Logo von heise online

Suche
Stefan Krempl 17

Britische Provider verabschieden Kodex zur Netzneutralität

Zehn große britische Internetprovider und Mobilfunkbetreiber haben am Mittwoch unter dem Dach der Broadband Stakeholder Group (BSG) einen freiwilligen Kodex (PDF-Datei) zur Netzneutralität unterzeichnet. Sie verpflichten sich dazu, mit ihren Produkten ein "volles und offenes" Netz zu gewährleisten und keine "legalen Dienste oder Inhalte" zu blockieren.

Bestimmte Formen des Netzwerkmanagements und der Verkehrssteuerung werden gestattet. Angebote, die diese gebrauchen, dürfen aber nicht mehr als "Internetzugang" vermarktet werden; die Kunden müssen im Sinne einer größtmöglichen Transparenz aufgeklärt werden. Entsprechende Forderungen waren auch hierzulande bereits laut geworden. Blockaden oder gezieltes Verlangsamen von Datenpaketen sollen sich nicht gegen Inhalte oder Anwendungen bestimmter Provider richten dürfen, heißt es weiter. So soll verhindert werden, dass gegen bestimmte Wettbewerber vorgegangen werden kann.

Sollte ein Zugangsanbieter nicht auf Diskriminierungshinweise reagieren, wird der Weg für eine Beschwerde bei der Breitbandvereinigung geöffnet. Diese will Eingaben notfalls an die Regulierungsbehörde Ofcom und andere Regierungseinrichtungen weiterleiten. Die Selbstkontrollvorgabe verstärkt einen früheren Transparenzkodex, der im Vorjahr veröffentlicht worden war.

Der für Kultur, Kommunikation und die Kreativindustrie zuständige britische Minister Ed Vaizey begrüßte den Kodex als "großartige Nachricht für die Verbraucher". Er sieht darin eine bedeutsame Verpflichtung der Unterzeichner, das Prinzip des offenen Internets aufrechtzuerhalten. Sie ermöglichten es ihren Kunden, über die von ihnen gewünschten Dienste abgewogen zu entscheiden. Durch die Vereinbarung erkennten die Unternehmen an, dass die vom offenen Charakter des Internets geförderte Innovation allen zugute komme.

Angeschlossen haben sich dem Kodex unter anderem BT, BSkyB, O2, TalkTalk und Tesco Mobile. Nicht dabei sind einige andere Größen im Zugangsgeschäft. Virgin Media begründete seine Abstinenz damit, dass die angeführten Prinzipien "offen für Fehlinterpretationen" blieben und zu vage seien. Die Einsatzmöglichkeiten fürs Netzwerkmanagement müssten klarer beschrieben werden. Ein Sprecher von Vodafone betonte dagegen, dass das Unternehmen mit der Selbstverpflichtung "viele Dienste nicht mehr anbieten könnte, die derzeit von den Kunden gern in Anspruch genommen werden". Der Betreiber der Netze von T-Mobile und Orange, Everything Everywhere, meinte, dass er die Bestimmungen und ihre Auswirkungen erst genauer unter die Lupe nehmen wolle. Parallel sucht auch die EU-Kommission nach Wegen zur Sicherung der Netzneutralität und hat dazu gerade erneut eine Umfrage gestartet. (anw)

17 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Grafikkarte Nvidia GeForce GTX 1070: Schnell, teuer und mit Hardware-DRM

    GeForce GTX 1070: Schnell, teuer und mit Hardware-DRM

    Erste Tests der GeForce GTX 1070 zeigen: Die Spieler-Grafikkarte ist 60 Prozent schneller als der Vorgänger GTX 970, aber fast doppelt so teuer. Außerdem enthält die GPU eine Hardware-DRM-Einheit für kopiergeschützte 4K-Filme.

  2. Asus Zenfone 3: Speicherriese "Deluxe" und Monsterphablet "Ultra"

    Asus Zenfone 3 Ultra

    Auf der Computex hat Asus seine neue Smartphone-Generation vorgestellt: Das High-End-Modell Zenfone 3 Deluxe mit 6 GByte RAM und 256 GByte Speicher, das Riesen-Smartphone Zenfone Ultra und das günstige Zenfone 3.

  3. OS X 10.11.5: Abhilfe für SMB-Probleme

    El Capitan

    Apple hat offenbar eine sicherheitsrelevante Änderung für SMB-Verbindungen in El Capitan integriert, die zugleich zu drastischen Geschwindigkeitseinbußen führen kann. Dies lässt sich rückgängig machen – ohne Downgrade auf 10.11.4.

  4. Modellpflege beim Nissan GT-R Nismo

    Nach der Überarbeitung des GT-R stellt Nissan nun das verbesserte Topmodell GT-R Nismo vor. Leistung und Drehmoment des V6-Motors mit doppelter Turboaufladung bleiben gleich, doch will man das Zusammenspiel der Komponenten verbessert haben

Anzeige