlich mit dem IT-Branchenverband Bitkom auf ein Vergütungsmodell für Online-Musikshops und bezahlte Streaming-Flatrates geeinigt.

Anzeige

Die Gema ergänzt das Tarifmodell um eine dreistufige Mindestvergütung, die abhängig vom "Interaktivitätsgrad" des jeweiligen Dienstes anfällt. Demnach werden mindestens 0,025 Cent pro abgerufenem Stream bei "niedriger" Interaktivität fällig – also etwa radioähnlichen Diensten, ohne Vorspulspul- und Auswahlfunktion. Für Dienste mit mittlerem Interaktionsgrad verlangt die Gema 0,31 Cent/Stream, bei hoher Interaktivität wie wohl im Falle von YouTube oder Spotify sind es 0,6 Cent/Stream. Sollte ein Gesamtvertrag zustandekommen, gibt es in dessen Rahmen einen Rabatt: Die Erlösbeteiligung sinkt auf in diesem Fall auf 8,2 Prozent. Pro Stream wären dann 0,02 Cent (niedrige Interaktivtät), 0,25 Cent (mittel) oder 0,48 Cent (hoch) fällig.

Der Bitkom reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung. "Werbefinanzierte Dienste werden von unserer bisherigen Einigung mit der Gema nicht umfasst", erklärte Bitkom-Bereichsleiter Mario Rehse gegenüber dpa. Darüber hätte der Bitkom gerne weiterverhandelt. "Die einseitige Tarifveröffentlichung der Gema war aber ein Szenario, mit dem wir rechnen mussten." Jetzt prüfe der Bitkom, wie er mit den neuen Forderungen umgehe. "Jetzt wissen wir aber endlich genau, woran wir sind", sagte Steffen Holly vom Musikdienst Aupeo.

Es bleibt abzuwarten, wie weitere Dienst-Anbieter das neue Tarifmodell der Gema aufnehmen. Nicht zuletzt, weil sich die Verhandlungen beispielsweise mit der Google-Tochter YouTube schon seit Jahren hinziehen, geriet die Verwertungesellschaft in jüngster Zeit zunehmend in die Kritik der Musikbranche. Die Gema selbst sieht sich indes auf einem guten Weg: Sie macht "einen großen Schritt auf die Anbieter von unentgeltlich angebotenen Streamingdiensten zu und gewährleistet so einen Ausgleich zwischen den Anforderungen des Marktes und dem Anspruch der Urheber auf angemessene Vergütung", heißt es in der Mitteilung der Verwertungsgesellschaft. (vza)

162 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Google Play erster Lizenznehmer von europäischen Musikverwertern

    Gema

    Die Gema reibt sich die Hände: Google Play ist der erste Kunde der Musikverwerter-Dachmarke "International Copyright Enterprise" (ICE). Das Joint Venture einiger europäischer Musikverwerter soll die Zuordnung von privater Musiknutzung erleichtern.

  2. Urheberabgaben für Smartphones und Tablets festgelegt

    Filesharing

    Für Hersteller mobiler Geräte gelten neue Pauschalen für Urheberabgaben: 6,25 Euro pro Smartphone und 8,75 Euro pro Tablet. Darauf verständigten sich der Bitkom und die Verwertungsgesellschaften.

  3. Gema schließt Verträge für grenzübergreifende Rechteverwertung

    Gema

    Die Gema macht gemeinsame Sache mit den Verwertungsgesellschaften PRS aus Großbritannien und STIM aus Schweden. Das soll digitalen Lizenznehmern den Rechte-Erwerb erleichtern und Ausschüttungen beschleunigen.

  4. GEMA blitzt mit Klage gegen YouTube ab

    YouTube gegen Gema

    Das Landgericht München hat eine Klage der Verwertungsgesellschaft gegen die Google-Tochter abgewiesen und festgestellt, dass YouTube keine Abgaben für von Nutzern hochgeladene Inhalte zahlen muss.

  1. Kafka lässt grüßen

    Ich würde ja gerne die Lizenzen für die Musikuntermalung meiner Urlaubsvideos zahlen. Aber das ist gar nicht so einfach.

  2. Mach dich rar bei Spotify und Co.

    Was bedeutet Adeles Erfolg bei den Verkaufszahlen ihres jüngsten Albums für die Zukunft von Musik-Streamingdiensten?

  3. Microsoft Azure und Office 365 kommen nach Deutschland

    Microsofts CEO Satya Nadella hat heute in Berlin verkündet, dass Microsoft zukünftig auch zwei Cloud-Rechenzentren in Frankfurt und Magdeburg anbieten wird.

  1. Indien: Ringing Bells hat erste 3-Euro-Smartphones ausgeliefert

    Indien: Ringing Bells hat erste 3-Euro-Smartphones ausgeliefert

    Die Firma Ringing Bells hat die ersten 3-Euro Smartphones für den indischen Markt ausgeliefert. App-Entwickler sollen das Projekt mitfinanzieren.

  2. Klartext: Hauptsache dabei

    Klartext

    Wer sich über die vielen kleinen Glitches ärgert, die ein Neuwagen heute so selbstverständlich mitbringt, sollte die Schuld nicht in Elektronik oder Frankreich suchen, sondern in zu viel Komplexität.

  3. Happy Birthday: 99 Jahre Nikon Corporation

    Happy Birthday: 99 Jahre Nikon Corporation

    99 Jahre Nikon, 99 Jahre Objektive und Kameras: Der 25. Juli 1917 gilt als die Geburtsstunde des mittlerweile zweitgrößten DSLR-Herstellers. Anlässlich dieses Geburtstags hier die wichtigsten Kameramodelle und Stationen des Unternehmens in einem chronologischen Abriss.

  4. Die andere Seite von Mr. Spock: Der Fotograf Leonard Nimoy

    Die andere Seite von Mr. Spock: Der Fotograf Leonard Nimoy

    Heute kommt mit „Star Trek Beyond” ein neuer Raumschiff-Enterprise-Film in die Kinos. Nicht mehr dabei ist „Mr. Spock” Leonard Nimoy, der Anfang 2015 gestorben ist. Was viele nicht wissen: Nimoy war auch ein begabter und engagierter Fotograf.

Anzeige