Windows Mobile
Wie Epoc/Symbian OS gehört Microsofts Windows CE zu den älteren Smartphone-Betriebssystemen. Verbreitung fand es zunächst in den als Pocket PC bezeichneten Windows-PDAs. 2002 taufte es der Hersteller in Windows Mobile um. Erst mit der Windows Mobile 2003 Phone Edition begann der Siegeszug der Mobilfunk-PDAs. Man bediente sie wie die Pocket PCs per Stift und Touchscreen. Die relativ großen Geräte musste man mit einer Hand halten und mit der anderen bedienen.

Statt dem bisher aufklappenden Pulldown-Menü öffnet ein Tipp auf das Startsymbol bei Windows Mobile 6.5 das Anwendungsmenü, das die Programme versetzt anzeigt, mit über 40 Icons aber unübersichtlich ist.
Ende 2002 präsentierte Microsoft zusammen mit seinem Hof-Lieferanten HTC das erste Windows-Smartphone ohne Touchscreen und im klassischen, für die Einhandbedienung geeigneten Handyformat. Zunächst firmierten die Betriebssystem-Versionen unter Windows Mobile Pocket PC (für PDAs), Windows Mobile Pocket PC Phone Edition (für Smartphones mit Touchscreen) und Windows Mobile for Smartphone (für Mobiltelefone mit normalem Display). Seit der Version 6 (2007) nennt Microsoft die PDA-Variante Windows Mobile 6 Classic, die Handy-Variante Windows Mobile 6 Standard und die Touchscreen-Smartphones Windows Mobile 6 Professional. Die bis vor kurzem noch aktuelle Version 6.1 setzt für Touchscreen-Geräte weiterhin den Eingabe-Stift voraus, unter anderem weil Anwendungen in den typischen Fenstern mit schmalen Scrollbalken starten.
Anfang Oktober stellte Microsoft die Version Windows Mobile 6.5 vor, mit der der Software-Riese dem Trend zur Touchscreen-Bedienung mit dem Finger Rechnung trägt und die Online-Dienste MyPhone sowie den Shop Windows Marketplace for Mobile für den Download von Anwendungen in die Smartphones integriert. Für neuere 6.1-Geräte soll ein Update auf Windows Mobile 6.5 bereitgestellt werden.
Bedienung und Software
Windows Mobile 6.1 orientiert sich noch stark am Konzept seines großen Bruders auf dem PC: Fenster, Leisten, Bedienelemente, alles präsentiert sich im Fenster-Look. Ursprünglich als möglichst nahtlose Übertragung der Nutzererfahrungen vom Desktop auf das Smartphone gedacht, wirkt die Bedienoberfläche im Zeitalter des iPhone und der Steuerung per Finger altbacken und – wegen der umfangreichen Organizer- und Office-Funktionen – vielfach unübersichtlich.
Mit Windows Mobile 6.5 versucht Microsoft, ohne Eingabe-Stift auszukommen, was nur zum Teil gelingt. Das beim Antippen des Start-Icons am linken oberen Rand bei 6.1 erscheinende kleine Dropdown-Menü wurde entfernt, stattdessen erscheint das Anwendungsmenü, dessen Icons – wohl zwecks höherer Treffsicherheit mit dem Finger – versetzt angeordnet sind. Den seitlichen Scrollbalken gibt es nicht mehr, man verschiebt das Menü per Finger, wobei es häufig zum ungewollten Starten einer Anwendung kommt. Mit meist über 40 unsortierten Elementen ist das Menü sehr unübersichtlich.

Der neu gestaltete Heute-Bildschirm der Windows-Mobile-Version 6.5 soll mehr Übersicht über eingegangene Nachrichten und die wichtigsten Anwendungen bringen.
Ein altes Ärgernis hat Microsoft wieder nicht beseitigt: Schließt man das Programm-Fenster, laufen viele der Anwendungen im Hintergrund weiter, was den Arbeitsspeicher nach einiger Zeit verknappt und die Reaktionen des Geräts verlangsamt. Bei Windows Mobile 6.1 muss man sich über mehrere Einstellungsmenüs und Optionen kämpfen, bevor man den Taskmanager erreicht, mit dem sich einzelne oder alle laufenden Programme schließen und aus dem Speicher entfernen lassen. Bei 6.5 findet man ihn zwar schneller, doch hinkt das aktuelle Microsoft-Betriebssystem Konkurrenten wie Symbian OS und erst recht WebOS meilenweit hinterher.
