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Getestet: Fujifilm Fotoservice PRO

Wenn die Farben auf dem Ausdruck genauso aussehen sollen wie am Motiv, benötigt man einen „farbverbindlichen Workflow“ – angefangen von der Kamera, über die Bearbeitung bis hin zum Druck. Fujifilm hat jetzt seinen neuen Fotoservice PRO eingeführt, der für den Druck genau diese Farbverbindlichkeit verspricht. Wir haben den Dienst getestet, einen kurzen Know-how-Beitrag zum Thema "Farbmanagement beim Fotodruck" finden Sie hier.

Der Fujifilm Fotoservice PRO (FFSpro) stand bislang nur Fujifilms eigenen Handelspartnern zur Verfügung, er erlaubt die Anfertigung von Fotos, Postern, Fotobüchern, Fotoleinwänden, Fotokalendern sowie XXL-Bildern auf Aluminium, Acrylglas oder Hartschaum. Aus Anwendersicht ist er eine reine Bestellsoftware ohne zusätzliche Bildbearbeitungswerkzeuge, was Fujifilm als Vorteil herausstellt: Dies gewähre dem Nutzer maximale gestalterische Freiheit in seinem eigenen Bildbearbeitungs- oder Layoutprogramm.

Wir haben FFSpro mit den Bildern getestet, die wir auch für den Farbmanagement-Test im aktuellen Heft der c't Digitale Fotografie verwendet haben. Hier finden Sie auch den 26-seitigen Praxisbeitrag "Echte Farben – von der Aufnahme bis zum Abzug", der unter anderem beschreibt, wie Sie Ihre Kamera für einen farbverbindlichen Workflow vorbereiten, wie Sie "echte Farben" auf dem Monitor sehen und wie Sie Ihr Betriebssystem entsprechend konfigurieren.

[Update: Fujifilm Fotoservice PRO ist bisher nur für Windows verfügbar. Wir testeten den Dienst mit Bildern in den Farbräumen sRGB und eciRGB mit allen drei Rendering Intents sowie zusätzlich mit Photogamut und dem Softproof-Profil des Belichters selbst. eciRGB ist so groß, dass es den Belichterfarbraum vollständig einschließt, andererseits aber noch nicht zu groß für eine 8-Bit-Farbtiefe, wie es WideGamut und ProphotoRGB wären.]

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Die Bestellsoftware lädt nach der Installation drei Softproof-Profile von der Fujifilm-Webseite und kopiert diese auf Wunsch in den Standardordner des Betriebssystems, sodass sie auch anderen Anwendungen zur Verfügung stehen: je ein Profil für normale Fotos, für XXL-Fotos und für Fotos auf Leinwand. Hinter den unterschiedlichen Formaten und Materialien stehen auch unterschiedliche Belichter. Fotos bis zum Format 20×30 cm, wie wir sie bestellten, werden mit der Fuji Frontier auf Fujicolor Crystal Archiv Paper belichtet. Ähnliche Kombinationen setzen auch andere Fotodienstleister ein, beispielsweise Foto.com und Fotokasten.

Nach Auswahl der Bilder gelangt man in einen Dialog, in dem Format und Papieroberfläche ausgewählt werden, bevor die Produkte in den Warenkorb kommen. Von der beworbenen Softproof-Funktion sieht man zunächst nichts. Erst ein Doppelklick auf eine der Bildminiaturen öffnet einen weiteren Dialog mit einer Vorschau, die sich auf mehr als 1000 Prozent vergrößern lässt. Am unteren Rand zeigt eine Auswahlbox fünf Optionen an. Drei davon sind "Rendering Intents", mit denen die Bildfarben vom Quellfarbraum in den Farbraum der Belichtungsmaschine umgerechnet werden können.

Die vierte Option heißt „ohne“ und meint, dass das Bild ohne Proofing angezeigt wird.

Option Nummer fünf nennt sich „sRGB-Optimierung“ und ist für sRGB-Bilder gedacht, die vor allem in bestimmten Blau- und Cyan-Farbbereichen die Fähigkeiten des Belichters nicht ausnutzen. Die Sättigung solcher Farben wird erhöht und auch der Farbkontrast. Die gewählte Softproof-Option wird bei der Bestellung mit übermittelt und bestimmt die Umrechnungsmethode beim Dienstleister, gleichzeitig wird die Ansicht entsprechend umgeschaltet.

FFSpro bietet, neben der perzeptiven, zwei relativ farbmetrische Softproof-Methoden (Rendering Intents) zur Auswahl, eine ohne und eine „mit TK“ – das Kürzel steht für Tiefenkompensierung. Der relativ farbmetrische Rendering Intent passt zwar die Weißpunkte von Quell- und Zielfarbraum an, aber nicht die Schwarzpunkte. Sind diese unterschiedlich, kann es zum Clipping kommen, dem Abschneiden von Tonwerten. Das spielt gerade bei der Ausgabe eine Rolle, denn Druckfarbe ist nie völlig schwarz, der Schwarzpunkt der meisten Standardprofile ist aber mit dem Wert 0 definiert. Ohne weitere Maßnahmen werden alle helleren Werte, die noch unterhalb des Drucker-Schwarzpunkts liegen, abgeschnitten – es geht Tiefenzeichnung verloren. Die perzeptive Umrechnungsmethode erledigt die Tiefenanpassung quasi automatisch, und für die relativ farbmetrische Methode bieten die meisten Programme und eben auch FFSpro die Option „Tiefenkompensierung“. Diese Option ist deshalb fast immer empfehlenswert.

