Symbian OS

Das Smartphone-Betriebssystem mit der weitesten Verbreitung und der größten Modell-Vielfalt ist Symbian OS. Es gründet auf der PDA-Plattform Epoc der Firma Psion und kam bereits 2001 in frühen Smartphones von Nokia und Ericsson zum Einsatz. Die Weiterentwicklung übernahm Symbian, ein Firmen-Konsortium, zu dessen Gründungsmitgliedern Ericsson, Motorola, Psion und Nokia gehörten. Ende 2008 übernahm Nokia alle Anteile an Symbian und übertrug das nun Symbian OS genannte Betriebssystem an die Non-Profit-Organisation Symbian Foundation, die im Sommer 2010 den gesamten Quelltext als Open Source freigeben will.


Im Hauptmenü der Symbian-Oberfläche S60 lassen sich die Anwendungen in Unterordnern thematisch sortieren. Vergrößern
Von Nokia stammen bis heute die meisten Symbian-Smartphones, aber auch Hersteller wie BenQ, LG, Motorola, Panasonic, Samsung und Sony Ericsson haben Geräte mit Symbian OS gebaut oder angekündigt. So finden sich zurzeit einige Samsung-Modelle im Handel; Sony Ericsson hat das Touchscreen-Smartphone Satio rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt gebracht.

Anders als HTC und Microsoft, die von Anfang an Touchscreens bevorzugten, verbaute Nokia zunächst nur herkömmliche Displays und begründete dies mit dem hohen Preis und der Fehleranfälligkeit der berührungsempfindlichen Bildschirme. Die Bedienoberfläche für die preiswerten, aber leistungsfähigen Smartphones heißt S60.

Es gibt sie aktuell in zwei Versionen: Die Oberfläche S60 3rd Edition arbeitet weiter auf Smartphones ohne Touchscreen (Beispiele: Nokia E52, Samsung i8510 Innov8), in den Symbian-Modellen mit Touchscreen-Bedienung kommt S60 5th Edition zum Einsatz, etwa im Nokia N97 oder Samsungs I8910 HD.

Bedienung und Software

Je nach Ausstattung der Smartphones und Oberfläche variiert die Bedienung der Geräte deutlich. Einfache Modelle mit kleinem Display und Wähltastatur benötigen einige Einarbeitungszeit. Alle besitzen eine spezielle Taste, über die man das Hauptmenü aufruft. Ein längerer Druck blendet den recht praktischen Taskmanager ein, der laufende Programme anzeigt und über den man einzelne Anwendungen gezielt aufrufen oder beenden kann. Im Hauptmenü markiert ein kleines Kreissymbol über dem jeweiligen Icon die Aktivität des dazugehörigen Programms im Hintergrund.

Durch die Menüs navigiert man mit dem Steuerkreuz. Einige Samsung-Modelle haben zusätzlich ein kleines Touchpad, das sich besonders beim Surfen bezahlt macht (siehe unten). Das Hauptmenü besitzt Unterordner, in denen man thematisch sortiert weitere Anwendungen findet. Programme lassen sich in andere Ordner verschieben oder neue Ordner anlegen.

Die Touchscreen-Variante S60 5th Edition ist auf Fingerbedienung ausgelegt: Zum Aufruf der Anwendungen braucht es einen Doppeltipp auf das jeweilige Symbol. Das ist beim Scrollen durch die Menüs von Vorteil, da man Programme so seltener ungewollt startet. Zum Aufruf des Taskmanagers drückt man wie bei der 3rd Edition länger auf die Menütaste. Ein längerer Druck auf ein Icon im Taskmenü öffnet ein Untermenü, das die Optionen Öffnen und Schließen anbietet. Der meist mitgelieferte Eingabestift dient nur für die Handschrifteingabe. Die Schrifterkennung ist jedoch mäßig, schneller schreibt es sich mit der virtuellen Tastatur.