Über den neuen Heute-Bildschirm erreicht man die wichtigsten Anwendungen zügig und bekommt einen Überblick über Datum, Uhrzeit, eingegangene Nachrichten und verpasste Anrufe. Viele Menüs lassen sich dank großer Schrift mit dem Finger treffsicher bedienen. Für die Infoleisten, die unter anderem die Schließen-Funktion und Optionsmenüs beherbergen, nutzt man weiterhin besser den Stift. Auch Anwendungen wie der leistungsfähige E-Mail-Client, die Kontakte und der Kalender weisen viele für die Finger zu kleine Bedienelemente auf.
Hersteller wie HTC, LG oder Samsung statten ihre Windows-Smartphones daher mit hauseigenen Bedienoberflächen aus, die besser an die Nutzung mit dem Finger angepasst sind: HTC – immerhin Marktführer bei Windows-Mobile-Geräten – rüstet seine Produkte mit der Oberfläche TouchFLO 3D und anderen Hilfen wie einem effizienteren Taskmanagement aus. Die mit dem Android-Phone Hero eingeführte Weiterentwicklung Sense soll auch auf bereits angekündigten Windows-Mobile-Modellen wie dem HD2 laufen. LG liefert das GM750 mit der schicken Oberfläche S-Class UI aus, die sich alternativ zu der von Microsoft nutzen lässt. Auch Samsung setzt – etwa beim i900 Omnia – lieber auf seine fingertaugliche TouchWiz-Oberfläche. Doch landet man früher oder später bei Windows-Anwendungen, die sich gewohnt schlecht per Finger bedienen lassen

HTC setzt auch beim Windows-Mobile-Gerät Touch2 auf seine schickere Oberfläche HTC TouchFLO 3D.
Microsoft stattet Windows Mobile mit umfangreichen Software-Beigaben aus: Dazu gehören Mobile Office zum Betrachten und Bearbeiten von Word-, Excel und Powerpoint-Dokumenten, ein PDF-Viewer, die Remote-Desktop-Fernsteuerung und viele Multimedia-Anwendungen. Punkte sammelt Windows Mobile auch mit Mobile Outlook: Die PIM-Anwendung orientiert sich am Desktop-Outlook und lässt sich problemlos mit diesem synchronisieren, per Exchange-Protokoll ActiveSync auch via Internet.
Windows Mobile 6.1 bringt zum Surfen nur den veralteten Internet Explorer Mobile mit, der bei 6.5 überarbeitet und mit Flash nachgerüstet wurde, aber auf dem betagten Internet Explorer 6.0 basiert. Von diesem acht Jahre alten Desktop-Browser erbt die Mobilversion die vergleichsweise gute JavaScript-Unterstützung, jedoch auch viele Schwächen – etwa bei XML-Daten. Vor allem stört die mangelhafte Performance beim Seitenaufbau. Einen RSS-Reader gibt es nur als separate Anwendung. Beim Surfen bleibt der Browser weit hinter denen der anderen Smartphone-Plattformen zurück. Viele Gerätehersteller setzen als Standard deshalb den moderneren und schnelleren Opera-Mobile-Browser ein.
Für Windows Mobile stehen tausende von Anwendungen zur Wahl, die man in verschiedenen Online-Shops, Shareware-Sammlungen oder auf den Websites der Hersteller findet. Mit dem parallel zu Windows Mobile 6.5 gestarteten Marketplace for Mobile will Microsoft die verstreuten Anwendungen in einem Shop bündeln. Voraussetzung ist ein Zertifikat des Windows-Erfinders. Zunächste bediente der Shop nur 6.5er-Geräte, Mitte November wurde er auch für Smartphones mit 6.0 und 6.1 geöffnet. Inwischen versammeln sich mehr als 800 Anwendungen im Shop, allerdings werden lange nicht alle auch deutschen Anwendern angeboten.
Der kostenfreie Online-Dienst MyPhone bietet für Windows-Mobile-Geräte ab Version 6 rund 200 MByte Online-Speicher, über den man PIM-Daten, SMS, Dokumente und Multimedia-Inhalte – die je Datei nicht größer als 15 MByte sein dürfen – synchronisieren und archivieren kann. Gegen eine Gebühr lässt sich das Gerät außerdem aus der Ferne orten, sperren oder komplett löschen.
Mit dem PC synchronisiert man sein Windows-Smartphone per ActiveSync-Software (Windows XP) oder das „Windows Mobile-Gerätecenter“ von Vista. Darüber lassen sich Lesezeichen mit dem Desktop-Browser und Notizen mit OneNote abgleichen. Kalender, E-Mail, Aufgaben und Notizen werden mit Outlook synchronisiert. Über den Explorer erhält man Zugriff auf die Dateien des Smartphone, auch Software lässt sich auf diesem Wege installieren.
