Logo von heise online

Suche
49

Französischer Provider beendet Werbeblockade

Der französische Internetprovider Free.fr wird nicht wie geplant einen Werbeblocker in den Routern seiner Kunden installieren. Am Montag rückte das Unternehmen von seinen Plänen ab, die vergangene Woche für großes Aufsehen gesorgt hatten. Der Netzzugangsanbieter hatte auf seinen "Freebox" genannten Routern per Softwareupdate Werbeblocker installiert, die als Voreinstellung aktiviert waren. Die Funktion wurde anfänglich nur mit einem erläuternden Satz im Entwicklerblog für den Router dokumentiert. Nachdem die Änderung bekannt wurde, entbrannte in Frankreich eine heftige Debatte über diese Maßnahme.

Anzeige

Wie die Tagezeitung Le Figaro meldet, hatte sich in den Streit um die Werbeblockade auch die französische Digitalministerin Fleur Pellerin eingeschaltet und am Montag erklärt, dass Free die umstrittene Funktion per erneutem Softwareupdate wieder entfernen werde. Das Vorgehen sei mit einem freien und offenen Internet unvereinbar, erklärte die Ministerin. Protestiert hatten die Internetanzeigenwirtschaft, aber auch Verleger und andere Anbieter von Internetplattformen, die in ihrem Geschäftsmodell auf Werbung setzen.

Während die Nutzer die Werbung kaum vermisst haben dürften, ist unter Experten strittig, ob es sich bei dem Schritt auch um einen Bruch mit der Netzneutralität handelte: Die NGO Public Knowledge etwa, die sich in den USA für neutrale Netze einsetzt, kritisierte in einem Blogpost den Schritt des französischen Internetanbieters scharf: "Internetanbieter sollten es tunlichst vermeiden, mit der Blockade von Inhalten anzufangen." Das wecke nur weitere Begehrlichkeiten.

Free hat etwa fünf Millionen Kunden in Frankreich und gehört zu den Providern, die von großen Anbietern – insbesondere mit Blick auf Google – gerne Durchleitungsentgelte nehmen würden. In Frankreich wird der Versuch der Werbeblockade vor dem Hintergrund dieses Streits betrachtet. (Falk Steiner) / (mho)

49 Kommentare

Themen:

  1. Werbebranche zieht gegen Adblock Plus vor Gericht

    Adblock Plus ist nicht unumstritten. Jetzt gehen große Werbevermarkter auch juristisch gegen das Browser-Add-on vor.

    Sie hatten es angekündigt, jetzt meldet ein Branchenblatt den Vollzug: Die Vermarkter von ProSiebenSat1 und der RTL Group sowie Axel Springer haben Klage gegen den nicht unumstrittenen Werbeblocker Adblock Plus eingereicht.

  2. Druck auf Mitfahr-Dienst Uber nimmt zu: Verbot in Frankreich

    Fahrdienst-App Uber

    Ab dem 1. Januar 2015 soll die Vermittlung von Fahrten an private Fahrer in Frankreich illegal sein. Das Aus für Dienste wie Uber?

  3. Bundesnetzagentur antwortet auf Protestschreiben zum Thema Zwangsrouter

    Bundesnetzagentur antwortet auf Protestschreiben zum Thema Zwangsrouter

    Die Behörde erklärt ihre Motivation hinter der geplanten Verordnung und deutet auch an, wie es zu der aktuellen Änderung in einem wesentlichen Punkt gekommen ist.

  1. Providers Freud

    Ohne erkennbaren Anlass hat die Bundesnetzagentur zu Jahresanfang die DSL-Spielregeln geändert: Provider können ihren Kunden nun Routermodelle vorschreiben. Das stellt die bisherige Praxis in Frage und steht im Widerspruch zu EU-Vorgaben.

  2. Android werbefrei

    Der Werbeblocker AdBlock Plus steht vor dem Sprung auf die Plattform Android. Finanziert wird das Programm paradoxerweise von der Werbewirtschaft.

  3. Verbraucher muss Testergebnisse nachprüfen können

    Wer mit Testergebnissen wirbt, muss den Verbraucher in die Lage versetzen, die Daten überprüfen zu können.

  1. Sony Music will peinlichen Vertrag mit Spotify unterdrücken

    Kopf des Vertrages

    Nachdem ein Vertrag zwischen Sony Music und Spotify veröffentlicht wurde, aktivierten beide Unternehmen ihre Anwälte. Große US-Medien berichteten daraufhin nicht oder zögerlich. The Verge nahm den Vertrag nach vier Klagedrohungen offline.

  2. Im Wunderland

    Die Türkei wird immer wichtiger für Automobilhersteller aus aller Welt, jedoch vor allem als Produktionsstandort. So wundert es kaum, dass sich auf den rund 100.000 Quadratmetern der Istanbul Autoshow nahezu keine automobile Neuheit ausmachen lässt

  3. Einsatz gezeigt: Alte Polizeiautos im Audi Museum

    Wartburg 353 W

    Die Autohersteller betreiben fast alle eigene Museen, so auch Audi in Ingolstadt. Mit der Sonderausstellung "Razzia" wollen sie bis zum 30. August nicht nur Fans der eigenen Marke anlocken, sondern auch Anhänger von Polizeiwagen

  4. Luxus Nutzwert

    Die 4x4-Kombis E 500 T-Modell und GL 500

    Hört man „Fünfhunderter Mercedes“ und sieht eine S-Klasse oder ein Coupé vor seinem geistigen Auge, hat man damit nicht die ganze Wahrheit erfasst: Heute gibt es eine ungleich höhere Auswahl an 500ern. Wir haben mit E 500 4Matic T-Modell und GL 500 4Matic zwei feiste Allradkombis unter die Lupe genommen

Anzeige