Logo von heise online

Suche
Jürgen Kuri 47

Facebook: Zuckerberg-Kläger lügt

Im Streit mit einem ehemaligen Holzpellet-Händler, der die Hälfte an Facebook für sich beansprucht, geht das weltgrößte Online-Netzwerk zum Gegenangriff über. Facebook beantragte, dass die Klage des Mannes abgewiesen wird. Gleichzeitig legte das Unternehmen seine bisher ausführlichsten Beweise vor, warum die von Paul Ceglia vorgelegten E-Mails und ein Vertrag Fälschungen seien.

Anzeige

Ceglia hatte Facebook im Jahr 2010 verklagt. Er behauptete, mit Zuckerberg bereits im Jahr 2003 einen Online-Dienst mit dem Namen thefacebook.com oder "Face Book" geplant zu haben. Zuckerberg habe Ceglia jedoch schließlich ausgebootet und Facebook allein auf die Beine gestellt. Allerdings habe der Vertrag Ceglia das Anrecht auf mindestens die Hälfte an dem geplanten Online-Netzwerk gegeben. Zunächst wollte er als Wiedergutmachung für Zuckerbergs angebliche Verzögerungen sogar gut 80 Prozent haben, senkte seine Forderung später aber auf 50 Prozent.

Facebook behauptete hingegen, Ceglia habe Zuckerberg damals als Programmierer für seine geplante Firma StreetFax engagiert. StreetFax sollte eine Website mit Fotos von Straßenkreuzungen für Versicherungen werden. Laut Facebook sei es nie um etwas anderes gegangen.

Facebook glaubt jetzt, Ceglia eindeutig als Lügner überführen zu können. Schon vorher war auf seinem Computer ein Vertrag für die StreetFax-Arbeiten gefunden worden. Facebook zufolge ist es das Original, auf dessen Grundlage Ceglia den gefälschten Vertrag fabriziert habe. Der Kläger hingegen behauptete, die Datei sei auf seinen Rechner im Auftrag von Facebook nachträglich eingeschleust worden. Facebook glaubt jetzt jedoch, den "rauchenden Colt" präsentieren zu können: Der StreetFax-Vertrag war bereits seit 2004 auf den Computern von Ceglias damaligem Rechtsberater gespeichert. Zudem zeige eine Analyse des Sicherheitsunternehmens Stroz Friedberg, dass die Dateien auch damals auf Ceglias PC eingescannt worden waren.

Stroz Friedberg kam auch zu dem Schluss, dass Ceglia die Uhr seines Computers zurückgesetzt habe, um E-Mails aus den Jahren 2003 und 2004 zu fälschen. Dabei habe er jedoch zum Teil den Übergang von Sommer- und Winterzeit vergessen und Zuckerberg auch zu früh zum Start von Facebook gratuliert: Die allererste Version der Website sei erst am Nachmittag des 4. Februar 2004 online gegangen, Ceglias Mail sei bereits auf den Vormittag datiert.

Außerdem konnte Facebook E-Mails auf den Servern von Zuckerbergs Uni Harvard finden, die ein ganz anderes Bild der Zusammenarbeit zeichnen. Demnach soll Zuckerberg von Ceglia nur die Hälfte der vereinbarten 18.000 Dollar für die Arbeit an StreetFax bekommen haben. Ein weiterer von Facebook herangezogener Experte erklärte, die Tinte von der angeblichen Zuckerberg-Unterschrift auf dem von Ceglia präsentierten Vertrag sei höchstens zwei Jahre alt.

Facebook setzt alles daran, die Klage vor dem für Frühsommer erwarteten Mega-Börsengang aus der Welt zu schaffen. Wenn Ceglia mit seinen Behauptungen durchgekommen wäre, hätte er mit einem Einsatz von wenigen tausend Dollar zum Multimilliardär werden können: Der Marktwert von Facebook wird auf bis zu 100 Milliarden Dollar geschätzt. (dpa) / (jk)

47 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Zuckerberg sammelt Fragen für Auftritt in Berlin

    Mark Zuckerberg in China

    Der Facebook-Gründer freut sich darauf, am 26. Februar in eine seiner "absoluten Lieblingsstädte" zu kommen. Dort will er in einem "Townhall"-Meeting Fragen beantworten.