Alle aktuellen Symbian-Smartphones stellen mächtige Organizer-Funktionen bereit: Das Adressbuch kann sich vom Umfang her durchaus mit Outlook messen. Die Aufgaben-Liste ist jedoch an den Terminkalender gekoppelt und erlaubt keine Einträge ohne Fälligkeitsdatum. Je nach Baureihe und Zielgruppe sind die Symbian-Geräte unterschiedlich ausgestattet. So punkten Nokias Business-Modelle der Eseries mit Office-Viewern und guten E-Mail-Clients inklusive Unterstützung für verschiedene Push-Dienste – nur der beliebte Blackberry-Client ist nicht mehr verfügbar.

Nokia stattet seine Smartphones außerdem zunehmend mit VoIP-Diensten aus. Viele Eseries-Modelle besitzen einen SIP-Client, der gut in die Telefonfunktion integriert ist: Nach Nummerneingabe hat man in den Optionen die Wahl zwischen Sprach-, Video- oder Internet-Telefonie – letzteres allerdings nur über WLAN-Verbindungen. Wahlweise lässt sich auch ein Skype-Client installieren. Stammt das Smartphone aus dem Portfolio der Netzbetreiber, kann es vorkommen, dass die VoIP-Funktion fehlt.


Der Heute-Bildschirm von Symbian S60 meldet anstehende Termine, verpasste Anrufe und eingegangene Nachrichten und bietet eine frei belegbare Schnellstart-Leiste für die wichtigsten Programme. Vergrößern
Bei Nokias Nseries und den zurzeit verfügbaren Samsung-Modellen liegt der Fokus stärker auf Multimedia. Die Geräte bieten bessere Kamerafunktionen inklusive Video, Mediaplayer – meist mit Zugang zu den Musikshops der Hersteller und viel Speicher für Multimedia-Dateien. Der mitgelieferte Realplayer kennt viele Audio- und Videoformate und sogar Flashvideos (.flv). Weitere Player, beispielsweise für Ogg Vorbis und exotischere Formate lassen sich nachinstallieren.

Alle hierzulande verfügbaren Symbian-Smartphones greifen zum Surfen auf den von Nokia entwickelten WebKit-Browser zu, der Seiten zügig aufbaut und JavaScript kennt sowie Flash darstellt. Beim Laden zeigt er die übertragenen Datenmengen an – eine Hilfe für Mobilsurfer ohne Flatrate. Als Navigationshilfe gibt es eine Seitenübersicht und für Links einen Mauszeiger, den man mittels Steuerkreuz positioniert. Der Verlauf zeigt die besuchten Webseiten als Miniansicht. Auf den Touchscreen-Modellen zoomt man mit einer eingeblendeten Leiste stufenlos und recht schnell. Doch verdeckt diese einen Teil der Webseite.

Für Symbian-Programme – die zu den jeweiligen S60-Oberflächen passen müssen – gibt es zahlreiche Quellen im Netz, dazu mehrere Software-Übersichten. Wer nicht googlen will, ruft bei Nokia-Modellen unter dem Icon Laden! oder Download! den herstellereigenen Online-Shop auf, dessen Pflege Nokia allerdings stark vernachlässigt hat, obwohl er älter als Apples App Store ist. Nokias neuer Ovi-Shop steht noch am Anfang, worüber die zahlreichen – und teuren – Jamba-Spielchen nicht hinwegtäuschen können. Wer bestimmte Anwendungen sucht, wird im Internet schneller fündig. Insgesamt gibt es etliche tausend Symbian-Anwendungen.

Zum Abgleich mit dem PC stellt Nokia die umfangreiche PC Suite bereit, die auch Samsung unter dem Namen PC Studio 7 seinen Symbian-Smartphones beilegt. Zu den Funktionen gehören die Synchronisation mit Outlook und Notes, ein Backup-Programm, Hilfe beim Datenumzug auf ein anderes Handy, Editoren für Adressen, Termine und Nachrichten, ein Dateimanager und Multimedia-Programme mit Videotranscoder. Die PC Suite kümmert sich auch um Firmware-Updates und die Installation von Symbian- oder Java-Software auf dem Mobilgerät. Für den Abgleich via Internet besitzen alle Nokia-Smartphones und einige Samsung-Modelle einen SyncML-Client.

