25.05.2012 06:00

Hands-on: Samsung NX20

Bereits vor dem Erscheinen im Handel hatten wir die Möglichkeit, uns einen Eindruck von Samsungs NX20 zu verschaffen. Das neue Spitzenmodell der Koreaner will es im Segment der spiegellosen Systemkameras mit Sonys Nex-7 und der OM-D E-M5 von Olympus aufnehmen. Mit einem Vorserienmodell waren wir in Stuttgarts Innenstadt unterwegs.


Samsungs neues Spitzenmodell NX20 kommt mit beweglichem Display und hochaufgelöstem Sucher. Vergrößern
Bild: Samsung
Samsung hat seine drei Systemkamera-Neulinge NX210, NX1000 und auch das Topmodell NX20 mit dem gleichen Sensor ausgestattet. Dieser ist nach wie vor ein CMOS-Typ im APS-C Format (23,5 mm × 15,7 mm), löst jetzt aber 20-Megapixel auf (NX11: 14 Megapixel). Das AMOLED-Display bietet bei 3-Zoll-Diagonale weiterhin 614.000 Bildpunkte und ist bei der NX20 nun zusätzlich dreh- und neigbar ausgeführt, was gerade bei Aufnahmen über Kopf oder in Bodennähe die Arbeit mit der Kamera extrem erleichtert. Beim Navigieren durch die aufgeräumten Menüs gerät man immer wieder in Versuchung, einzelne Einstellungen durch tippen auszuwählen, anders als die Konkurrenz von Olympus und Sony bietet die NX20 allerdings keinen Touchscreen.

Durchblick. Führt man die Kamera ans Auge, aktiviert sich automatisch der LCD-Sucher. Mit VGA-Auflösung (921.600 Subpixel) ist dieser ausreichend detailreich, kann aber nicht mit dem riesigen, hochaufgelösten OLED-Sucher der Nex-7 konkurrieren. Schön wäre ein dezidierter Schalter, um zwischen Display, Sucher und Automodus wechseln zu können. Durch das bewegliche Display kommt man beim Fotografieren schnell einmal mit dem Finger in die Nähe des Suchers, was zum Ausschalten des Displays führt. Umschalten lässt sich die Anzeige nur im Menü.

Schnelle Bilder. Beeindruckt hat uns die Serienbildgeschwindigkeit der NX20: Bei unseren Tests schaffte sie acht Bilder in der Sekunde. Dabei spielte es keine Rolle, ob in Raw oder JPEG fotografiert wurde. Arbeitet man mit Rohdaten, ist allerdings auch nach einer Sekunde Schluss. Bei der Einstellung "JPEG-Superfein" landen immerhin zwei Bilder mehr im Zwischenspeicher.

Neben den typischen P/A/S/M-Modi bietet die NX20 eine intelligente Szenenerkennung, mehrere Motivprogramme und drei Speicherplätze für eigene Aufnahmeeinstellungen. Dem Spieltrieb mancher Fotografen kommt Samsung mit allerlei Filtern entgegen, die zum Beispiel Bilder mit selektiver Farbe versehen oder als Strichzeichnung aufbereiten.

WLAN-Fähigkeiten. Wie auch schon beim Kompaktsegment sieht Samsung großes Potential in der Bildübertragung via WLAN. Dieser Funktion spendieren die Koreaner deshalb einen eigenen Platz auf dem Moduswahlrad. Dabei sind durchaus praktische Funktionen wie ein automatisches Backup aller aktuellen Bilder, sobald sich PC und Kamera im selben Netzwerk befinden und der Bilder-Upload in die Cloud. Ebenso lassen sich Fotos als E-Mail über einen Samsung-Server verschicken und in soziale Netzwerke hochladen. Mittels App können die Bilder auch aufs Smartphone geschickt werden. So lässt sich das mobile Telefon zur LiveView-Wiedergabe nutzen. Während wir die WLAN-Funktionen konfigurierten, vermissten wir abermals die komfortable Eingabe per Touchscreen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Feature kommender NX-Kameras.

Die Verarbeitung der Kamera bietet wenig Anlass zur Kritik, durch den gummierten Handgriff liegt die NX20 rutschfest in der Hand. Insgesamt dominiert allerdings eine Plastik-Haptik. Die Verwendung dieses Materials sorgte beim bisherigen Kit-Objektiv (18–55 mm, f/3.5–5.6) für Kritik der Nutzer, weshalb Samsung das Objektiv nun in einer überarbeiteten Version mit Metallbajonett anbietet.

Außeneinsatz. Auf unserer Fototour präsentierte sich das Vorserienmodell der NX20 als flotter Fotobegleiter. Die Tricks und Sprünge der Parkour-Athleten von Ashigaru ließen sich durch den flotten Autofokus und die schnelle Serienbildrate gut auf die Speicherkarte bannen. Auch vereinzelte Regenschauer überstand unser Testmodell problemlos.

Im Labor. Eine Bildbeurteilung unserer c't-Testszene offenbart die Schwächen des Kit-Objektivs. Mittig zeigt das Bild eine gute Schärfe, die aber zu den Ecken hin stark abnimmt. Die Farbdarstellung ist neutral und zurückhaltend. Zwar lassen sich in der 100-Prozent-Ansicht schon bei ISO 400 erste Störungen an kontrastreichen Kanten ausmachen, bis ISO 1600 bleiben die Bilder aber gut nutzbar. Erst ab der nächsten Empfindlichkeitsstufe (ISO 3200) nehmen die Störungen dermaßen zu, dass nur noch eine deutliche Verkleinerung in Frage kommt. Die höchste Empfindlichkeit liegt bei ISO 12800, nutzbar ist diese aber nicht.

Fazit. Insgesamt zeigt Samsungs aktuelles Topmodell eine gute Leistung, muss sich aber mit den entsprechenden Modellen der Konkurrenz messen. Wie gut das gelingt, werden erst die Ergebnisse der Verkaufsversion in unserem Messlabor zeigen. Bis dahin werden auch die Techniker in Korea nicht untätig sein und die NX20 firmwareseitig noch optimieren. Alleinstellungsmerkmal ist die WLAN-Fähigkeit, diese bietet einen echten Nutzwert, würde aber bei der Bedienbarkeit enorm von einem Touchdisplay profitieren. Die Entwicklung bei den spiegellosen Systemkameras bleibt also weiterhin spannend: Neuigkeiten von Panasonic stehen vor der Tür und auch Canon wird sich dieser Kameragattung wohl früher oder später öffnen. (tho)

Copyright © 2013 Heise Zeitschriften Verlag