Logo von heise online

Suche
17

Britische Provider verabschieden Kodex zur Netzneutralität

Zehn große britische Internetprovider und Mobilfunkbetreiber haben am Mittwoch unter dem Dach der Broadband Stakeholder Group (BSG) einen freiwilligen Kodex (PDF-Datei) zur Netzneutralität unterzeichnet. Sie verpflichten sich dazu, mit ihren Produkten ein "volles und offenes" Netz zu gewährleisten und keine "legalen Dienste oder Inhalte" zu blockieren.

Anzeige

Bestimmte Formen des Netzwerkmanagements und der Verkehrssteuerung werden gestattet. Angebote, die diese gebrauchen, dürfen aber nicht mehr als "Internetzugang" vermarktet werden; die Kunden müssen im Sinne einer größtmöglichen Transparenz aufgeklärt werden. Entsprechende Forderungen waren auch hierzulande bereits laut geworden. Blockaden oder gezieltes Verlangsamen von Datenpaketen sollen sich nicht gegen Inhalte oder Anwendungen bestimmter Provider richten dürfen, heißt es weiter. So soll verhindert werden, dass gegen bestimmte Wettbewerber vorgegangen werden kann.

Sollte ein Zugangsanbieter nicht auf Diskriminierungshinweise reagieren, wird der Weg für eine Beschwerde bei der Breitbandvereinigung geöffnet. Diese will Eingaben notfalls an die Regulierungsbehörde Ofcom und andere Regierungseinrichtungen weiterleiten. Die Selbstkontrollvorgabe verstärkt einen früheren Transparenzkodex, der im Vorjahr veröffentlicht worden war.

Der für Kultur, Kommunikation und die Kreativindustrie zuständige britische Minister Ed Vaizey begrüßte den Kodex als "großartige Nachricht für die Verbraucher". Er sieht darin eine bedeutsame Verpflichtung der Unterzeichner, das Prinzip des offenen Internets aufrechtzuerhalten. Sie ermöglichten es ihren Kunden, über die von ihnen gewünschten Dienste abgewogen zu entscheiden. Durch die Vereinbarung erkennten die Unternehmen an, dass die vom offenen Charakter des Internets geförderte Innovation allen zugute komme.

Angeschlossen haben sich dem Kodex unter anderem BT, BSkyB, O2, TalkTalk und Tesco Mobile. Nicht dabei sind einige andere Größen im Zugangsgeschäft. Virgin Media begründete seine Abstinenz damit, dass die angeführten Prinzipien "offen für Fehlinterpretationen" blieben und zu vage seien. Die Einsatzmöglichkeiten fürs Netzwerkmanagement müssten klarer beschrieben werden. Ein Sprecher von Vodafone betonte dagegen, dass das Unternehmen mit der Selbstverpflichtung "viele Dienste nicht mehr anbieten könnte, die derzeit von den Kunden gern in Anspruch genommen werden". Der Betreiber der Netze von T-Mobile und Orange, Everything Everywhere, meinte, dass er die Bestimmungen und ihre Auswirkungen erst genauer unter die Lupe nehmen wolle. Parallel sucht auch die EU-Kommission nach Wegen zur Sicherung der Netzneutralität und hat dazu gerade erneut eine Umfrage gestartet. (Stefan Krempl) / (anw)

17 Kommentare

Themen:

  1. Große britische Provider setzen sich für Netzneutralität ein

    Große britische Provider setzen sich für Netzneutralität ein

    Vodafone, Virgin Media und EE haben sich einer britischen Allianz für das offene Netz angeschlossen. In der Broadband Stakeholder Group sind damit nun alle großen Internetzugangsanbieter des Königreichs vertreten.

  2. US-Regulierer FCC verabschiedet starke Regeln zur Netzneutralität

    US-Regulierer verabschiedet starke Regeln zur Netzneutralität

    Die neuen Vorgaben der US-Regulierungsbehörde FCC untersagen Internetprovidern das Blockieren oder Verlangsamen legaler Inhalte und Dienste sowie das Einrichten von "Überholspuren". Bürgerrechtler feiern einen historischen Sieg.

  3. EU-Parlament stimmt gegen Roaming-Gebühren und für Netzneutralität

    Die EU-Abgeordneten haben mit großer Mehrheit ein neues Regulierungspaket für Telekommunikationsanbieter verabschiedet. Erwartungsgemäß sollen Roaming-Entgelte bis Ende 2015 fallen, beim offenen Internet haben die Volksvertreter noch nachgebessert.

  1. Sprengfalle

    Betreibt Brüssel eine Reform mit Augenmaß oder bekommen die Breitband-Provider freie Bahn, die Netzneutralität auszuhebeln? Über den Regulierungsvorschlag der EU-Kommission gehen die Ansichten weit auseinander.

  2. Vive la neutralité!

    In einigen Ländern soll nahezu Verfassungsrang erhalten, dass der Datentransport im Internet unkontrolliert bleibt und nicht für einzelne Dienste gesondert bepreist wird: Nach Chile, Norwegen, Slowenien und den Niederlanden will nun auch Frankreich die Netzneutralität gesetzlich festschreiben. Der Gesetzgeber will so verhindern, dass für die Nutzer ein Zweiklassen-Internet entsteht.

  3. Programme und Positionen zur Europawahl 2014: CDU und CSU

    Großplakat der CDU zur Europawahl

    Die CDU will Europa "fit machen für die digitale Zukunft", schreibt sie in ihrem Programm zur Wahl am 25. Mai. Zusammen mit ihren Schwesterparteien in der EVP will sie daher für eine starke und wettbewerbsfähige Gemeinschaft kämpfen.

  1. Video: Apple Watch ausgepackt und eingerichtet

    Video: Apple Watch ausgepackt und eingerichtet

    Am Freitagmorgen hat die Mac & i-Redaktion ihre ganz normal bestellte Apple Watch erhalten, ausgepackt und installiert.

  2. Antiviren-Software und Apples Schutzmechanismen für Mac OS X nutzlos

    Schutzsoftware für Mac OS X nutzlos – Apples Mechanismen auch

    Einem Sicherheitsforscher zufolge sei es trivial, einen Mac nachhaltig mit Malware zu verseuchen. Weder würde gängige Antivirensoftware helfen, noch Apples eigene Mechanismen wie XProtect oder das Signieren von Apps.

  3. Früher war alles besser: Erstes Sonderheft des Retro Gamer

    Früher war alles besser: Erstes Sonderheft des Retro Gamer

    Es ist dick wie ein Telefonbuch und schwelgt in der Vergangenheit: Das Sonderheft von Retro Gamer entführt Spieler mit Rückblicken und Anekdoten zurück in die 90er.

  4. Erster Blick ins Innere der Apple Watch

    Erster Blick ins Innere der Apple Watch

    iFixit hat die Computer-Uhr zerlegt: Display und Akku lassen sich tauschen, ein Upgrade des S1-Chips hält der Reparaturspezialist aber für unwahrscheinlich.

Anzeige