Aufgrund der hohen Verbreitung und der Entscheidung, aus Symbian OS eine Open-Source-Software zu machen, gilt das Smartphone-Betriebssystem als sehr zukunftssicher. Nokia will Symbian jedoch nur noch in seinen Mittelklasse-Geräten einsetzen.

Smartphones mit Symbian-Betriebssystem (Auswahl 1)
Gerät5530 XpressMusic5800 XpressMusicE66E71E75
HerstellerNokia
technische Datenwww.handy-db.de/1586www.handy-db.de/1464www.handy-db.de/1418www.handy-db.de/1417www.handy-db.de/1531
Vorteilepreisgünstig, 4-GByte-Karte im Lieferumfang, Sprachsteuerung, guter Mediaplayer8-GByte-Karte im Lieferumfang, gute Multimediafunktionen, Browser mit Flash und Flash-Video, AV-Kabelplatzsparende Schiebetastatur, sprecherunabh. Sprachsteuerung, VoIP via WLANQwertz-Tastatur, lange Akkulaufzeit, sprecherunabh. Sprachsteuerung, Browser mit Flash, VoIP via WLANauschiebb. Qwertz-Tastatur, sehr umfangreiche Business- und Multimediaausstattung, VoIP via WLAN
Nachteilekein UMTS, kein GPS, Display in der Sonne kaum lesbar, fummelige Bedienung mit dem FingerDisplay in der Sonne schlecht lesbar, keine Viewer für Office-Dateienhoher SAR-Wert, kleines Display, kein Touchscreen, für die Eingabe nur Wähltastatur, unkomfortabel beim Surfenhoher SAR-Wert, kleines Display, kein Touchscreenkleines Display, kein Touchscreen, engstehende Wähltasten
Preis (UVP / Straße)260 € / 220 €400 € / 300 €320 € / 280 €340 € / 300 €380 € / 310 €

Smartphones mit Symbian-Betriebssystem (Auswahl 2)
GerätN79N86 8MPN97i8910 HDi8510 Innov8
HerstellerNokiaSamsung
technische Datenwww.handy-db.de/1443www.handy-db.de/1547www.handy-db.de/1492www.handy-db.de/1524www.handy-db.de/1449
Vorteile4-GByte-Karte mitgeliefert, Multimedia-Ausstattung, Drahtlos-Joystick, VoIP via WLANOLED-Display, AV-Ausgang, doppelte Schiebetastatur (Wähl- und Playertasten), UKW-Sender, Flash-Videosausschiebbare Qwertz-Tastatur, umfangreiche Multimedia-Funktionen, großer Speicher, AV-Ausgang, UKW-SenderVideo-Handy mit AMOLED-Display, gute Fingerbedienung, nimmt HD-Videos (720p) auf und spielt sie ab, DivX-fähig, Browser mit Flash, AV-AusgangSchiebe-Handy, gute Tastatur mit Touchpad, kontraststarkes AMOLED-Display, brauchbare Kamera, AV-Ausgang
Nachteilehoher SAR-Wert, kleines Display, kein Touchscreen, mäßige Tastatur, unkomfortabel beim SurfenDisplay in der Sonne kaum lesbar, AV-Kabel nicht mitgeliefert, unkomfortabel beim SurfenAV-Kabel nicht mitgeliefertgroß, Display in der Sonne schlecht lesbar, AV-Kabel nicht mitgeliefert, Probleme beim Streamen von Videos via UPnPDisplay in der Sonne schlecht lesbar, kein Touchscreen, AV-Kabel nicht mitgeliefert
Preis (UVP / Straße)360 € / 280 €450 € / 400 €650 € / 520 €700 € / 490 €600 € / 360 €
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