Windows Mobile hat auf Smartphones zwar eine lange Tradition, musste in der Vergangenheit aber erhebliche Marktanteile abgeben. Daran dürfte auch die aktuelle 6.5er-Version nichts ändern – die Touchscreen-Smartphones von Apple und Palm bieten frischere Konzepte und einfachere Bedienung. Bislang nutzten hauptsächlich Geschäftskunden die Smartphones mit Microsoft-Betriebssystem. Windows Mobile 6.5 soll zwar mehr Spaß und Spiel bringen, kann mit der Konkurrenz jedoch nicht mithalten. Auf dem kommenden Windows Mobile 7 ruhen nun alle Hoffnungen des Herstellers, der dazu aber viele alte Zöpfe abschneiden muss. Klappt das nicht, werden Windows-Smartphones zwar nicht vom Markt verschwinden, jedoch weiter Marktanteile verlieren.
| Smartphones mit Windows-Mobile-Betriebssystem (Auswahl 1) | |||||
| Gerät | B7610 Omnia Pro | i8000 Omnia II | i900 Omnia | Xperia X1 | TG01 |
| Hersteller | Samsung | Sony Ericsson | Toshiba | ||
| technische Daten | www.handy-db.de/1592 | www.handy-db.de/1593 | www.handy-db.de/1412 | www.handy-db.de/1290 | www.handy-db.de/1508 |
| Vorteile | ausschiebbare Qwertz-Tastatur, gute Ausstattung mit Office Mobile, Java, Video-Editor und Opera-Browser, gute Kamera | kontraststarkes AMOLED-Display, alternative TouchWiz-Oberfläche mit Widgets, Opera-Browser, geringer SAR-Wert | TouchWiz-Bedienoberfläche mit Widgets, gute Kamera, Opera-Browser, gute Multimedia-Ausstattung, Touchpad | ausschiebbare Qwertz-Tastatur, Oberfläche für Fingerbedienung mit wechselbaren Panels, Opera-Browser, Multimedia-Ausstattung | sehr großes Display, schneller Prozessor (1 GHz), 1-GByte-Karte mitgeliefert, guter Videoplayer mit vielen Formaten |
| Nachteile | Display im Sonnenlicht kaum lesbar, groß und schwer, Fingerbedienung per Touchscreen fummelig | keine Sprachwahl, Touchscreen-Bedienung mit dem Finger je nach Anwendung fummelig | hakelige Fingerbedienung, bei manchen Anwendungen Eingabestift nötig, schwacher Prozessor | für viele Anwendungen Eingabestift nötig, wenig Speicher, kurze Akkulaufzeit | Fingerbedienung hakelig, Bedienoberfläche nicht intuitiv, Display in der Sonne kaum lesbar, träger Browser |
| Preis (UVP / Straße) | 500 € / 440 € | 650 € / 500 € | 650 € / 320 € | 700 € / 450 € | 500 € / 450 € |
| Smartphones mit Windows-Mobile-Betriebssystem (Auswahl 2) | ||||
| Gerät | S520 Snap | Touch Diamond II | Touch Pro II, MDA Vario V (T-Mobile) | GM750 |
| Hersteller | HTC | LG Electronics | ||
| technische Daten | www.handy-db.de/1563 | www.handy-db.de/1529 | www.handy-db.de/1532 | www.handy-db.de/1621 |
| Vorteile | handliches Format, gute Qwertz-Tastatur, Trackball-Steuerung, gutes Business-Gerät | TouchFlo-3D-Oberfläche, gute Ausstattung, Opera-Browser, Zoomleiste, gute Kamera | 5-zeilige Qwertz-Tastatur, TouchFlo-3D, Freisprechfunktion für Konferenzen, AV-Ausgang | preisgünstig, S-Class-UI-Bedienoberfläche, gut ausgestattet |
| Nachteile | kein Touchscreen, keine Videotelefonie, mäßiger Browser, einfache Kamera | ungeschützte Kamera-Optik, Touchscreen-Bedienung per Finger teils hakelig | groß und schwer, Touchscreen-Bedienung per Finger teils hakelig | kleiner Touchscreen, keine Sprachwahl |
| Preis (UVP / Straße) | 400 € / 320 € | 480 € / 420 € | 650 € / 550 € | 330 € / – (exklusiv bei Vodafone) |