Logo von iX

Suche
228

Microsoft veröffentlicht Hyper-V-Treiber für Linux unter der GPL

Microsoft hat einige Linux-Treiber zur Unterstützung der Virtualisierungsschnittstelle Hyper-V Linux unter der GPL freigegeben. Die Treiber ermöglichen als Gastsystem laufenden Linux-Distributionen unter Hosts mit Microsofts Hyper-V die Hardware-Emulation zu umgehen, um etwa für I/O-Aufgaben direkt mit dem Hypervisor zu kommunizieren. Das soll Host- und Gastsystem entlasten und so deren Performance verbessern.

Anzeige

Greg Kroah-Hartman vom Linux Driver Project zeigt sich erfreut über die von ihm in den vergangenen Monaten aktiv unterstützte Offenlegung der Hyper-V-Treiber. Es sei aber noch viel Arbeit nötig, bis der Code in den regulären Bereich des Linux-Kernels aufgenommen werden könne; Kroah-Hartman will ihn jedoch in den Staging-Bereich des Hauptentwicklungszweigs aufnehmen, wo sie allem Anschein nach mit Linux 2.6.32 auftauchen dürften.

Zu diesem Vorgehen Microsofts dürfte der große Konkurrenzdruck im Virtualisierungsmarkt nicht unerheblich beigetragen haben, denn durch die Offenlegung der Treiber und die Integration in den Kernel zieht der Code langfristig in die großen Linux-Distributionen ein und dürfte dort bei Bedarf automatisch genutzt werden. Das verbessert die Performance und erleichtert den Anwendern die Konfiguration, was wiederum Microsofts Hypervisor für einige Kunden attraktiver machen dürfte.

Ursprünglich hatte Microsoft das LinuxIC (Hyper-V Linux Integration Components) genannte Treiberpaket als proprietären Code entwickelt und dieses bereits Mitte vergangenen Jahres in Vorabversionen veröffentlicht. Die wurden dann aber kurzfristig zurückgezogen, um "abermals Lizenzfragen zu klären"; die Lizenzierung sei verzwickt, wenn proprietärer und offener Code zusammengepackt würde ("The Linux ICs were taken down so that folks could review the licensing one more time. Licensing is tricky when open source and proprietary software are packaged."). Das ist eine Anspielung auf die vom Linux-Kernel genutzte GNU General Public Licence (GPL) v2, die nach Ansicht mancher Kernel-Entwicklern und Rechtsexperten vorsieht, dass alle Treiber die zum Kernel gelinkt würden den Anforderungen der GPL entsprechen müssen – also unter der GPL oder einer kompatiblen Lizenz lizenziert sein.

In gewisser Weise erkennt Microsoft mit dem nun erfolgten Schritt an, dass sich der vom Kernel eingebundene Code an die Bedingungen der GPL halten muss. Greg Kroah-Hartman geht auf diesen Punkt in einem Blog-Eintrag näher ein und zitiert dort ein Microsoft-Dokument. VMWare, Platzhirsch im Virtualisierungsmarkt, muss sich hingegen seit Jahren Vorwürfe gefallen lassen, bei einigen Produkten die GPL zu verletzen; selbiges gilt für die Kernel-Teile der proprietären Grafiktreiber von AMD und Nvidia. (Thorsten Leemhuis) / (thl)

228 Kommentare

Themen:

  1. Linux-Kernel 4.1 bekommt zwei Jahre Pflege

    Linux-Kernel 4.1 bekommt zwei Jahre Pflege

    Entwickler Greg Kroah-Hartman will den Linux-Kernel 4.1 bis Mitte 2017 pflegen. Derweil verzögert sich die Fertigstellung dieser Version allerdings noch um eine Woche.

  2. Kdbus soll in Linux-Kernel 4.1 aufgenommen werden

    Weichen zur Aufnahme von Kdbus in Linux-Kernel 4.1 gestellt

    Der im Systemd-Umfeld entwickelte IPC-Mechanismus Kdbus soll in den Linux-Kernel 4.1 einziehen – so zumindest sieht es der angesehene Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman vor.

  3. Linux-Kernel-Entwickler: Seid "großartig zueinander"!

    Linux-Kernel-Entwickler sollen "großartig zueinander" sein

    Die Kernel-Entwickler haben einige Verhaltensweisen zum Umgang miteinander niedergeschrieben. Der Text legt zudem ein Gremium fest, das bei Streitfragen vermitteln soll.

  1. Kdbus: Neue Interprozesskommunikation für den Linux-Kernel

    Der D-Bus stellt Linux-Anwendungen eine Schnittstelle zur Kommunikation untereinander und mit Systemkomponenten zur Verfügung. Derzeit wird daran gearbeitet, den IPC-Mechanismus in den Linux-Kernel zu verlagern.

  2. Die Neuerungen von Linux 4.1

    Das Ext4-Dateisystem kann Daten jetzt selbst verschlüsseln. Neu dabei ist ein Treiber für NV-DIMMs, die noch viel schneller sind als SSDs. Die Kernel-Entwickler legen zudem Grundlagen für 3D-Beschleunigung in virtuellen Maschinen.

  3. Die Neuerungen von Linux 4.0

    Beim Linux-Kernel 4.0 lassen sich Sicherheitslücken ohne Neustart des Systems beheben. Ein verzögertes Aktualisieren von Dateieigenschaften soll die Performance von Ext4 verbessern.

  1. Demonstration für Grundrechte, Pressefreiheit und Netzpolitik.org

    Demonstration für Grundrechte, Pressefreiheit und Netzpolitik.org

    Nur 48 Stunden nach der ersten Nachricht vom #Landesverrat demonstrierten 2500 Menschen in Berlin gegen den übergriffigen Staat.

  2. Weiter Abstand

    Neuvorstellung Lexus RC 200t

    In Hubraum und Leistung deutlich unterhalb des einigermaßen brachialen RC-F mit Fünfliter V8-Saugmotor und 351 kW/477 PS wird Lexus das Sportcoupé ab Januar 2016 mit einem aufgeladenen Zweiliter-Vierzylinder-Ottomotor mit 180 kW/ 245 PS und 350 Nm anbieten

  3. Spar-Exot

    Skoda Octavia

    Kein Skoda Octavia lässt sich so preiswert bewegen wie der mit Erdgas. Doch hierzulande greift kaum einer zu. Die Gründe dafür sind auf den ersten Blick nicht ersichtlich, auf den zweiten schon, wobei die Verantwortlichen für die Infrastruktur und der Hersteller nicht ganz unschuldig sind

  4. Auf Reserve

    VW e-Up

    Wer eine Batterie statt einen Tank als Energiespeicher benutzt, kann die Besonderheiten dieser Technik so ausnutzen, dass er ohne Selbstkasteiung mit flüssiger Fahrweise weit kommt. Einige Praxistipps

Anzeige