  2. Facebook-Chef Zuckerberg: "Wir werden Steuern zahlen"

    Facebook-Chef Zuckerberg: "Wir werden Steuern zahlen"

    Mark Zuckerberg und seine Frau hatten zur Geburt ihrer Tochter angekündigt, im Laufe ihres Lebens 99 Prozent ihrer Facebook-Anteile zu spenden. Nun antwortet der Facebook-Gründer auf Kritik an den Plänen.

  3. Hamas-Opfer: Angehörige verklagen Facebook nach Anschlägen auf eine Milliarde Dollar

    Familien verklagen Facebook nach Anschlägen auf Milliarde Dollar

    Facebook habe der radikal-islamischen Hamas wissentlich eine Plattform geboten, werfen Angehörige von Gewaltopfern dem Unternehmen vor.

  4. Free Basics: Indiens Telekom-Aufsicht kritisiert Facebook scharf

    Mark Zuckerberg in Indien

    Die indische Telekom-Aufsicht geht hart mit Facebook ins Gericht. Facebook nehme sich heraus, für Millionen Inder zu sprechen. Das Unternehmen fordert dazu auf, einen vorgefertigten Brief an die TRAI zu schicken, damit in Indien Free Basics erlaubt wird.

  1. Facebook-Forscher analysieren Newsfeed

    Facebook: Wir filtern uns selbst

    Der "Newsfeed" des sozialen Netzwerks bekommt regelmäßig viel Kritik, weil er alternative Meinungen wegzulassen scheint. Einer Facebook-Studie zufolge kann der Algorithmus dafür aber wenig.

  2. Digitale Assistenten: Kann ich Ihnen helfen?

    Kann ich Ihnen helfen?

    Digitale Assistenten breiten sich aus: Sie werden nicht nur immer klüger, Google, Facebook und Microsoft bekommen zudem Konkurrenz von einigen Start-ups.

  3. IBM-Superhirn Watson soll E-Mail organisieren helfen

    IBM-Superhirn Watson soll E-Mail organisieren helfen

    Die Flut von E-Mails überfordert viele Büroarbeiter. Mit künstlicher Intelligenz will IBM ihnen dabei helfen, schneller Wichtiges von Unwichtigen zu unterscheiden. Auch ein persönlicher Assistent ist geplant.

  1. Safety First: Volvo V40 im Fahrbericht

    Volvo arbeitet eisnern an seniem Image als Pionier der Sicherheit: Der neue V40 ist das erste Fahrzeug mit einem Fußgänger-Airbag. Doch auch mit seinem Design soll der Kompakte gegen A3, 1er und A-Klasse punkten

  2. Im Test: Mercedes GLC 250

    Mercedes GLC 250 4Matic

    Der Mercedes GLC 250 hat das Zeug, selbst SUV-Gegner von sich zu überzeugen. Wie? Mit einer klassischen Tugend, die die Marke einst auf breiter Front auszeichnete: Er ist überaus komfortabel. Wie angenehm das sein kann, bewies er im Test

  3. Fahrbericht: Renault Grand Scénic dCi 160

    Fahrbericht Renault Grand Scenic dCi 160

    Wer sein Leben ohne gesteigerte Ansprüche an die Fahrdynamik bewältigt, bekommt mit dem Renault Grand Scénic eine praxisgerechte und vor allem mutiger gestaltete Alternative zur vergleichsweise sachlich gezeichneten Population der anderen Familientransporter. Wir fuhren den Diesel

  4. "Argumente für Bargeld sind wenig überzeugend"

    "Argumente für Bargeld sind wenig überzeugend"

    Seit fast 20 Jahren ist der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff der Meinung, dass Bargeld in großen Scheinen abgeschafft gehört. Die technische Entwicklung und die Wirtschaftsflaute liefern ihm neue Munition.

Anzeige