Zur farbrichtigen Druckvorschau eines Bildes auf einem Monitor sind insgesamt drei Farbprofile nötig: Das Profil des Bildes selbst (Quellprofil), das Profil des Ausgabegerätes (Zielprofil) sowie das Monitorprofil. Das Bildprofil entnimmt das Programm den Exifdaten, fehlen diese, wird sRGB angenommen. Das Zielprofil erfährt FFSpro anhand des gewählten Produkts und Formats. Das Monitorprofil verrät das Betriebssystem. Im Test erwies sich der Softproof als eine recht zuverlässige Vorschau auf das Ergebnis. Verbesserungsmöglichkeiten beschränken sich aber auf die Auswahl eines anderen Rendering Intents.

Führt keiner zu einem akzeptablen Ergebnis, kann das Bild nur in einem Bearbeitungsprogramm geöffnet und manuell korrigiert werden – vorzugweise in einem Programm mit eigener Softproof-Funktion, um den Erfolg gleich kontrollieren zu können. Damit wird die Softproof-Funktion in Fujifilms Bestellsoftware aber überflüssig.

Uns fiel auf, dass ein Softproof in Photoshop etwas besser aussieht, als ein Softproof des gleichen Bildes mit dem gleichen Profil in der Fujifilm-Bestellsoftware. Während in Photoshop die tiefen Schatten noch durchsichtig blieben, soffen sie in FFSpro regelrecht ab, sowohl im Softproof als auch im ausbelichteten Papierbild. „Perzeptiv“ war dabei genauso schlecht wie „Relativ Farbmetrisch“, die Tiefenkompensierung brachte nur eine geringe Verbesserung. Möglicherweise liegt dies am von Fujifilm verwendeten Umrechnungsmodul – oder am Farbprofil selbst.

In punkto Tiefenzeichnung können die Ausbelichtungen auf kleinen Formaten (andere Produkte haben wir nicht getestet) von Fotoservice PRO nicht überzeugen, egal welchen Rendering Intent man wählt. Ähnliches gilt für die Zeichnung in den Lichtern, die auch zu wünschen übrig lässt. Die Konkurrenz ist da teilweise deutlich besser.

Die Brillanz der Farben ist okay. In hoch gesättigten Farben, besonders im Rot, gehen jedoch viele Differenzierungen verloren. Möglicherweise liegen einige dieser Mängel an einem zu „konservativen“ Farbprofil, das ja die Fähigkeiten des Belichters nicht nur wiederspiegelt, sondern auch bestimmt, bis zu welchen Grenzen diese ausgereizt werden. Es ist im Vergleich mit anderen Anbietern, die oft die gleichen Maschinen und Papiere verwenden, ungewöhnlich klein.

Fujifilm erlaubt mit dem neuen Fotoservice PRO dem Anwender erstmals, die Umrechnungsmethode selbst zu bestimmen, mit der die Bildfarben vor der Ausbelichtung vom Quellfarbraum in den Farbraum des Belichters konvertiert werden. Alle uns bekannten anderen Belichtungsdienste gewähren hier keine Eingriffe. Man kann aber davon ausgehen, dass immer entweder perzeptiv oder relativ farbmetrisch „mit Tiefenkompensierung“ umgerechnet wird. Dies sind auch die in FFSpro empfehlenswerten Methoden. Welche die besseren Ergebnisse verspricht, bringt die eingebaute Softproof-Funktion ans Licht – auf die Abzüge muss man nicht warten. Es ist ein guter Ansatz und zeigt, dass der Wunsch vieler Anwender nach reproduzierbaren Farben ernst genommen wird.

Unzufrieden waren wir mit den Ergebnissen des Praxistests. In punkto Farbdifferenzierung in hoch gesättigten Bereichen sind andere, oft sogar preiswertere Anbieter deutlich besser, obwohl sie die Sättigung eher noch weiter ausreizen. Ausgesprochen schlecht ist die Zeichnung in den sehr hellen Lichtern und tiefen Schatten. Es kann einfach nicht sein, dass der Kunde hier gezwungen wird, seine Bilder manuell an die Eigenheiten von Fujifilm anzupassen, und damit auch noch den Bild-Tonwertumfang künstlich einzuschränken. Wenn der Kunde ein optimal durchgezeichnetes Bild in einem Standardfarbraum liefert, ist es Aufgabe des Dienstleisters, dies adäquat aufs Papier zu bringen. Zu hoffen ist, dass Fujifilm hier mit einem optimierten Profil nachbessert.

Was aber auch die Ergebnisse von Fujifilms Pro-Service deutlich zeigen: sRGB ist für die Bildausgabe auf Papier eher eine schlechte Wahl, da viele Farben im Cyan- und Blaubereich nur blass und undifferenziert dargestellt werden können. Die sRGB-Optimierung hilft, verstärkt aber insgesamt den Farbkontrast in oft unerwünschter Weise. AdobeRGB ist im Vergleich mit sRGB nur wenig besser. Empfehlenswert ist, die Fotos im Raw-Format aufzunehmen und aus dem Raw-Konverter mit einem größeren Farbraum zu exportieren, beispielsweise eciRGB oder mit dem optimal an die Fähigkeiten guter Ausgabegeräte angepassten Farbraum Photogamut. Noch größere Farbräume wie WideGamut oder ProphotoRGB sind für 8-Bit-Dateien schon wieder zu groß, diese sollten Sie nur zusammen mit 16 Bit Farbtiefe verwenden. FFSpro akzeptiert – auch das ist eine Besonderheit – TIF- und -PSD-Dateien in 16 Bit Farbtiefe. Diese sind allerdings wesentlich größer als 8-Bit-JPGs, was die Uploadzeiten vervielfacht. (ssi)

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